Basilika-Sanierung in Prüm – Arbeiter finden geheimen Raum

Archiv März 2019 : Basilika-Sanierung in Prüm – Arbeiter finden geheimen Raum

Kleine Sensation bei der Basilika-Sanierung in Prüm: Kurz vor der Fertigstellung entdeckte man einen versteckten Raum – mit Inhalt. Die Arbeiten insgesamt steuern auf den pünktlichen Abschluss zu.

Neues vom zweiten Prümer Großprojekt: Die Basilika ist nämlich noch ein bisschen geräumiger geworden als gedacht. Zumindest nach unten, denn bei den Arbeiten in einem Zwischenzimmer, das vom Altarraum zum Pfarrhaus führt, entdeckten die Arbeiter einen versteckten – ja was? Keller? Auf jeden Fall ein tiefes, gemauertes, lichtloses Loch mit Gewölbedecke. Für Klaustrophobiker ist das nichts.

Aber: „Das ist sehr spannend“ sagt Architekt Peter Berdi aus Bernkastel-Kues. Und durchaus eine kleine Sensation. Denn es handle sich offensichtich um einen Raum, von dem niemand etwas habe wissen sollen. „Ich vermute, dass die da in Kriegszeiten alles Mögliche versteckt haben.“

Dass es ein Versteck gewesen sein könnte, erkennt man daran, wie es entdeckt wurde: In dem Raum darüber sollte der Boden erneuert werden, das Holz war gefault. Als man die Bretter herausnahm, kam darunter eine kleine, quadratische Luke ans Tageslicht. Und die führt nach unten. Ohne Treppe, dafür wäre gar kein Platz.

Zugang in den 2,80 Meter hohen, alles andere als heimeligen Raum erhält man nur per Leiter. Und auch dann ist es immer noch eine Sache der Gelenkigkeit, ohne Schrammen nach unten zu gelangen.

Was fand man dort? Feuchtigkeit – sie war es, die das Holz darüber zersetzt hatte. Und zweieinhalb Tonnen Schutt, die sämtlich per Eimer durch das enge Loch nach oben befördert werden mussten. Und in diesem Schutt dann allerhand Gegenstände – Vasen, Kannen, Kerzenständer, Metallreste. Und eine Heiligenfigur. „Das könnte Josef sein“, sagt Wilhelm Husch, der Vorsitzende des Pfarrverwaltungsrats. Dafür spricht auch das Schäfchen, das man ebenfalls fand. Vielleicht war es ja eine ganze Weihnachtskrippe, die dort einmal untergebracht war.

Der Raum wird ein Rätsel bleiben: Es wäre natürlich schön, der Sache weiter hinterherzuforschen, sagt Berdi. Nur: Das würde wieder Geld kosten.

Womit wir bei den Zahlen sind. Thomas Stadler, Chef der Rendantur Niederprüm, die sich um die Bistums-Immobilien kümmert, hat eine aktuelle Auflistung dabei. Gesamtkosten: derzeit 2,1 Millionen Euro, von denen das Bistum Trier 738 000 trägt und stattliche 652 000 bisher über Spenden gesammelt wurden. Fehlen noch etwa 700 000 Euro, die man über ein Darlehen finanzieren muss – „wenn dann alle Zuschüsse kommen“, sagt Stadler, und Berdi ergänzt: „Wir kämpfen jeden Tag.“

Apropos jeden Tag: Wilhelm Husch, darauf verweist Stadler, sei fast rund um die Uhr auf der Baustelle, kümmere sich um alles, treffe Entscheidungen – „das kann ich von Bernkastel aus nicht leisten“, sagt Berdi. Aber man stimme alles Wichtige miteinander ab, ganz eng, reibungslos.

Aktuell geht es dabei um die Lampen: Die beiden unterschiedlichen Varianten – von jeder kommen acht Stück in die Kirche – hängen testweise schon. Jetzt muss entschieden werden, in welcher Höhe sie angebracht werden sollen. „Ich hab schon 100 Meinungen eingeholt“, sagt Husch und lacht. Zu hoch, zu tief, irgendwann wird es passen.

Und: „Wir sind sehr gut im Zeitplan“, sagt Husch. Unter anderem läuft die neue Heizung, die Elektrik ist eingebaut, die Wände gestrichen – als nächstes werden die Kirchenbänke, 46 Stück, aufbereitet. Auch das ist nicht ganz einfach zu erledfigen: Jede ist aus drei unterschiedlichen Holzarten zusammengebaut. Fichte, Douglasie, Eiche. Und die Kopfstücke an den Seiten sind alle individuell geschnitzt.

Und dann ist da ja noch die Orgel: Dank vieler Spenden kann sie nun doch gleich mitsaniert werden, wo ohnehin das Gerüst noch steht. Restaurator Hubert Fasen aus Oberbettingen soll am kommenden Donnerstag anrücken.

Gefunden wurden unter anderem diese Heiligenfigur und ein Schäfchen. Foto: Fritz-Peter Linden
Die neuen Lampen hängen schon. Foto: Fritz-Peter Linden

„Ich hab schon acht Leute parat stehen, die helfen mit“, sagt Wilhelm Husch. Und dann gilt es, alles rechtzeitig hinzubekommen: Denn am Sonntag, 16. Juni, soll die feierliche Neueröffnung sein – mit der Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“.

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