Bauernmarkthalle: Zukunft für Händler ungewiss

Bitburg · Immer freitags und samstags herrscht in der Bitburger Bauernmarkthalle ein buntes Treiben. Seit mehr als sechseinhalb Jahren verkaufen dort Direktvermarkter regionale Produkte. Die Stammkundschaft ist groß. Nun suchen die Anbieter händeringend eine neue Bleibe. Der Grund: Die Bit-Galerie wird auch auf dem Grundstück der Bauernmarkthalle geplant.

Bitburg. Nicht nur Bier, sondern auch Wein verkauft sich in Bitburg gut. Das weiß Marlene Wagner vom Weingut Roman Hower aus Platten: "Wir haben hier einen großen Zulauf."
Das Weingut ist einer von zwölf Direktvermarktern in der Bitburger Bauernmarkthalle, die es seit mehr als sechseinhalb Jahren gibt (siehe Extra). "Damals war das ein Sprung ins kalte Wasser", sagt Markt-Chef Christof Lausberg. "Wir dachten, dass wir nach drei Monaten wieder schließen müssen."
Aber es kam anders. Ganz anders. Aus anfangs fünf Betrieben, die mitmachen, wurden zwölf. Von Obst und Gemüse bis zu Geflügel und Fisch - das Angebot in der Halle ist heute groß.
Die Kundschaft kommt aus der ganzen Region. Stammkunden zieht es jede Woche her. "Uns wird immer wieder aufs Neue bestätigt, dass sich die Bauernmarkthalle mittlerweile einen guten Namen gemacht hat", sagt Lausberg.
Sorge macht den Anbietern nur eines: die Bit-Galerie. Wird das Einkaufszentrum gebaut, wird sich alles ändern. Denn die Bauernmarkthalle befindet sich in einem der Gebäude, die dafür abgerissen werden sollen. Wenn es soweit ist, müssen die Anbieter raus.
Der Gedanke, dass die Tage der Halle bald gezählt sein könnten, tue "schon ein bisschen weh", meint Wagner. Und Helene Feinen vom Geflügelhof Feinen aus Metterich sagt: "Wir wünschen uns, dass es weitergeht. Wir wissen halt nur noch nicht wie." Wagner betont: "Wir werden etwas dafür tun, dass es uns auch in Zukunft in Bitburg gibt. Das sind wir unseren Kunden schuldig."
"Die Suche nach einem neuen Standort gestaltet sich sehr schwierig", sagt Lausberg. Auch weil gerade viele ältere Kunden zu Fuß kommen, wolle man unbedingt im Stadtzentrum bleiben. Wichtig sei auch, dass Parkplätze vorhanden und alles ebenerdig sei - so wie bisher. Überlegungen gebe es viele, vom Postplatz über das Schlecker-Gebäude bis hin zum ehemaligen Aldi. Das Gespräch habe er schon mit vielen gesucht, auch mit der Kreissparkasse, der das Gebäude, in der sich die Bauernmarkthalle befindet, gehört. Bisher ohne Ergebnis.
"Der Mietvertrag war von Anfang an befristet - eben bis zum Zeitpunkt einer anderen Verwendung", sagt Werner Leuschen von der Kreissparkasse. Die kann den Direktvermarktern keine Ersatzbleibe verschaffen. "Aber wir helfen gerne, wenn wir etwas erfahren."
Auch die Stadt sucht nach einer Lösung. Stadtpressesprecher Werner Krämer betont: "Die Bauernmarkthalle ist eine Bereicherung für Bitburg."
www.volksfreund.de/video
Meinung

Neue Nische suchen
Der Anfang der Bit-Galerie ist nicht das Ende der Bauernmarkthalle. Daran glauben die Direktvermarkter. Dafür wollen sie kämpfen. Das ist auch richtig so, denn das Geschäft läuft gut, in der Eifel gibt es viele Direktvermarkter, die nach Gelegenheiten suchen, ihre Produkte anzubieten, und die Kunden kommen gerne. Aber früher oder später wird es die alte Halle wohl nicht mehr geben. Es ist an der Zeit, jetzt etwas Neues zu wagen. Die Direktvermarkter müssen sich eine neue Nische suchen. So könnten die Anbieter zum Beispiel endlich einen Wochenmarkt in der Fußgängerzone etablieren. Denn etwas Vergleichbares gibt es in Bitburg bisher nicht, ist in Wittlich aber ein voller Erfolg. Das könnten die Anbieter auch in Bitburg schaffen. Sie haben schließlich schon einmal - nämlich vor knapp sieben Jahren - gezeigt, dass sie erfolgreich ein Konzept auf die Beine stellen können. e.blaedel@volksfreund.deExtra

Die Bauernmarkthalle ist im Oktober 2005 auf Initiative der Katholischen Landvolkbewegung und der Kreissparkasse eröffnet worden. Auf 300 Quadratmetern bieten zwölf Direktvermarkter selbst produzierte Lebensmittel an. Die Halle hat auch schon Prominenz angelockt: 2009 hat Bischof Dr. Stephan Ackermann das Erntedankfest besucht. Geöffnet ist freitags, 9 bis 17 Uhr, und samtags, 9 bis 13 Uhr. eibExtra

"Wir lieben die Bauernmarkthalle! Ich sitze hier jeden Freitag und trinke Kaffee und plaudere mit Bekannten. Ich kaufe auch oft Kuchen. Es wäre sehr schade, wenn es die Bauernmarkthalle nicht mehr gäbe." "Ich esse hier fast jeden Freitag zu Mittag. Man kennt ja auch so viele Leute, die regelmäßig herkommen. Es wäre schön, wenn uns die Bauernmarkthalle erhalten bliebe, dann eben an einem anderen Standort." "Seit sieben Jahren komme ich jede Woche hierher. Es wäre schade, wenn sich in der Innenstadt nichts findet. Ich würde es begrüßen, wenn die Halle in die Bit-Galerie integriert werden könnte."

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