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Bauherren sollen absolute Sicherheit haben

Bauherren sollen absolute Sicherheit haben

Baugebiete zeigen manchmal erst spät ihr wahres Gesicht - das hat die Ortsgemeinde Körperich vor einigen Jahren schmerzvoll erfahren müssen. Vor der Erschließung neuer Baugrundstücke geht die Gemeinde deswegen nun einen im Eifelkreis einzigartigen Weg: Sie hat die Erdstruktur des Geländes analysieren lassen.

Körperich. Es ist ein schönes Fleckchen Erde: grün, umgeben von Hügeln und Bäumen, direkt gegenüber dem gerade erst sanierten Freibad. Hier ließe es sich aushalten als Hauseigentümer - wenn, ja wenn denn je hier gebaut werden sollte im neuen Baugebiet "Im Haaresdell" in Körperich.

Studie schafft Gewissheit und bietet Lösungsansätze



60 Grundstücke sollen auf dem etwa sechs Hektar großen Gelände an der Gaytalstraße entstehen. Die Nachfrage nach Bauplätzen in der 1200-Einwohner-Gemeinde ist angesichts der Grenzlage groß. "Ich würde gern im nächsten Jahr mit den Erschließungsarbeiten beginnen", sagt Ortsbürgermeister Winfried Horn. Vorschnell handeln will er allerdings auch nicht: Mit Zustimmung des Gemeinderats hat Horn Anfang des Jahres eine sogenannte "Ladwein-Karte" (siehe Extra) bei dem Trierer Geografen Richard Ladwein in Auftrag gegeben, in der zunächst die Erdoberfläche des Gebiets analysiert wird. Körperich ist die erste Gemeinde im Eifelkreis Bitburg-Prüm, die für ein neues Baugebiet eine solche Studie anfordert.

Der Auftrag kommt nicht von ungefähr, denn die Ortsgemeinde ist laut Horn beim Thema Baugebiete ein "gebranntes Kind": Nach Fertigstellung des letzten Baugebiets "In der Acht" hatte ein Grundstückseigentümer die Gemeinde auf Schadenersatz verklagt. Nach einem "Jahrhundert-Unwetter" stand vor vier Jahren Wasser in seinem Haus, einige Tausend Euro Schaden hatte er zu beklagen. Offenbar kann das Auffangbecken, das oberhalb seines Grundstücks angelegt worden war, extreme Wassermassen nicht aufhalten. Der Hauseigentümer monierte einen Planungsfehler - das Gericht jedoch urteilte, dass die Planung nach dem neuesten Stand der Technik erfolgt war.

Heute ist die Technik ein Stück weiter - und Orts-Chef Horn möchte einen solchen Rechtsstreit künftig vermeiden: "Wir wollen hundertprozentige Sicherheit für unsere interessierten Bauherren." Eine Sicherheit, die die Ladwein-Karte bringen kann - rund 7000 Euro hat die Analyse des Trierer Geografen gekostet. Und die deckt in der Tat Schwachstellen "Im Haaresdell" auf. "In diesem Baugebiet wirken einige Naturprozesse, die zu Gefährdungen führen können", fasst Ladwein zusammen. Insbesondere das von den Hügeln abfließende Wasser könne später nicht nur dem ein oder anderen Hauseigentümer schwer zu schaffen machen, sondern an manchen Stellen gar zu Abspülungen und Unterhöhlungen der Erdoberfläche führen. Im schlimmsten Fall könne dadurch auch ein Hang rutschen.

Das frühe Aus also für das Baugebiet? Nicht unbedingt, sagt Ladwein: "Mit entsprechenden Maßnahmen kann man auch ein solches Gebiet sicher machen." Etwa durch Ableitungen und Versickerungsmöglichkeiten für das überschüssige Wasser oder Drainagen. Horn jedenfalls ist froh, durch die Studie Gewissheit zu haben: "Wir haben nun ein verwertbares Ergebnis, sodass uns die Ingeniere, die die Bauleitplanung machen, nun Lösungsvorschläge machen können." Erst wenn diese auf dem Tisch liegen - inklusive der voraussichtlichen Mehrkosten - wird klar sein, ob "Im Haaresdell" in Körperich tatsächlich Häuser gebaut werden können.Extra Ladwein-Karte: Anfang 2000 entwickelte der Trierer Geograf Richard Ladwein ein weltweit einzigartiges Verfahren zur Erdoberflächen-Untersuchung: die "Geospirs-Analyse", die in der sogenannten "Ladwein-Karte" dargestellt wird. In seiner Untersuchung ermittelt Ladwein Informationen, an welchen Stellen eines Gebiets in Zukunft Naturprozesse stattfinden können, beispielsweise Erosionen, Gerölllawinen, Unterhöhlungen oder -spülungen. Dazu nutzt der Geograf digitale Rasterdaten des Landesvermessungsamts, aus denen er ein Höhenmodell in 3 D erstellt. Dieses deckt Flächen auf, die stark, erhöht, weniger oder gar nicht durch Naturprozesse beeinträchtigt werden können. (neb)