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Bauprojekt in der Eifel lief nicht optimal, aber rechtlich in Ordnung

Naturschutz : Streit um Quelle in Menningen

In Menningen wird ein Zweifamilienhaus gebaut. Stein des Anstoßes ist ein Quellbiotop, dass laut der Anwohner zerstört wurde. Nach Angaben der Behörden ist alles korrekt gelaufen.

Die Anwohner sind empört. Ein Quellbiotop ist verschwunden und wird nach ihrer Auffassung auch nicht wieder herzustellen sein. Auch, wenn ihnen klar ist, dass das Kind mittlerweile im übertragenen Sinn „in den Brunnen gefallen“ ist und sie daran nichts mehr ändern können, brennt ihnen das Thema auf den Nägeln. Sie hoffen, dass das, was aus ihrer Sicht in Menningen schief gelaufen ist, an anderen Stellen vermieden werden kann.

Doch von Anfang an: Es geht, wie einer der Anwohner, der wie die meisten hier seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, um eine alte Quelle. Dort habe er schon als Kind vor etwa 70 Jahren gerne gespielt. Die Quelle sei von seinem Großvater seinerzeit gefasst worden und damit das Wasser zum Haus geleitet worden. Und es gab, das bestätigt auch Anwohnerin Melanie Simiele, dort zahlreiche kleine Tiere wie beispielsweise Bachflohkrebse. Diese seien, so die Anwohner ein Beleg dafür, dass es sich bei dem Quellwasser um gute Qualität handele.

Doch Anfang Mai wurde mit Bauarbeiten zu zwei Mehrfamilienhäusern begonnen. Wie Melanie Simiele protokolliert hat, kam im Verlauf der Grabungen der Quellzufluss beinahe zum Erliegen.

Sie meldete sich beim Amt für Gewässerschutz und Bitburg und nahm Kontakt auf zum Umweltministerium in Mainz. Ein erster Vorort-Termin wurde Ende Mai mit den zuständigen Behörden anberaumt. Dabei wurde festgestellt, dass der Quellaustritt nicht verlegt werden darf und der Bauträger ein Drainage-Konzept vorlegen müsse, um den Wasserfluss sicherzustellen. Auf die Frage, wie sich die bereits erfolgte Freilegung der Quelle mit dem Schutz der Quelle zu vereinbaren ist, gibt es laut Simiele keine Antwort.

Bei einem zweiten Vororttermin waren auch ein Vertreter der VG Südeifel, Vertreter der SGD Nord und des Gewässerschutzes Bitburg, Bauträger, Vorbesitzer des Grundstücks sowie die Anlieger dabei.

Dabei habe Einigkeit bestanden, dass es sich um ein Quellbiotop nach dem Bundesnaturschutzgesetz handele. Dennoch habe die SGD Nord keine Notwendigkeit einer naturschutzfachlichen Analyse zur Feststellung einer Wiederbesiedlung gesehen. Der Fokus habe lediglich auf der Sicherstellung des Wasserflusses gelegen.

Thomas Konder, Pressesprecher der Kreisverwaltung, antwortet auf die TV-Anfrage für den Gewässerschutz. „Vorliegend wird der gefasste Quellbereich durch das Bauvorhaben nicht verändert. Das im Bereich der Baugrube konzentriert austretende Schichtenwasser wird gefasst und wie bisher dem Quellbereich zugeleitet“, schreibt Konder in seiner Stellungnahme.

Und weiter heißt es, dass die Zuleitung des Hangwassers zum Quellaustritt in gleicher Qualität und Menge erfolge. Nach der fachlichen Beurteilung der Oberen Wasser- und Naturschutzbehörde sei nicht mit einer Zerstörung oder erheblichen Beeinträchtigung der Quelle zu rechnen.

Für die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord antwortet Pressesprecherin Sonja Marie Stasch. Dort heißt es, dass der angesprochene Quellbereich sich lediglich als Hangwasseraustritt innerhalb einer befestigten Quellfassung darstelle.

Die Frage des Schutzstatus der Quelle und seines Quellbaches seien nicht von Belang, da diese durch das Vorhaben nicht verändert oder beeinträchtigt werde. Das Hangwasser könne mit einer Rohrleitung gefasst und dem Quellbereich zugeführt werden. Wenn dies ordnungsgemäß umgesetzt werde, könne das gleiche Hangwasser in gleicher Qualität und gleicher Menge der Quelle zugeleitet werden.

„Damit würde sich für die Biotopstrukturen des Quellbereichs, als auch des sich daran anschließenden Wassergrabens keine negative Veränderung ergeben“, schreibt Sonja Marie Stasch weiter.

Im Vergleich zu einer natürlichen Quelle sei eine gefasste Quelle in seiner Biotopfunktion eingeschränkt. Weiter schreibt sie, dass der Quellbereich, das heißt der Grundwasseraustritt, in Menningen durch das Bauvorhaben nicht verlegt worden sei.

Allerdings räume sie auch ein, dass eine Bebauung im Umfeld eines Quellaustritts aus naturschutzfachlicher Sicht als „wenig optimal“ zu bezeichnen sei.