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Baustart der Hochbrücke Gerolstein frühestens 2021

Baustart der Hochbrücke Gerolstein frühestens 2021

Der bislang für 2019 geplante Neubau der Hochbrücke in Gerolstein verzögert sich um mindestens zwei Jahre. Manch einer ist gar nicht so unglücklich darüber.

Gerolstein Es wird das größte und schwierigste Straßenbauprojekt, das es jemals in Gerolstein gegeben hat: der Abriss der alten und der Bau einer neuen Hochbrücke. Schließlich führt über sie die Hauptverkehrsader der Brunnenstadt, die Bundesstraße 410, über die schon heute täglich 16 000 Fahrzeuge fahren, davon 1000 LKW. Und der Verkehr wird noch zunehmen.
Nun stellt sich heraus, dass sich der für 2019 geplante Baubeginn um mindestens zwei Jahre verzögert. "Wir gehen derzeit davon aus, dass, wenn alles gut läuft, frühestens 2021 mit der Maßnahme begonnen wird", sagt Harald Enders, Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) in Gerolstein. Er betont aber auch, dass die Verkehrssicherheit derzeit "auf jeden Fall noch gegeben" sei. Es lohne sich aber einfach nicht mehr, die alte Brücke nochmals zu generalsanieren.
Als Grund für die Verzögerung nennt er vor allem die Abstimmung mit der Bahn. Denn die Brücke führt den Verkehr nicht nur über die Kyll, sondern auch über die Bahnstrecke Gerolstein-Trier. Und für die war in den vergangenen Jahren im Gespräch, sie zu elektrifizieren, um somit auch Güter transportieren und die überlastete Mittelrhein-Strecke entlasten zu können. Diese Pläne sind inzwischen vom Tisch, und damit ist ein entscheidender Faktor für den Brückenneubau geklärt: die Höhe.
"Erst Ende März dieses Jahres haben wir von der Bahn schriftlich die Aussage erhalten, dass die Strecke nicht elektrifiziert wird. Erst mit dieser Information konnten wir mit der detaillierten Brückenplanung beginnen", sagt Enders.
"Da auch der Bundesverkehrswegeplan später veröffentlicht wurde als erwartet, hatten wir zwei Jahre Stillstand", so Enders. Es sei aber nicht so, dass in der Zwischenzeit nicht an dem Projekt gearbeitet worden wäre.
So sagt Helmut Bell, Planungschef im LBM Gerolstein: "Wir haben den gesamten privaten Grunderwerb unter Dach und Fach gebracht, auch den für ein Schlüsselgrundstück. So können wir erstens den geplanten Kreisverkehr an der jetzigen Ampelkreuzung so bauen, wie wir es vorhatten. Außerdem ist das eine wichtige Voraussetzung, dass das Planfeststellungsverfahren möglichst reibungslos über die Bühne geht und es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt."
Die letztliche Ausführungsplanung wird allerdings ein Fachbüro übernehmen, mit dem der LBM im September in Kontakt treten will. Und er wird laut Enders wichtige Bedingungen stellen: "Wir werden dem Planer ins Aufgabenbuch schreiben, dass die Zeit der Vollsperrung so gering wie möglich sein muss", sagt Enders. Oliver Arimond, Brückenexperte beim Landesbetrieb Mobilität, fügt hinzu: "Und es soll eine schöne Konstruktion werden."
Die Kosten, die derzeit mit mindestens fünf Millionen Euro veranschlagt werden, seien nachrangig. Primär gehe es darum, so zu bauen, dass die Belastung der Verkehrsteilnehmer, der Anlieger, auf den Ausweichstrecken und des heimischen Gewerbes möglichst gering gehalten würden. Und das ortsbildprägende Bauwerk sollte auch ästhetisch zu einem Gewinn für Gerolstein werden.
Daher spricht laut Arimond vieles für eine filigrane Stahlkonstruktion mit nur noch einem Pfeiler in der Mitte. Denn so könne die eine Hälfte der neuen Brücke bereits parallel zum bisherigen Bauwerk erstellt werden, derweil auf der alten Brücke der Verkehr noch fließe. Denn die neue Brücke wird - ausgehend vom gleichen Ausgangspunkt an der jetzigen Ampelkreuzung - etwas versetzt gebaut.
Erst für den Abriss des alten Bauwerks und den Bau der zweiten Hälfte der neuen Brücke müsste die Strecke voll gesperrt werden. Aber auch das wird Zeit kosten. Wie viel genau, dazu wollten die LBM-Leute keine Prognose abgeben. Bei der erstmaligen Vorstellung des Projekts im Herbst 2014 war von anderthalb Jahren Sperrung sowie einer Gesamtbauzeit von drei Jahren ausgegangen worden.
Klar ist aber, dass vor allem bei den Arbeiten über den Bahngleisen besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen. Arimond sagt: "Die Bahn wird uns erstens genaue Zeitfenster angeben, an denen wir arbeiten können. Zweitens wird für den Abriss eine Stahlkonstruktion unter die jetzige Brücke gebaut werden müssen, damit nicht ein Stein auf die Gleise fällt." Enders bringt es auf den Punkt: "Das Einfachste wäre eine Sprengung, aber die scheidet hier natürlich aus. Es geht nur Stück für Stück: abbrechen, zerkleinern, rausholen, abtransportieren."
Hans-Hermann Grewe, Vorsitzender des Gewerbevereins Geroteam Gerolstein, sagt zur Neuigkeit der Bauverzögerung: "Ich finde es gut, dass das Vorhaben bedächtig angegangen wird. Viel wichtiger ist es, dass es schnell geht, und nicht, wann es losgeht. Die Zeit der Vollsperrung muss so gering wie möglich gehalten werden."Extra: ZEITPLAN


September 2017: Auswahl des Fachbüros für die detaillierte Brückenplanung Mitte 2018: Öffentliche Vorstellung der Planung sowie parallel dazu die Abstimmung mit der Bahn über die exakten Bauzeiten 2019/2020: Planfeststellungsverfahren 2021: Baustart 2024: Fertigstellung