Bebursch, Alt Jo!
Wo das erste Getränk auf der Karte eine Kiste Stubbi ist: Die Bitburger "Freunde von der Bütt" haben mit ihrer Kappensitzung in der Halle 300 rund 300 Eifeler Gecken einen lustigen Abend bereitet.
Bitburg. Das Publikum von hinten. Nicht weit entfernt von den Jungs im Häschenkostüm, tanzt auf den Tischen eine knapp bekleidete schwarze Katze. Ihr Schwanz wippt gut gelaunt im Takt der kölschen Fastnachtsmusik. Bis eben wurde geschunkelt, doch nun ist Fähnchen-Schwenken dran. So also sieht es aus, wenn eine Stimmungsrakete hochgeht. "Bebursch" schallt es von der Bühne. " Alt Jo!" von allüberall - hier feiern die Bitburger Gecken. Die gute Laune in der Halle 300 liegt zum guten Teil an der Musik: Musikverein Bitburg, "Erich & the funky money rollers", "Kamedis und Harmonis" sowie die "Hofnarren" vermögen es, Katzenschwänze zum Wackeln zu bringen. Auch die Show- und Gardetänze der vier Tanzgruppen kommen gut an. Und natürlich, dass sich mit Prinz Eric I und Prinzessin Marie-Louise I zu guter Letzt doch noch ein Prinzenpaar gefunden hat. Vielleicht liegt das mit der guten Laune aber noch an etwas anderem: Das erste Getränk auf der Karte ist eine Kiste Stubbi, das zweite ein Stubbi, gefolgt von fünf weiteren Produkten des Hauses Bitburger. Der Schnaps "Batralzem" schafft es immerhin auf Rang 13. Dass es in den Karnevals-Liedern oft um recht kölsche Trömmelchen, eine Superjeile Zick, Pizza wunderba & Co geht, scheint die Eifeler nicht zu stören. Lokales bietet folgendes Liedchen von "Kamedis und Harmonis": "Die Stadthalle wird nun doch gebaut, was viele in der Stadt umhaut. Der Merowinger tät sich im Grab umdrehen, so was kann er nicht verstehen. Die alte Mauer wurde abgerissen, doch das fand er total….beleidigend." "Ick will alles - nur kenen Streit"
Für das Lokalkolorit sind neben der Getränkekarte auch die Büttenredner zuständig. Man wolle einen fairen Wahlkampf, sagt Achim Kandels alias "Ein Berliner in Bitburg". "Det find' ick jut. Ick will alles - nur kenen Streit." Streit, Joachim, Bitburgs Bürgermeister, wurde vielfach würdig durch den Kakao gezogen. Auch vom "rasenden Reporter" Martin Bermes. Er habe "Öcki" während eines Termins auf dem Bauernhof mit Schweinen abgelichtet. Daraufhin sorgte sich der Bürgermeister um den Wortlaut der Bildunterzeile. Doch die sei am nächsten Tag im TV völlig korrekt gewesen: "Joachim Streit, zweiter von links…" "Öcki" sitzt nicht im Publikum. Er komme jedoch kommenden Samstag, versichert ein Elferratsmitglied.Neben dem Bürgermeister sind beliebte Ziele des Spottes all jene Gruppen die aus Gründen politischer Korrektheit eigentlich verschont bleiben sollten: "Ossis", "Neger", Polen, hinduistische Osterhasen, Michael Billen, Frauen, Dicke, Schwule und Luxemburger. Doch Karneval scheint nicht der Moral wegen erfunden worden zu sein. Auch die Gürtellinie rutscht um diese Zeit des Jahres ein Stück tiefer. Hans Weber alias "Ein Rentner in der Bütt" schwadroniert über "Kinner, die ihr Bux am Arsch tragen", um ihr "Arschgeweih" zu präsentieren - "Also im Sommer, da geh'n ma ja mit der Inkontinenz-Gruppe immer in't Cascade schwimmen…" Was sie dort erleben, gehört selbst an Karneval nicht in die Zeitung. Wer will, kann es jedoch nächsten Samstag, 26. Januar, 20.11 Uhr, in der Halle 300 erfahren.EXTRA Die Akteure auf der Bühne der "Freunde der Bütt": Musikverein Bitburg, Prinzengarde Bitburg, "Merkels Katastrophenreisen": Alwine Müller, Musikband der Volksbank Bitburg: "Erich and the funky money rollers", Show-Tanzgruppe Oberweis, "Ein Berliner in Bitburg": Achim Kandels, "Kamedis und Harmonis" als Rittersleckt, "Die Hofnarren", Volkstanzgruppe Bitburg, "Ein rasender Reporter": Martin Bermes, "Ein Rentner in der Bütt": Hans Weber, Show-Tanzgruppe "Mini-Mouse" aus Oberkail. (kah)