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Bedhard Bitburg Wald Forstwirtschaft Naherholung

Ein neues Naherholungsgebiet : Ein neuer Weg durch den Bitburger Bedhard

Der erste Schritt ist nicht riesig, die Idee dahinter schon: Das Waldgebiet Bedhard könnte ein Naherholungsgebiet mit ausgeschilderten Rundwegen werden.

Die Häuser waren noch mit Stroh gedeckt, Autos gab es noch keine und Bitburg zählte um 1800 gerade mal 1400 Seelen. In dieser Zeit wurden die Eichen gepflanzt, die heute zu den ältesten im Bedhard zählen. Es war die Zeit, in der Leder noch gegerbt wurde. Auch deshalb war die Eiche ein beliebter Baum, wie der Bitburger Revierförster Otmar Koch erklärt.

„Die Eiche ist universell nutzbar, was damals wichtig war“, sagt Koch. Die Gerbrinde wurde für die Lederherstellung gebraucht, die Eicheln dienten als Viehfutter, die Tiere weideten im Wald und der Baum lieferte das Rohmaterial für Möbel und das Holz zum Heizen. „Wälder spiegeln immer auch die Bedürfnisse von Gesellschaften“, sagt Koch. Die änderten sich beispielsweise, als es um 1900 gelang, Gerbstoffe chemisch herzustellen.

Die Fichte als schnell wachsendes Holz war wiederum in den Nachkriegsjahren gefragt. Es fehlte an allem. Ob beim Aufbau zerstörter Häuser oder zum Feuern und Wärmen. „In solchen Notsituationen wurde um jeden Ast gekämpft“, sagt Koch. Doch das ist glücklicherweise vorbei. „Seit den 70er Jahren gehen wir in der Forstwirtschaft kontinuierlich weg von den Nadelhölzern hinzu Laub- und Mischwäldern“, sagt Koch.

Wie der Wald die Bedürfnisse der Gesellschaft spiegelt, zeigt sich auch beim aktuellen Beispiel – der Idee, den Bedhard zu einem richtigen Naherholungsgebiet auszubauen. Denn heute verbringen die Menschen ihre Freizeit im Wald. Spazieren, joggen, radeln oder reiten und suchen Ruhe und Erholung. Und seit die Amerikaner die über sechs Jahrzehnte militärisch genutzten Liegenschaften 2016 wieder an den Bund zurückgegeben haben, wird der Bedhard Stück für Stück renaturiert.

Die militärischen Anlagen, in denen teils Waffen gelagert und gewartet wurden, werden nach und nach zurückgebaut. So, wie derzeit der ehemalige Bogenschießstand. Von dem ist nur noch wenig übrig. Die entsiegelten Flächen wiederum kauft die Stadt Bitburg zurück. 2020 ein Stück von 14 Hektar für 60 000 Euro. So weichen auf lange Sicht nach und nach die Spuren des Militärs und die Natur kehrt zurück.

Mit einer Fläche von insgesamt 1400 Hektar ist der Bedhard das größte zusammenhängende Waldgebiet in unmittelbarer Nähe von Bitburg. Die Fläche grenzt an Rittersdorf, Wissmannsdorf, Oberweis, Bettingen und Ingendorf. Rund 400 Hektar davon sind Stadtwald Bitburg. Und dieser Bereich wiederum grenzt direkt an den Bitburger Stadtteil Stahl.

Um von dort eine Anbindung durch den Wald an das Wirtschaftswegesystem in dem riesigen Wald zu schaffen, haben Hauptausschuss und Stadtrat kürzlich entschieden, einen Waldweg mit Kalkschotter zu befestigen. „Sonst kommt man hier höchstens im Sommer trockenen Fußes durch“, sagt Koch. Es geht um ein gut 500 Meter langes Stück. Kosten: rund 6000 Euro.

Die neue Verbindung soll mit einer Schranke gesichert werden, so dass Autos oder Quadfahrzeuge nicht durchkommen. Zwar habe man im Bedhard, wie Koch sagt, keine Probleme mit unerlaubten Motorcross- und Quadfahrern. Aber, findet Koch, eine Schranke macht deutlich, dass jetzt ein Bereich beginnt, der der Allgemeinheit zur Verfügung steht.

„Der Wald ist als Lebensgemeinschaft schon faszinierend und hat einen Wert an und für sich“, sagt Koch. Deshalb sollten Spaziergänger, Radfahrer, Reiter, Pilzsammler, Forstarbeiter oder Jäger gegenseitig Rücksicht nehmen – auf die Natur und andere, die diese nutzen.

Genutzt wurde der Bedhard, wie Peter Berger von den Grünen im Stadtrat sagt, zur Corona-Zeit mehr als sonst. Sein Anliegen: Den Wald systematisch zum Naherholungsgebiet ausbauen. Eine Idee, die auch bei den übrigen Fraktionen im Stadtrat Anklang findet.

Ganz schön matschig: Im Herbst kommt man hier nur noch mit Gummistiefeln durch. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Der Vorschlag: Rundwege von unterschiedlicher Länge auf vorhandenen Wegen ausschildern. Koch sagt: „Wir arbeiten bereits an einem Konzept. Aber noch ist das nicht spruchreif.“