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Beerdigungen sind nur im engsten Familienkreis möglich

Kostenpflichtiger Inhalt: Trauer in Corona-Zeiten : Beerdigungen sind nur im engsten Familienkreis möglich

Beerdigungen sind von den Regelungen zur Einschränkung sozialer Kontakte nicht ausgenommen. Angehörige, Seelsorger und Bestatter stellt das vor Herausforderungen.

Trauerfeiern, zu denen sich eine große Anzahl von Freunden und Familienangehörigen der Verstorbenen versammeln, um dann am offenen Grab gemeinsam Abschied zu nehmen, sind seit der Einführung des landesweiten Kontaktverbots am 22. März nicht mehr möglich. „Die Situation ist bedrückend“, sagt Ralf Pius Krämer, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Gerolstein.

„Wir tun alles dafür, den Wortgottesdienst, der nicht mehr in der Aussegnungshalle stattfinden darf, mit der gleichen Würde, Anteilnahme und Intensität unmittelbar am Grab zu gestalten.“ Nach der aktuellen Regelung seitens des Landes, die sowohl das Bistum Trier als auch die evangelische Landeskirche übernommen haben, darf an einer Beerdigung bis auf Weiteres lediglich der engste Familienkreis teilnehmen, maximal fünf Personen sind erlaubt – der Gottesdienst vor der Bestattung, der üblicherweise in der Trauerhalle des jeweiligen Friedhofs stattfindet, ist ebenso untersagt. Eine anschließende Zusammenkunft, um bei Kaffee und Kuchen diese oder jene Erinnerung an die Verstorbenen auszutauschen, findet auch nicht statt. Wo denn auch, alle Gaststätten sind geschlossen, Versammlungen verboten.

„Eine Beerdigung in der derzeitigen Situation ergibt ein trauriges Bild, trauriger, als es ohnehin schon ist“, sagt der Hillesheimer Pfarrer Andreas Paul, in dessen Pfarreiengemeinschaft rund 3600 Katholiken leben. „Am Grab stehe ich mit nur wenigen Angehörigen. Und auch sie müssen den vorgeschriebenen Abstand von rund zwei Metern voneinander einhalten.“ Seine Beobachtung seit der Einführung des Kontaktverbots: „Es wird viel mit dem Handy gefilmt und offensichtlich werden die Videos der Beerdigung mit denjenigen geteilt, die zu Hause bleiben mussten.“

Der Prümer Pfarrer Stefan Trauten hat seit der Einführung des Kontaktverbots mehrere Bestattungen durchgeführt. „Ich bin erst seit rund einem Monat in Prüm“, sagt Trauten. Für seinen Amtsantritt in der Abteistadt habe er sich wohl den denkbar schlechtesten Zeitpunkt ausgesucht. „Doch die jetzige Situation war nicht vorhersehbar.“

Wie andere Geistliche auch sieht er angesichts des Kontaktverbots Änderungen im Verhalten der Trauergäste. „Es kommen zu Beerdigungen weiterhin Menschen, nicht nur die engsten Familienmitglieder“, sagt Trauten. „Sie stehen weit abseits, manchmal jenseits der Friedhofsmauer und wohnen der Beerdigung in großem Abstand bei.“ Auch das sei natürlich weiterhin möglich, sagt Pfarrer Thomas Weber in Bitburg. Dennoch: „Es ist und bleibt ein seltsames Gefühl, es ist schwierig für die Angehörigen und für uns als Seelsorger.“ Er höre des Öfteren, dass sich Familienmitglieder untereinander absprechen müssten, wer denn an der Beerdigung teilnehmen könnte. „Ich hoffe, dass dieser Zustand nicht allzu lange anhalten muss“, sagt Weber.

Sonja Mitze, evangelische Pfarrerin der Prümer Gemeinde, hat seit der Kontaktsperre insgesamt vier Beerdigungen durchgeführt. „Wer darf noch die Schaufel anfassen, mit der wir die Erde ins Grab werfen, wer darf noch in den Behälter mit Blütenblättern greifen?“, fragt sie. All das sei weiterhin nicht geregelt. „Ich nehme inzwischen ein eigenes Gefäß mit Blumenerde zu Bestattungen mit“, sagt die Pfarrerin. Am meisten vermisse sie die Nähe zu den Menschen. „Zurzeit darf ich niemandem auch nur die Hand auf die Schulter legen, um ihn zu trösten“, bedauert Sonja Mitze.

Ihr Kollege Guido Kohlenberg, evangelischer Pfarrer in Speicher, kann sich vorstellen, die derzeitige Beschränkung auf maximal fünf Angehörige je nach der Beschaffenheit des jeweiligen Friedhofs teilweise aufzuheben. „Wenn es sich um eine weitläufige Anlage handelt, lassen sich Kontakte zueinander vermeiden - auch wenn mehr Menschen an der Beerdigung teilnehmen“, sagt Kohlenberg.

Dass die Vorgespräche mit den trauernden Angehörigen nach der jetzigen Vorschrift nur noch per Telefon erfolgen sollen, bedauern alle befragten Geistlichen. „Es ist vielleicht der traurigste Aspekt dieser Situation. Eine echte, unterstützende Sterbebegleitung ist auf diese Weise fast nicht möglich“, sagt Pfarrer Ralf Pius Krämer.

„Auch wir sollen die Gespräche zur Gestaltung einer würdigen Beerdigung am Telefon durchführen“, sagt Bestattungsmeister Philipp Sonnen vom Bestattungsinstitut Sonnen & Regnery in Gerolstein. „Aber das funktioniert für uns nicht, wir gehen zu den Angehörigen.“ Selbstverständlich sei es dabei wichtig, Hygienevorschriften einzuhalten, sagt Sonnen. „Auch bei der Abholung des Leichnams müssen wir uns selbst und die Anverwandten schützen.“ Sein Berufszweig gelte jedoch nicht als systemrelevant. „Daher müssen wir uns um Schutzkleidung und Masken selbst kümmern.“

Da Trauerfeiern in den Aussegnungshallen nicht gestattet sind, werden die Särge oder Urnen mit einem Fahrzeug unmittelbar zum Ort der Bestattung transportiert, berichtet Sonnen. „Das passiert vorab. Erst danach dürfen die Trauergäste und der Pfarrer an das Grab herantreten.“

Urnenbestattungen könnten theoretisch auf unbestimmte Zeit verschoben werden, doch alle befragten Seelsorger plädieren dazu, den Abschied von einem lieben Verwandten nicht hinauszuzögern. „Die Zeit zwischen dem Tod und der Beerdigung ist für die Angehörigen immer auch ein Schwebezustand“, sagt Pfarrer Andreas Paul. „Erst die Bestattung ist der endgültige Abschied.“