Begehrter Luftraum über Bitburg

Begehrter Luftraum über Bitburg

Wie viele Saatkrähen derzeit die Baumkronen des Waisenhausparks bevölkern, lässt sich schwer sagen. Tatsache ist aber, dass die Krähenkolonie in Bitburg zu den größten im ganzen Land gehört. Tatsache ist auch, dass bislang noch kein probates Mittel gefunden wurde, um das stetige Wachsen des Bestands zu stoppen.

Bitburg. Saatkrähen gelten als besonders kluge Tiere. Ob das allerdings der Grund ist, warum sie sich in Bitburg besonders wohl fühlen, sei mal so dahingestellt. Unbestritten ist aber, dass die Krähenkolonie im Bitburger Waisenhauspark zu den größten im gesamten Land Rheinland-Pfalz gehört.
Zumindest ist nach Auskunft der Landesverwaltung kein weiterer Bestand in dieser Größenordnung bekannt. So wurden bereits im vergangenen Herbst in den Baumkronen der Parkanlage rund 200 Nester gezählt. Und wie Erich Grün, Leiter des städtischen Ordnungsamts, erklärt, sind in diesem Frühjahr viele neue hinzugekommen.
Um das Problem, das die Stadt schon seit mehr als 15 Jahren beschäftigt, in den Griff zu bekommen, wurden vorübergehend Krähenklatschen an den Eingängen des Parks installiert. Diese Klatschen, die lediglich aus zwei Brettern und einem Zugseil bestehen, werden in den Bäumen befestigt, wobei ein Ende des Seils in Griffweite hängt. Zieht der Parkbesucher an dem Seil, knallen die Bretter aneinander, wodurch die Krähen aufgescheucht werden. Rund drei Wochen hätten die Klatschen in den Bäumen gehangen, sagt Grün, dann seien sie wegen der Brutphase wieder entfernt worden. In dieser Zeit nämlich ist es verboten, die ohnehin besonders geschützte Tierart zu verscheuchen.
Der Erfolg der Klatschen sei allerdings bescheiden gewesen, erklärt Grün, was aber auch daran gelegen habe, dass manche Parkbesucher sich offensichtlich mit vollem Gewicht an das Seil gehängt und dadurch einige Klatschen zerstört hätten. Zudem seien die Klappen nur sehr sporadisch betätigt worden. "Wir können allerdings auch keinen dort hinstellen, der zwölf Stunden klatscht", fügt er hinzu.
Besorgt wegen des wachsenden Bestands ist auch Stadtratsmitglied Stephan Garçon, der bereits einen Vogelexperten der Zoologischen Staatssammlung München kontaktiert hat. Dieser schlägt vor, im Vorfeld der kommenden Brut abschreckende Gegenstände in die Bäume zu hängen wie beispielsweise große, schwarze Plastikfetzen, und die Saatkrähen gleichzeitig mit Nestern, Krähenattrappen und einer vom Band abgespielten Kolonien-Geräuschkulisse auf andere Bäume (außerhalb des Stadtgebiets) zu locken. Allerdings ist dem Ornithologen nicht bekannt, ob sich schon mal jemand die Mühe gemacht hat, die Krähen auf diese Weise umzusiedeln. Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) gilt bundesweit als gesetzlich besonders geschützte Vogelart. Es ist verboten, die Vögel zu töten, zu fangen, ihre Nester zu zerstören oder ihre Eier zu entfernen. Nach Auskunft der Stadt würde es wenig bringen, die Bäume des Waisenhausparks zu stutzen. "Die Tiere brüten so weit unten, dass wir die Äste tief absägen müssten und dadurch die Bäume kaputt schneiden würden", erklärt Ordnungsamtsleiter Erich Grün. uhe

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