Behörde flüchtet vor giftigen Gasen
Bitburg · Weil giftige Stoffe in der Raumluft die Gesundheit der Mitarbeiter gefährden, zieht das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) heute in einer Hauruck-Aktion erneut um. Die 125 Mitarbeiter werden nun auf ungewisse Dauer in provisorisch hergerichteten Büros in der Bitburger Innenstadt arbeiten. Wer Schuld an dem ganzen Schlamassel trägt, ist nach wie vor ungeklärt.
Bitburg. Wenn es nicht alles so ernst, so ärgerlich und so teuer wäre, ließe sich prima mit der Redewendung "dicke Luft" spielen. Denn davon hat das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) im übertragenen wie im wortwörtlichen Sinne in den vergangenen zwei Jahren mehr als genug gehabt. Dass die Lage sich allerdings so zuspitzen würde, hätte wohl niemand erwartet. Erst anderthalb Jahre ist es her, dass die Behördenstandorte in Prüm und der Bitburger Innenstadt aufgegeben wurden, um die 125 Mitarbeiter am Bitburger Flugplatz unter einem Dach zusammenzuführen. Ein Umzug, den viele der Prümer nicht wollten - allerdings auch nicht verhindern konnten. Und so bezog die Behörde das frisch renovierte Gebäude am Westpark.
Stoffe sind "definitiv giftig"
Doch damit fingen wesentlich gravierendere Probleme erst an, die am heutigen Montag darin gipfeln, dass die Behörde in einer Hauruck-Aktion erneut umzieht. Der Grund: Schon gleich nach dem Einzug war ein unangenehm süßlich-fruchtiger Geruch aufgefallen, der auch durch intensives Lüften nicht aus der Büroluft zu entfernen war. Wenige Wochen später klagte ein großer Teil der 125 Mitarbeiter über Beschwerden wie Augenbrennen, Atemnot, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nasenbluten oder Hautausschlag. Und statt besser, wurde es schlimmer.
Inzwischen haben zwei unabhängige Gutachten ergeben, dass als Ursache Lösungsmittel infrage kommen, die dem Fußbodenkleber entweichen. Nachdem ein Umweltmediziner die Situation als besorgniserregend bezeichnet hatte, fiel vor wenigen Wochen die Entscheidung zum Umzug (der TV berichtete). Denn die Stoffe sind dem Arzt zufolge definitiv giftig und ihre Konzentration "unglaublich hoch".
"Die Gesundheit geht vor", sagt DLR-Leiterin Anja Stumpe. Daher werden ihre Mitarbeiter, von denen die große Mehrheit nicht mehr unter diesen Bedingungen arbeiten will, heute Kisten packen. Viele seien erleichtert, sagt Personalratsvorsitzender Michael Ehleringer - hofften aber auch, möglichst bald wieder zurückkehren zu können.
Mitarbeiter schleppen selbst
Da so kurzfristig kein Umzugsunternehmer zu finden war und da die Behörde alles so günstig wie möglich gestalten will, werden die Mitarbeiter ihre Tische, Stühle und PCs selbst zum DLR-eigenen LKW und in ihre "neuen" Büros tragen. Büros, von denen ein Teil ironischerweise im alten DLR-Gebäude in der Brodenheckstraße liegt. Ein anderer in einer leer stehenden Etage des Bitburger Amtsgerichts. Und die Arbeitsbedingungen werden dort zunächst alles andere als ideal sein. Nicht nur, weil die Büros deutlich kleiner sind. Die Telefone werden, so hofft die DLR-Leitung, schon in rund einer Woche funktionieren. Bis die Mitarbeiter allerdings über Internet verfügen, könnte es Ende August werden. Denn zum einen könnte es so lange dauern, bis die Leitungen freigeschaltet sind. Zum anderen müssen in den Büros neue Kabelkanäle verlegt werden. Das jedoch muss zunächst ausgeschrieben werden und kostet - wie so vieles andere (siehe Extra) - Geld. Wer das alles bezahlt, ist ebenso wie die Schuldfrage immer noch ungeklärt. Wie das zuständige Landwirtschaftsministerium mitteilt, finden derzeit Verhandlungen mit der Hausbesitzerin statt, die die belastete Immobilie an das Land vermietet hat. Darin soll auch geklärt werden, wie es am Westpark weitergeht - wohin die Behörde so schnell wie möglich zurückkehren will, sobald das Gebäude erneut saniert wurde und die Luft wieder rein ist. Die Raumluftproblematik hat das Land bereits viel Geld gekostet. Für ein Gutachten und Luftreinigungsgeräte sind insgesamt 60 000 Euro zusammengekommen. Wie teuer der aktuelle Umzug wird, kann das Ministerium noch nicht beziffern. Fest steht, dass der Plan, durch den Umzug zum Westpark jährlich rund 40 000 Euro einzusparen, vorerst nicht aufgegangen ist. Zumal die "alten" DLR-Gebäude in Bitburg und Prüm leer standen, da sie noch nicht verkauft werden konnten - was der Behörde nun zugutekommt. Darüber, wie hoch der monatliche Mietausfall ist, will sich das Landwirtschaftsministerium aus Gründen des Vertrauensschutzes ebenso wenig äußern wie über die Höhe der Mietkosten am Westpark. Allerdings dürfte die finanzielle Bilanz des Umzugs zum Flugplatz bisher ziemlich negativ ausfallen.