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Bei der Prümer Basilikasanierung finden sich Spuren einer noch älteren Kirche.

Architektur : Hier zeigt sich die Vergangenheit

Fundgrube Prüm: Nach den historischen Relikten auf dem Hahnplatz tauchen nun auch in der Basilika die Reste einer noch älteren Kirche auf. Es wäre die bisher dritte an dieser Stelle. Ihre Spuren sollen sichtbar bleiben.

In Prüm muss man echt aufpassen in diesen Tagen: Wo auch immer man am Hahnplatz hinschaut, hintritt oder zu puhlen beginnt, scheint Historisches ans Licht zu kommen.

Aber nicht nur die Archäologen des Rheinischen Landesmuseums kratzten dort in den vergangenen Monaten Bedeutendes frei – darunter das Fundament eines früheren Kirchenportals und allerhand weiteres Stein-Gut (der TV berichtete). Denn inzwischen haben auch die Arbeiter im Innenraum der Basilika, der zurzeit saniert wird, Spuren einer weit zurückliegenden Vergangenheit vom Putz befreit: Im Nordturm (wenn man davor steht: der linke) und an einer Wand des Seitenschiffs fanden sie wahrscheinlich Reste der unmittelbaren Vorgängerkirche.

Die Arbeiter stießen darauf, sagt der betreuende Architekt Peter Berdi aus Bernkastel-Kues, weil sie den Wandputz ohnehin hatten abschlagen müssen: Dort war Wasser eingedrungen.

Zu sehen sind jetzt unter anderem ein Segment eines alten, später überbauten Torbogens und schräg darüber fünf Stufen einer Wendeltreppe, die offenbar in einen früher dort platzierten Turm hinaufführte. Heute „hängen“ sie funktionslos in der Basilikawand.

Thomas Lutgen ist Restaurator, im Auftrag des Bistums Trier begleitet er auch die Arbeiten in Prüm. Was dort jetzt zutage trete, sagt er, seien voraussichtlich Reste der Vorgängerkirche, die ein wenig anders positioniert gewesen sei als die Basilika.

Ganz überraschend komme das nicht, sagt Lutgen: „Wir haben schon 2016 im Rahmen der Voruntersuchungen Bauteile gefunden.“ Allerdings habe man nicht damit gerechnet, noch so viele weitere Überbleibsel zu entdecken. Darunter auch Reste der früheren Schallarkaden – fensterartige Öffnungen im Glockenturm, sagt Lutgen, die dazu dienen, „dass das Geläut nach außen dringen kann“.

Diese Elemente fand man über der Empore der Basilika – und zwar ein Gesims „und ein ganz kleines Stück von einer Arkade“. Daran könne man auch erkennen, dass die frühere Kirche offenbar im spätgotischen Stil gebaut gewesen sei – anders als die heutige, barocke Basilika.

Auch der Treppenaufgang habe einige Überraschungen geliefert: Zum einen, sagt Lutgen, durch seinen recht großen Durchmesser, der innen „mehr als zwei Meter“ betragen habe. Der Treppe sehe man zudem an, „dass sie viel begangen worden ist“. Sie habe offenbar zu den Räumen in den oberen Turmgeschossen geführt. „Wir recherchieren noch, auf welcher Ebene sie rauskommt.“

Sehr wahrscheinlich stammen die Reste also von einem Bau, der im Spätmittelalter oder der Frühen Neuzeit entstand, zwischen dem 13. und frühen 16. Jahrhundert also, und leicht versetzt zur heutigen Kirche gestanden haben muss. Basilika-Architekt Johann Georg Judas habe, so viel könne man sagen, „die proportional gleiche Kirche an die frühere angebaut“.

Nur eben leicht versetzt: „Der heutige Nordturm war damals der Südturm“ sagt Thomas Lutgen. Dass es zu diesem „Überbauen“ der alten mit der neuen Kirche gekommen sei, habe vermutlich praktische Gründe: Als Judas im Auftrag des Trierer Kurfürsten von 1721 bis 1730 die Basilika baute, habe man parallel „noch Teile der alten Kirche nutzen können. Sonst hätte man in dieser Zeit keine Pfarrkirche gehabt.“

Anders als die Funde auf dem Hahnplatz sollen die jetzt gefundenen Relikte später sichtbar bleiben. Das zumindest haben die Prümer vor, wie Wilhelm Husch sagt, der Vorsitzende des Pfarrverwaltungsrats. Zumindest „den Bogen und die Teilansicht der Treppe“, die man vom Seitenschiff aus sehen kann. „Und wenn das Bistum ja sagt, dann dürfen wir das.“

Bei der Sanierung des Basilika-Innenraums kommt allerhand Historisches zutage. Foto: Fritz-Peter Linden

Davon wird wohl auszugehen sein. Die Funde, sagt auch Peter Berdi, „haben uns nicht gestresst“, im Gegenteil: „Das ist immer erfreulich, wenn man aus Vorgängerbauten noch etwas findet.“ Deshalb wolle man die Fragmente auch sichtbar erhalten, auch wenn das wohl „ein paar Euro mehr“ kosten werde. Genau sei das aber noch nicht zu beziffern. Die Sanierung soll nach aktuellem Stand insgesamt etwa 1,5 Millionen Euro kosten.