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Beim Beda-Institut werden verschiedene musische Künste vermittelt

Interview mit Gründerin des Beda-Institutes : „Erfahrungen sammelt man nicht erst mit 40 oder 50, sondern als Kind“

Seit 30 Jahren vermittelt das Beda-Institut Musik, bildende Kunst und Tanz. Willkommen sind alle jungen Menschen. Im Interview spricht die Gründerin Ingeborg Trappe-Butzbach über den Beginn und die Idee hinter dem Institut.

Das Büro von Ingeborg Trappe-Butzbach in der Maria-Kundenreich-Straße ist gemütlich eingerichtet und wirkt eher wie ein behaglicher Wohnraum, weniger wie ein Arbeitsraum. Aus dem Nachbarzimmer ertönt Klaviermusik, die während des ganzen Interviews zu hören ist. Eine Schülerin ist gerade im Unterricht bei einem Lehrer des Beda-Instituts, das Ingeborg Trappe-Butzbach vor 30 Jahren gegründet hat.

Frau Trappe-Butzbach, wie fing das an mit dem Beda-Institut? Wie kamen Sie vor 30 Jahren auf die Idee, eine solche Schule zu gründen?

Ingeborg- Trappe-Butzbach: Ganz einfach: Ich hatte  studiert, wurde aber nicht ins Lehramt übernommen und musste schauen, wie ich mich umorientieren kann. Ich hatte sowieso schon eine halbe Stelle an der Musikschule, um mein Studium zu finanzieren. Also habe ich gedacht, dass es, wenn es mit Deutsch und Geschichte nicht klappt, eben mit der Musik funktioniert. Ich habe mir das  so systematisch aufgebaut und mich dann vor 30 Jahren entschlossen,    eine vernünftige Schule daraus zu machen. Heute heißt sie Kulturschule. Eine Kulturschule, die da ist für Musik, für bildende Kunst und für den Tanz.

War es von Anfang an Ihre Idee nicht nur Musik sondern  auch Tanz und bildende Kunst zu unterrichten?

Trappe-Butzbach: Ja, das kam  direkt dazu. Ich wollte immer fachübergreifend arbeiten und das war die Grundidee dabei. Es sollte eine übergreifende musische Arbeit sein, die jedem Kind gerecht wird. Der Schwerpunkt war, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass das auch miteinander vernetzt ist. Das ist eine ganz wichtige Sache.

Haben bei Ihnen alle Kinder die Möglichkeit etwas zu lernen und ihr Talent zu entdecken? Wie organisieren Sie das, auch in Zeiten von Ganztagsschulen?

Trappe Butzbach: Wir haben zum Beispiel die musikalische Früherziehung, die ist kombiniert mit dem Tanz und mit dem Malen. Dadurch, dass die Kinder jetzt sehr viel länger in den Kitas sind, als das vor 30 Jahren war, verlagere ich das jetzt mehr oder weniger alles in die Ferien. Wir haben  viele Ferienworkshops, bei denen die Kinder  wirklich jeden Bestandteil kennenlernen und sich auch darin bewegen. So lernen die Teilnehmer bei der Vorbereitung eines Stücks wie in diesem Jahr „Mary Poppins“  nicht nur das Musikalische, sondern auch, dass man sich mit der bildenden Kunst die Requisiten selber macht. Wir haben Kinder, die haben gar keinen Tanzunterricht und  konnten trotzdem integriert werden als Wind oder als Drache. Gerade jetzt ist es wichtig, diese Erfahrung zu machen, wo die Kinder so viele Sachen nicht machen konnten und die Eltern natürlich auch Sorge haben, ob sie die Kinder anmelden können oder nicht. Das ist im Moment alles nicht so ganz einfach.

Hilft diese Vorgehensweise den Kinder auch, sich besser zu orientieren, ob sie beispielsweise lieber tanzen  möchten oder malen?

Trappe-Butzbach: Ja, das ist  bei uns ganz üblich, dass die Kinder, die hier angemeldet werden,  natürlich auch wechseln können. Das heißt also, dass ein Kind, das feststellt, dass Flöte, Gitarre, Klavier oder sonst ein Instrument, nicht das richtige ist,  in den Tanz oder in die Jugendkunstschule wechseln kann. Die Grundidee dabei ist es, sich mit den Musen auseinander zu setzen. Und damit auch über sich selbst etwas zu erfahren.

Inwiefern wirkt sich nach Ihrer Ansicht eine musische Erziehung auf das spätere Leben aus?

Trappe-Butzbach: Wenn man ein selbst bestimmtes Leben führen möchte, dann muss man  Erfahrungen gesammelt haben. Und die sammelt man ja nicht mit 40 oder 50, sondern als Kind. Die Wertigkeit einer Person drückt sich ja damit auch aus. Wir haben auch ganz viele Kinder in besonderen Lebenssituationen. Die sind teilweise psychisch krank, sie haben ein Handicap oder sonst etwas.  Es kann auch mal temporär sein. Aber diese jungen Menschen kann man  sehr schön damit auffangen. Und das ist uns wirklich jetzt 30 Jahre lang gelungen. Wenn man die Aufführungen sieht,  merkt  gar nicht, das der eine oder andere mit Einschränkungen leben muss. Mir ist das auch wichtig, weil  man diese Kinder sonst schon wieder stigmatisieren würde. Das geht nicht!.

Die Kinder werden also vollständig integriert?

Trappe-Butzbach: Ja, das kann man  mit Kunst sehr gut erarbeiten. Es ist nicht für jedes Kind das selbe richtig, das muss man eben abwägen.

Sie haben auch schon viel über die Grenzen hinweg gearbeitet, zum Beispiel mit den Nachbarstaaten. Wie läuft es da in Pandemie-Zeiten?

Trappe-Butzbach: Ja, ich habe sehr viel international gearbeitet, auch schon während meines Studiums. Aber das ist jetzt natürlich in den vergangenen eineinhalb Jahren sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Man durfte teilweise nicht über die Grenze, oder nur mit Hindernissen. Letztendlich konnten wir uns gar nicht zusammentun, weil jedes Land seine eigenen Bestimmungen hatte und wir wussten teilweise gar nicht was gilt. Von daher hat es so einen kleine Dämmerschlaf gegeben.

Wie war die Entwicklung des Beda-Instituts? Wieviele Kinder haben Sie im Schnitt unterrichtet?

Trappe-Butzbach: Ich hatte von Anfang an  immer über 100 Schüler. Das war sozusagen das Startkapital. In unseren Glanzzeiten bis kurz vor Pandemie-Beginn waren wir bei rund 450 Schülern. Das ist jetzt natürlich auch etwas reduziert. Das bleibt nicht aus, weil eben viele Eltern ihre Kinder nicht anmelden konnten oder wollten, und wir ja auch die Schüler gar nicht einladen durften. Online kann man keine Gruppe unterrichten. Die Kinder müssen den Lehrer erleben und mit dem Lehrer zusammen schauen, ob etwas geht oder nicht. Wir fangen jetzt allmählich wieder an und die Schüler kommen auch wieder. Wir haben  auch wieder viele Nachfragen, unter anderem durch die Aufführung, die wir kürzlich hatten.

Stellen Sie jedes Jahr eine Aufführung auf die Beine?

Trappe-Butzbach: Normalerweise haben wir jedes Jahr eine Aufführung gemacht. Während der Pandemie haben wir alles in den Außenbereich verlagert. Wir haben eine fahrbare Bühne, die gehört meinem Stellvertreter. Der hat sich bereits erklärt, sie zur Verfügung zu stellen, damit wir überhaupt etwas machen können.

Wieviele Lehrer arbeiten bei Ihnen?

Trappe-Butzbach: Im Moment sind wir zwölf. Für die meisten Lehrer ist das hier ihre Grundlage. Dazu gehören Tanzlehrer, Musiklehrer, Schauspiellehrer  und Kunstlehrer.

Wie finanziert sich die Schule?

Trappe-Butzbach: Wir haben Beiträge von den Schülern. Für die benachteiligten Kinder habe ich allerdings auch Fördergelder. Das hatte ich bis zur Gründung der Stiftung nicht, aber das hilft jetzt. Es gibt auch private Spender.

Haben Sie auch erwachsene Schüler?

Trappe-Butzbach: Ja, die haben wir auch. Wir haben ein paar im Tanzbereich, aber nicht viele, und einige in der Musik. Aber der Schwerpunkt sind nach wie vor Kinder und Jugendliche.

Gab es für Sie besondere Highlights in den 30 Jahren, an die sie besonders gerne zurückdenken?

Trappe-Butzbach: Also ein Highlight waren Aufführungen wie der Sommernachtstraum, Pinocchio, Ronja Räubertochter, Eis und Feuer, das waren so ganz exorbitante Veranstaltungen, die wir gemacht haben mit allen über die ganzen Fächer hinweg. Ein Highlight war auch die Gäßestrepper-Saga. Die hat ein Kollege vertont für unser Orchester und für die Tänzer arrangiert. Das war für den Kultursommer Rheinland-Pfalz 2015.

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft, was haben Sie noch vor?

Trappe-Butzbach: Wir planen noch eine Kooperation mit der Schwestern-Schule, die ist auch hier im Haus in der Maria-Kundenreich-Straße ist. Ab 1. August zieht hier eine Motessori-Schule ein, mit der wir auch zusammenarbeiten möchten.

Gibt es weitere Projekte neben der Vermittlung der musischen Künste?

Trappe-Butzbach: Ja, wir haben die Kindertagespflege hier im Haus. Die gibt es seit drei Jahren. Es ist eine Art 24-Stunden-Betreuung. Man darf das nicht so nennen, aber es beschreibt die Sache am besten. Es gibt  alleinerziehende Mütter und Väter, die teilweise im Schichtdienst arbeiten, wie sollen die das denn anders schaffen? Derzeit haben wir keine Kinder über Nacht, aber die Möglichkeit besteht. Es stimmt auch nicht, dass Eltern ihre Kinder  zu lange abschieben wollen. Es ist bittere Not, wenn die Eltern ihre Kinder über Nacht da lassen. Es ist beruhigend für Mütter und Väter, wenn sie wissen, dass sie da ihr Kind hingeben können und nicht ständig nach einer Alternative suchen müssen..