Beim Musizieren sind alle gleich
Idesheim · Im Festzelt sitzen Männer mit Lederhosen und rotkarierten Hemden an blaukarierten Tischen. Mädchen und Frauen tragen Dirndl aus feinsten Stoffen.
Nur das Bier ist kleiner als auf dem Oktoberfest in München.
Alle haben die gleiche Leidenschaft, die Blasmusik. Zwei Wochen lang arbeiten die Mitglieder des Musikvereins Lyra fieberhaft am Auf- und Abbau des Festzelts, der Dekoration und der ganzen Organisation. So manch einer nimmt seinen Jahresurlaub für diese Arbeit. "Die Kontaktpflege unter den Vereinen und die Werbung für die Blasmusik sind sehr wichtig", sagt Patrick Böttel, Vorsitzender des Musikvereins Lyra. Deshalb richte man das Kreismusikfest aus. Idesheim ist ein musikalisches Dorf, von 28 Musikern kommen bis auf vier Mitglieder alle aus dem Ort. Allerdings gab es laut Böttel vor sechs Jahren noch 40 Mitglieder.
Beim gemeinsamen Musizieren spielen Alter und Beruf keine Rolle. "Unser Erkennungslied ist ,Java\', die Titelmelodie der Karl-Dall-Show. Wenn wir das Lied nicht spielen, toben unsere Fans" lacht Böttel. Anstelle von Gastgeschenken spendet der Verein gemeinsam mit dem Musikhaus Schaefer und Jutz für jeden auftretenden Musiker 50 Cent an die Kinderkrebsstation in Trier.
Jugendarbeit wichtiger denn je
Im ganzen Kreis gibt es zurzeit 76 Musikvereine mit mehr als 3000 Musikern. Trotzdem verlieren sie Mitglieder, und alle sind gefordert, neue Konzepte zu entwickeln.
Josef Reichels, Vorsitzender des Kreismusikverbands, fordert die politischen Gremien auf, unnötige Bürokratie abzubauen, damit die Menschen mehr Zeit für den Verein haben. Die Förderung für Musik solle im Gesetz verankert werden.
"Wir brauchen Taten und keine bürokratischen Hindernisse", sagt Reichels. Auch der Musikverein Idesheim, der 1928 gegründet wurde, hatte schwierige Zeiten. "Heute ist die Jugendarbeit wichtiger als je zuvor, damit die Musikvereine auch noch in Zukunft bestehen bleiben", sagt Böttel. Denn was wäre eine Prozession oder eine goldene Hochzeit ohne die Blasmusik.
Beim Kreismusikfest dabei: MV Preist, MV Seffern, Büdesheimer Musikanten, MV Idenheim, MV Arzfeld, MV Speicher, MV Plütscheid-Lambertsberg, MV Orenhofen, MV Baustert, MV Alsdorf, MV Röhl. beba
Extra
Susanne Peters (27, Klarinette), seit 18 Jahren im MV Idesheim und Ann-Cathrin Weimann (25, Tenor-Saxofon), seit 16 Jahren im MV Idesheim, beide aus Idesheim: "So gut wie unsere Kameradschaft zur Zeit ist, war es noch nie. Nur könnten noch welche dazukommen." Edwin Weimann (56,Trompete), seit 48 Jahren im MV Lyra, aus Idesheim: "Man sollte die Musikvereine besser fördern. Wir machen das Fest, damit wir unsere Jahresausgaben bezahlen und den Jugendlichen etwas bieten können." Renate Weimann (45, Alt-Saxofon), seit 34 Jahren im MV Lyra, aus Idesheim: "Die Gemeinsamkeit von Jung bis Alt ist super. Aber ich wünsche mir mehr Nachwuchs." Daniel Jakobs (30, Posaune), seit 20 Jahren bei den Büdesheimer Musikanten, aus Büdesheim: "Wir haben einen guten Zusammenhalt und schöne Abende. Aber ich wünsche mir mehr Nachwuchs." Judith Schares (19, Saxofon), seit zehn Jahren im MV Seffern, aus Schleid: "Zusammenhalt und Freude am Spielen sollte erhalten bleiben." Paul Hau (47, Tuba), seit 37 Jahren im MV Seffern, aus Seffern: "Für die Zukunft wäre es gut, wenn die Politik es uns ermöglichen würde, zu überleben." (beba)/TV-Fotos: Bettina Bartzen