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Bereit für den Sprung ins kühle Nass

Bereit für den Sprung ins kühle Nass

Kein Geld für die große Sanierung des Umkleidegebäudes, da muss es eine Nummer kleiner gehen. Für rund 15 000 Euro hat die Verbandsgemeinde Arzfeld die Toiletten im Freibad Waxweiler auf Vordermann gebracht. Im vergangenen Jahr hatte die VG mit dem benachbarten Ferienpark zusammengearbeitet, doch offenbar hat sich diese Lösung nicht bewährt.

Waxweiler. Der Rasen ist gemäht, das Wasser in den Becken plätschert, das Metall der Sprungtürme glänzt in der Sonne: Doch obwohl sich das Freibad Waxweiler in bestem Zustand präsentiert, konnte es noch nicht geöffnet werden.
Verantwortlich ist das verregnete Frühjahr - und gleich in doppelter Hinsicht. Denn zum einen zog es angesichts des Wetters bislang kaum jemanden ins Becken, zum anderen reichen die Sonnenstunden und Außentemperaturen auch nicht aus, um das Wasser auf die benötigten 24 Grad aufzuwärmen. Voraussichtlich zum Samstag, 8. Juni, könne man das Bad öffnen, hofft Abteilungsleiterin Susanne Roß.
Die Besucher - jährlich zwischen 12 000 und 15 000 - müssen sich indessen wieder etwas umstellen: Denn die Kooperation mit dem Eifel-Ferienpark Prümtal, die im vergangenen Jahr ins Leben gerufen worden ist, ist schon wieder Geschichte. Dabei hatten damals sowohl VG-Bürgermeister Andreas Kruppert als auch Ferienpark-Chefin Claudia Suringh die Zusammenarbeit gelobt. Der Ferienpark übernahm den Kassendienst und öffnete seine mit fünf Sternen ausgezeichneten Duschen und Toiletten für die Freibad-Besucher. Im Gegenzug erhielt der Ferienpark einen Teil der Liegewiese und legte dort eine Strandbar an (der TV berichtete). Damit befreite sich die VG auch aus dem Dilemma, das marode Umkleidegebäude im Freibad sanieren zu müssen, was man sich aber einfach nicht leisten kann.Diskussion um Personal



Doch offenbar war nicht alles Gold, was zunächst so glänzte. Denn in diesem Jahr gehen Ferienpark und Verbandsgemeinde wieder getrennte Wege. Der Ferienpark hat die Zusammenarbeit gekündigt und begründete den Schritt mit dem großen Problem, jenseits der Ferienzeiten Personal für den Eintritt zu finden. Suringh wundert sich ohnehin, warum die Verbandsgemeinde keinen Kassenautomaten mit Drehkreuz anschaffe. Das sei sicherlich günstiger als die jährlichen Personalkosten. Im Freibad in Neuerburg ist ein solcher Automat beispielsweise seit Jahrzehnten im Einsatz.
Laut VG-Chef Kruppert sind die Investitionskosten dafür jedoch zu hoch, diese Möglichkeit habe man bereits überprüft. Stattdessen übernimmt die VG in diesem Sommer wieder das Personal an der Kasse mit 400-Euro-Kräften. Außerdem hat die VG in das Umkleidegebäude investiert, vor allem in den Toilettenbereich. "Die 40 Jahre alten Installationen wurden komplett entfernt", sagt Susanne Roß von der VG. Anschließend wurden Leitungen erneuert, Böden und Wände neu gefliest und neue Trennwände in den Toiletten eingebaut.
Aus Kostengründen wurden keine Firmen damit beauftragt, sondern Bauhof und Gemeindearbeiter haben die Sanierung in Eigenregie übernommen. "Wir haben da jetzt nicht die Gesamtlösung gemacht, sondern nur das Notwendigste", sagt Klaus Juchmes, Ortsbürgermeister von Waxweiler und erster Beigeordneter der VG Arzfeld. Denn einige Teile stammen aus der Zeit, als noch ein Hallenbad angeschlossen war. "Aber die brauchen wir ja jetzt nicht mehr", sagt Juchmes. Die genauen Kosten sind noch nicht ermittelt, Kruppert geht allerdings davon aus, dass sie sich in der Größenordnung von 15 000 Euro bewegen. Dies sei nur möglich gewesen, weil man viel in Eigenleistung gemacht habe. Außerdem habe Bauunternehmer und VG-Ratsmitglied Hermann Köppen 5000 Euro gespendet, sagt Kruppert.
Auch die Gemeinde Waxweiler will im kommenden Jahr verstärkt in das örtliche Freizeitangebot investieren, kündigt Juchmes an. Denn der Minigolfplatz, der ebenfalls neben dem Freibad liegt, ist marode und kann kaum noch genutzt werden. Doch für Reparaturen oder eine neue Anlage fehle das Geld, sagt Juchmes. Aber er setzt darauf, dass man nach der erfolgreichen Teilnahme beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" gute Chancen habe, in ein Förderprogramm zu kommen. Entsprechende Anfragen habe man auch schon an die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier geschickt, allerdings bislang ohne konkrete Zusagen. Gleichzeitig sei man in Waxweiler bereit, die örtlichen Grundsteuern zu erhöhen, um einen eigenen Beitrag zu leisten, sagt Juchmes. Bis zum Herbst wolle man Klarheit bekommen, "damit wir bis zum nächsten Jahr in die Gänge kommen".Meinung

Gemeinsam ist man stark
Es ist bedauerlich, dass die Kooperation zwischen der VG Arzfeld und dem Ferienpark nicht fortgesetzt wird. Das Konzept ist nach wie vor schlüssig. Gerade in kleineren Fremdenverkehrsorten wie Waxweiler ist es wichtig, dass alle Touristiker gemeinsam agieren und auch mit begrenzten Möglichkeiten und wenig Geld ein Angebot schaffen, das die Gäste ins Prümtal zieht und - noch wichtiger - wiederkommen lässt. Das geht aber nur durch gemeinsame Anstrengung. Alleine kann keiner im harten Wettbewerb der Ferienregionen bestehen. Die aktuelle Entwicklung rund um das Freibad Waxweiler ist da ein klarer und bedauerlicher Rückschritt - und ein teurer obendrein, nachdem die VG nun auf eigene Kosten neue Toilettenanlagen installiert hat, während nur wenige Meter entfernt hervorragende Sanitäreinrichtungen vorhanden sind. Vielleicht führt die jetzt endlich beginnende Saison aber doch noch dazu, dass man für das nächste Jahr wieder enger zusammenrückt - zum Vorteil aller. c.brunker@volksfreund.deExtra

Der Streit um in der VG Arzfeld erhobene Tourismus-Abgabe ist nicht beigelegt. Seit Januar müssen volljährige Gäste je nach Übernachtungspreis zwischen 80 Cent und einem Euro bezahlen. Pro Kalenderjahr werden maximal sieben Übernachtungen berechnet. Kinder und beruflich Reisende sind von der Abgabe befreit. Die VG begründet diese Abgabe mit den Investitionen in den Tourismus, für die man auch Einnahmen generieren müsse. Allerdings sind mehrere Kommunen mit ähnlichen Vorhaben gescheitert. Auch die Tourismus-Abgabe in Arzfeld wird die Gerichte beschäftigen. Vor dem Oberverwaltungsgericht läuft eine Klage, das bestätigt Ralf Landoll vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Rheinland-Pfalz. ch