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Bernd Lafrenz spielt Shakespeares „Hamlet“ vor Schloss Malberg

Theater : Das Drama um den Dänenprinzen im Galopp

Mit seiner eigenwilligen Version von Shakespeares „Hamlet“ begeisterte Bernd Lafrenz im Garten von Schloss Malberg.

„Sein oder nicht sein“ – das ist für Bernd Lafrenz keine Frage. Der komödiantische Serientäter in Sachen Shakespeare ist alles in einem: Hamlet, König, Königin, Freund Laertes. Und nicht zu vergessen Ophelia, die unglückliche Braut des Dänenprinzen. Das könnte man für ein Zeichen von Un­entschieden­heit halten. Ist aber kein Problem. Da auf der Bühne sowieso niemand ist, was er scheint, kann auch jeder alles sein. Als One-Man-Show kam der Freiburger Komödiant, Autor und Theaterleiter mit der Tragödie „Hamlet“ im Rahmen der Eifel-Kulturtage am Samstag ins Schloss Malberg. Ein passender Ort, nicht nur wegen des schönen Ambientes. Mit der Theater­aufführung nahmen die Kulturtage eine alte Tradition des Hauses auf. Findet sich doch in der Rechnungslegung der Hofhaltung des Schlosses bereits im 18. Jahrhundert ein Posten für „Theater und Spiel“.

Ein erwartungsfrohes Publikum versammelte sich an diesem schönen Sommerabend auf der Schlosstreppe und dem Rasen des „Runden Gartens“. Ganz unbeschwert war der Abend dennoch nicht. Man habe sich angesichts der Hochwasserkatastrophe natürlich gefragt, ob man überhaupt spielen sollte, erklärte Rainer Laupichler, der Chef der Eifel-Kulturtage zu Beginn. Er ließ unter dem Motto „Malberg räumt auf“ einen Karton herumgehen, in dem Spenden für die Hochwasser­opfer gesammelt wurden. Ansonsten galt an diesem Abend die alte Volksweisheit, dass Lachen die beste Medizin ist. Davon gab es satt, selbst für den einzigen Hund im Publikum. Für diesen war, wie Lafrenz feststellte, der Abend wohl die erste Erfahrung mit Shakespeare. Als französischer Theater-Prinzipal führte sich der Komödiant und seine Ein-Mann-Truppe ein, bevor es losging nach Art „Hamlet to go“. Ach was, Ein-Personen-Truppe: Bei Lafrenz sind wie im antiken Theater die Masken die Person. Die hingen aufgereiht auf Kleiderbügeln, immer griffbereit, um seinem rasantem Rollenwechsel ein Gesicht zu geben. Dabei hat – um es mal mit Shakespeare zu sagen – sein parodistischer Wahn entschieden Methode. Mit Tempo fuhr der Schauspieler so ziemlich alles auf, was Komödie, Satire, Comedy und Slapstick an dar­stellerischem Repertoire zu bieten haben. All das mit enormem Körpereinsatz und wandlungsfähiger Stimme. Als Showdown von Temperamenten präsentierte der Freiburger das Personal seines Dramas: Hamlet, der nicht weiß was er will, Ophelia, die Heulsuse, Königin Getrud, Hamlets Mutter, eine mondäne Zicke, König Claudius, der skrupellose, hinterhältige Macho, und schließlich Hamlets Vater, ein rachsüchtiger Geist.

 Vielgestaltiger Komödiant: Bernd Lafrenz.
Vielgestaltiger Komödiant: Bernd Lafrenz. Foto: TV/Eva-Maria Reuther

Mitmach­theater ist bei Lafrenz inklusive. In Malberg betätigte sich sein Publikum begeistert als Sound-und Windmaschine und, wie einst der antike Chor, als öffentliche Meinung. Nach Kräften beschimpfte es den Königsmörder und neuen Herrscher Claudius als Trunkenbold. Unter dem Gelächter der Zuschauer starb ein vermeintlicher Anhänger aus dem Publikum von König Hamlet senior (Hamlets ermordetem Vater) seinen ersten Bühnentod. Für das Theaterstück auf dem Theater „ Die Mausefalle (hier „Rattenfalle“ nach einer Inszenierung des Regisseurs Volker Lösch), die Claudius Verrat an den Tag bringt, hatte Lafrenz konsequenterweise sein eigenes Theater „König Alfons“ engagiert.

Nicht alles war Ulk. Einen Augenblick lief der Abend zur großen dramatischen Form auf, als der Schauspieler Hamlets berühmten Monolog „Sein oder Nichtsein“ rezitierte. Lafrenz wolle Shakespeare vom Sockel holen, ist bisweilen zu lesen. Das ließ sich der englische Großmeister dann doch nicht bieten und machte den Schauspieler sinnbildlich platt. Für den war wie für Hamlet der Rest Schweigen, als er ausgestreckt unter dem Foto des Genies lag.

 Pauline Laupichler: „Wir sind be­geistert. Wir haben schon viele Aufführungen von Lafrenz gesehen und kommen immer wieder.“
Pauline Laupichler: „Wir sind be­geistert. Wir haben schon viele Aufführungen von Lafrenz gesehen und kommen immer wieder.“ Foto: TV/Eva-Maria Reuther
 Heike Binz: „Eine super Vorstellung. Wir haben kräftig mitgemacht.“
Heike Binz: „Eine super Vorstellung. Wir haben kräftig mitgemacht.“ Foto: TV/Eva-Maria Reuther
 Carmen und Mario Hentrich: „Tolles Ambiente, wir kommen sehr gern hierher und gehen überhaupt gern zu Kulturveranstaltungen.“
Carmen und Mario Hentrich: „Tolles Ambiente, wir kommen sehr gern hierher und gehen überhaupt gern zu Kulturveranstaltungen.“ Foto: Eva-Maria Reuther

Die Spendensammlung des Abends brachte aus dem Stand mehr als 600 Euro ein.