Berufungsverfahren vor dem Landgericht Trier gegen 31-Jährigen Eifeler

Berufungsverfahren am Landgericht : Bewährung trotz langem Strafregister

Für einen 31-Jährigen Eifeler ist ein Berufungsverfahren vor dem Landgericht Trier glimpflich ausgegangen.

 „Für so eine Liste erheblicher Straftaten auch noch Bewährung? Auf keinen Fall“, meinte die Trierer Staatsanwaltschaft nach einem Urteil des Amtsgerichts Bitburg vom 12. Dezember 2017. Dann legten die Trierer Strafverfolger Berufung ein. Ziel war ein Urteil ohne Bewährung – es gehe um die „Verteidigung der Rechtsordnung“. Verurteilt worden war ein damals 29-Jähriger aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm. Die Anklageschrift gegen ihn umfasst mehrere DIN-A-4-Seiten: Ein Einbruchsdiebstahl, sechs Fälle von vorsätzlicher Körperverletzung, Beleidigung und versuchte Körperverletzung in Tateinheit mit Widerstand gegen Polizeibeamte sowie Sachbeschädigung. Die Vorfälle, bei denen der Mann auf seine Gegner bevorzugt mit der Faust einschlug, ereigneten sich zwischen Juni und August 2017. Einige Opfer kamen mit leichten Blessuren davon. In einem Fall fehlten danach aber auch Zähne, es gab defekte Gelenkkapseln und einen stationären Krankenhausaufenthalt.

Diese Woche sitzt der heute 31 Jahre Eifeler wegen seines Sündenregisters erneut vor Gericht – diesmal in nächster Instanz vor der Berufungskammer des Landgerichts Trier. Schlechte Karten für den Angeklagten? Doch die Tatserie, die der Mann schon im Bitburger Verfahren voll eingeräumt hatte, kann nicht ohne ihre Ursachen betrachtet werden. 2017 stand der Angeklagte ständig unter Drogen: Alkohol, Amphetamin, Cannabis. Nach einer Expertise soll das bei ihm zu psychischen Ausnahmezuständen, der Schizophrenie ähnlich, geführt haben.

Vor dem Landgericht erscheint der Angeklagte mit seinem Verteidiger Michael Fingas aus Trier. Für den Vorsitzenden Richter Eberhard Speicher hat der Anwalt gleich ein ganzes Bündel an Entlastungsunterlagen mitgebracht. Darin ist dokumentiert, wie sehr der Angeklagte nach dem ersten Urteil bemüht war, sein total von Drogen bestimmtes Leben umzukrempeln. Es sind umfassende Berichte aus verschiedenen Entzugs- und Therapiemaßnahmen in verschiedenen Fachkliniken, die der Angeklagte auf eigenen Wunsch und freiwillig in Angriff genommen hatte.

Richter Speicher liest aus den Abschlussbefunden von zwei Kliniken vor – die ärztlichen Erfolgseinschätzungen und Prognosen klingen sehr gut. Zurzeit befindet sich der 31-Jährig freiwillig in einer dritten Therapie, die noch nicht ganz abgeschlossen ist. Staatsanwalt Holger Schmitt: „Nach den Umständen von 2017 mussten wir angesichts der Schwere und Häufung der Taten davon ausgehen, dass hier eine Strafaussetzung auf Bewährung falsch war. Heute stehen wir vor einer veränderten Situation, die der Angeklagte selbst herbeigeführt hat.“ Schmitts Antrag: Das erste Urteil soll wie ausgesprochen Bestand haben. Dem schließt sich Verteidiger Fingas an.

Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende die Entscheidung: Es bleibt bei der Verurteilung auf Bewährung. Sichtlich erleichtert verlässt der Angeklagte den Schauplatz. Sein Wort zu dem Verfahren: „Ich habe damals nur noch Mist gebaut. Ich musste und wollte aus diesem Drogenkreislauf raus.“

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