Beschluss für 75 Kinder im zweiten Anlauf gefasst: Stadtrat stimmt mehrheitlich gegen Tagesstätte in der Housing oder der Sportschule.

Familie : Langes Hin und Her für die Übergangs-Kita

Der Stadtrat will in der Turnhalle in der alten Kaserne Platz für 75 Kinder schaffen. Die Standorte Housing und Sportschule sind raus.

Nichts geht mehr in Bitburgs Kindertagesstätten. Nirgendwo gibt es noch Platz für ein einziges zusätzliches Kind. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Eltern die Geduld verlieren. Das Problem: Das Großprojekt in der alten Kaserne, wo die Stadt 280 Kita-Plätze schaffen will, lässt sich nicht so zügig verwirklichen wie erhofft. Die Bauarbeiten in dem Block, den die Stadt gekauft hat, ziehen sich noch bis Mitte 2020. Aber schon jetzt fehlen akut nach Angaben der Stadtverwaltung rund 75 Kita-Plätze.

Deshalb soll eine Zwischenlösung her. Die Möglichkeiten: die Kita in der Housing, die Sportschule auf dem Flugplatz und die Turnhalle in der alten Kaserne. Doch bei der Abstimmung im Stadtrat kam es vergangene Woche zur Pattsituation: Keiner der drei Vorschläge fand eine Mehrheit (der TV berichtete). Deshalb die Sondersitzung am Montagabend – und diesmal ist die Entscheidung gefallen.

Die Übergangs-Kita soll für mindestens vier Jahre vom Privatinvestor Willi Notte in der ehemaligen Turnhalle in der alten Kaserne eingerichtet werden – also genau in dem Viertel, in dem zwei Jahre später die Groß-Kita eröffnet. Diese räumliche Nähe macht für FBL und Liste Streit Sinn, für die CDU hingegen gar nicht. Entsprechend knapp war das Abstimmungsergebnis mit 14 Ja- bei sieben Gegenstimmen und vier Enthaltungen. Doch bis dahin gab es noch einiges Hin und Her.

Zunächst stellte die SPD den Antrag, auch die Sportschule auf dem Flugplatz – das günstigste und am schnellsten verfügbare Angebot – weiter zu berücksichtigen. Der Antrag wurde abgeschmettert. Danach standen nur noch Housing und Kaserne, die beiden Favouriten aus der vorherigen Sitzung, zur Wahl.

Während die Grünen zuletzt noch mit CDU und FDP für die Variante in der Housing gestimmt hatten, waren sie nun auf Seite der Kasernen-Befürworter. „Für uns gibt es bei der Housing und den Verhandlungen mit der Bima einfach zu viele Unwägbarkeiten und Fragezeichen“, sagte Peter Berger (Grüne). Da die Zeit dränge, müsse schnell eine Lösung her.

Schnell könnte sich für die CDU auch die Sache in der Housing umsetzen lassen. „Es liegt einzig und allein in unserer Hand, mit welchem Nachdruck wir verhandeln“, sagte Michael Ludwig und erklärte: „Es tut uns in der Seele weh, wenn wir sehen, dass wir in der Stadt eine fertige, helle Kita stehen haben, die zu verrotten droht.“

Das sieht Winfried Pütz (Liste Streit) anders: „Im ersten Moment sieht das in der Housing zwar ganz gut aus, aber es dauert einfach zu lange, bis wir da rein können. Das wird doch vor Frühjahr nächsten Jahres nichts.“ Er plädierte für die Kaserne. Die Gründe: Der Standort sei auch fußläufig zu erreichen und mit dem dort geplanten Indoor-Spielplatz habe Bitburg eine neue Attraktion – eine, durch die sich auch „Synergie-Effekte“ ergeben, wenn der große Kita-Block fertig ist.

Dem widerspricht Jürgen Weiler (CDU) aufs Heftigste. „Das muss man mal einem erklären, dass wir in der Kaserne für elf Gruppen selber bauen und dann 200 Meter weiter noch eine Kita hinstellen“, empörte er sich. Die Kita in der Housing hingegen sei genau dort, wo künftig eine gebraucht werde: mitten im Grüngürtel eines neuen Stadtviertels. Eins, von dem Marie-Luise Niewodniczanska (FDP) findet, dass es das „schönste von ganz Bitburg“ werden könne. Auch Stephan Garçon (SPD) sprach sich – anders als der Rest seiner Fraktion – für die Housing aus, weil es „die nachhaltigste Lösung“ wäre, weil dort später eine Kita gebraucht werde.

Noch aber ist die Housing kein neues Stadtviertel, sondern ein abgeriegeltes Gebiet, das dem Bund gehört. Für die FBL keine schöne Aussicht: „Wir finden die Vorstellung, dass da Eltern an Zugangskontrollen vorbei auf ein leerstehendes Gelände fahren, um ihre Kinder in die Kita zu bringen, einfach nur schlimm“, sagte Manfred Böttel, der zudem auch bei dem Gebäude fürchtet, dass da mehr auf die Stadt zukommt als sich im ersten Moment abzeichnet.

Für die Mehrheit der SPD-Fraktion sagte Thomas Barkhausen: „Es geht hier doch nicht um Stadtentwicklung und die Konversion der Housing, sondern um die Kinder. Und für die sollten wir die schnellste Lösung wählen.“ Und das ist am Ende für Liste Streit, FBL, Grüne und drei SPDler eben die Turnhalle in der alten Kaserne. CDU und FDP hatten das Nachsehen.