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Besinnlich trotz Baustellen

Besinnlich trotz Baustellen

Hunderte Besucher haben am Vorabend des ersten Advents das stimmungsvolle Adventsblasen genossen.

Prüm "Es geht los, es geht los!", ruft Tilmann (6) und deutet auf den Balkon des Hotels "Zum goldenen Stern". Mutter Kerstin Riedner lächelt, dreht den Jungen sanft um in Blickrichtung Basilika und sagt: "Nein, nein - die Musiker stellen sich nur schon auf. Das erste Stück wird vom Turm aus gespielt." Der Junge blickt irritiert, doch bevor er weiter fragen kann, geht es tatsächlich schon los. Das Gemurmel der Menschenmenge auf dem Hahnplatz verstummt. Zum 42. Mal spielt der Musikverein Prüm von drei Balkonen am Hahnplatz und dem Nordturm der Basilika zum traditionellen Adventsblasen auf. Eine halbe Stunde scheint die Welt in Prüm stillzustehen. Dann, nach dem 17. Stück, liegt überaschende Stille über dem Zentrum von Prüm - das Konzert ist vorbei. Manche Gruppen lösen sich schnell auf, andere bleiben noch ein bißchen stehen, plaudern und bummeln erst nach und nach in alle Himmelsrichtungen davon. "Einmalig schön war es wieder. Ich komme schon lange jedes Jahr hier hin. Das Adventsblasen gehört für mich zum Beginn der Vorweihnachtszeit fest dazu", sagt Elisabeth Wels. Man gehe erst in die Messe, stelle sich dann auf den Hahnplatz und genieße einfach die kommende halbe Stunde. "Und das trotz Baustelle. Mich hat es nicht gestört, dass der Hahnplatz noch nicht fertig ist. Es ist ja alles schön dekoriert, es gab mehr freien Raum als voriges Jahr, und man konnte sich auch gleich mal davon überzeugen, dass die Bauarbeiten vorankommen - und es wird wirklich schön." Regelmäßigen Besuchern wird es aufgefallen sein: Zwar musste bereits zum zweiten Mal in Folge in einer Baustellensituation gespielt werden; standen aber noch im vorigen Jahr Baugeräte und Absperrgitter quasi überall herum, präsentierte sich Prüms Jahrhundertbaustelle diesmal deutlich aufgeräumter. "Am oberen Teil des Platzes ist man ja wirklich gut vorangekommen. Langsam ist zu erahnen, wie schön es hier bald sein wird", sagt Elisabeth Wels. Piet Reuyter hat einige Jahre das Adventsblasen geschwänzt, ist aber noch immer angetan von der Stimmung: "Ich komme alle paar Jahre als Urlauber hier hin. Als ich zum letzten Mal dabei war, gab es noch keine Baustelle." Er sei verblüfft darüber, dass das Adventsblasen trotz Komplettumbau des Stadtzentrums weiter ausgerichtet werde. "Andere Orte würden eine Pause machen. Dabei ist das, wie man sieht, überhaupt nicht notwendig - eher im Gegenteil." Dort, wo sonst schwere Geräte ratterten, lege sich ganz selbstverständlich andächtige Ruhe über den Platz. "Mehr Spannung und Kontrast kann man künstlich doch kaum inszenieren", sagt er, verabschiedet sich, um dann doch noch schnell einen Satz loszuwerden: "Das Schönste ist aber, dass es hier wohl eine der letzten Veranstaltungen dieser Art gibt. Man muss in der Weihnachtszeit schon lange suchen, um etwas zu finden, dass nicht vom Kommerz überrannt wurde." Er spricht Elisabeth Wels aus der Seele: "Dass es hier nicht so trubelig ist, ist einfach schön. Ein bißchen Weihnachst marktstimmung haben wir ja am Johannisplatz; dass es hier zum Adventsblasen keine Stände gibt, keinen Glühwein und keine Buden ist wirklich toll. Hoffentlich bleibt das immer so.
Extra: ALPENTRADITION HAT IN DER EIFEL FUß GEFASST

Die Adventsbläser sorgen für besinnliche Stimmung am Hahnplatz. Foto: Frank Auffenberg (e_pruem )


Mitte der 1970er Jahre riefen die Schwestern Marlies und Berta Hansen das Adventsblasen in Zusammenarbeit mit dem Musikverein Prüm ins Leben. Seitdem erschallen am Abend vor dem ersten Adventssonntag nach der Abendmesse Adventsrufe und Volksweisen aus allen vier Himmelsrichtungen über den Hahnplatz. Die traditionellen vorweihnachtlichen Weisen, die von den Blechbläsern des Musikvereins gespielt werden, stammen aus Deutschland, dem Alpenraum und auch aus den europäischen Nachbarländern. Die Geschwister Hansen trugen sie eigens für das Prümer Adventsblasen zusammen.