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Besondere Lage zwischen Atlantik und Our

Besondere Lage zwischen Atlantik und Our

BITBURG. Im Vergleich mit anderen rheinland-pfälzischen Städten sind die Mieten in Bitburg auf einem hohem Niveau. Grund dafür sind zwei Gruppen von Menschen: diejenigen, die aus Amerika kommen, und diejenigen, die jeden Tag nach Luxemburg verschwinden.

Machen wir uns nichts vor. Für Ruhrpottbewohner, Düsseldorfer und Kölner war die Eifel zwar immer schön, erholsam und urig, aber in den 90er-Jahren vor allem eines: ein Trend. Nun kaufen sie Schnaps statt Häuser

Wer die A 1 Richtung Süden fuhr und es sich leisten konnte, kaufte sich ein altes Bauernhaus, ließ es restaurieren und verbrachte dann sein Wochenende oder gleich den ganzen Urlaub auf dem Land. Erholung suchen die Menschen aus dem Revier in der Eifel auch heute noch, allerdings beschränken sich ihre Einkäufe auf eher handlichere Produkte wie beispielsweise Eifeler Schnaps oder Schinken - beim Kauf alter Gemäuer sind sie dann doch zurückhaltender geworden. Das machen jetzt andere. "Zugenommen hat das Interesse von luxemburgischen und niederländischen Käufern", sagt der Bitburger Immobilienmakler Hubert Franzen. So stark wie das einstige Interesse aus dem Ruhrgebiet sei die Nachfrage aus den beiden Nachbarländern derzeit allerdings nicht. Zumindest nicht bei alten Bauernhäusern. Doch langsam erobern Luxemburger und Deutsche, die im Großherzogtum arbeiten, den Teil der Eifel, der der luxemburgischen Grenze am nächsten ist. Und sie sind auch bereit, dafür einiges zu zahlen. Mieten sind beispielsweise in Echternacherbrück, Bollendorf oder Irrel annähernd so hoch wie in Bitburg. Und auch dort zahlen Mieter nicht wenig. Laut Wohnimmobilienpreisspiegel des Immobilienverbands Deutschland (IVD) kostet ein gemieteter Neubau-Quadratmeter in einer Lage mit gutem Wohnwert in Bitburg durchschnittlich 6,50 Euro. Das ist der gleiche Preis wie in Koblenz, deutlich mehr als in Wittlich (5,45 Euro) und nur fünfzig Cent weniger als in Trier. Auf Landesebene liegt Bitburg damit im oberen Mittelfeld, und diesen Umstand verdankt die Stadt nicht nur Männern, Frauen und Arbeitsplätzen jenseits von Sauer und Our. Auch strategische Entscheidungen, die auf der anderen Uferseite des großen Atlantiks getroffen werden, wirken bis ins kleine "Bitbührg". Nach wie vor seien die in Spangdahlem stationierten Amerikaner auf der Suche nach Mietobjekten - bevorzugt große, neuwertige Einfamilienhäuser im Raum Spangdahlem aber auch in Bitburg - interessiert, sagt Franzen, der als IVD-Berichterstatter für den Raum Bitburg fungiert. Zwischen sechs und 7,50 Euro Miet-Zuschuss pro Quadratmeter bekämen die Amerikaner je nach Zustand der Wohnungen oder Häuser, weshalb der Mietspiegel in und um Bitburg recht hoch und das Interesse der US-Soldaten an kleinen Altbau-Mietwohnungen dementsprechend gering sei, erklärt Franzen. "Wenn Sie da einen Mieter für Zwei-Zimmer-Küche-Bad in Seffern suchen, wird das schon schwieriger", fügt er hinzu und verweist auf die eher schwache Nachfrage an Immobilien nördlich von Bitburg. Vor allem in kleineren Orten mit schwacher Infrastruktur sei das Mieter-Interesse zurückgegangen. Bauland in Bitburg günstiger als in Wittlich

Dass durch einen Abzug der Amerikaner aus Spangdahlem die Mietpreise in Bitburg in den Keller rutschen würden, glaubt der Immobilenmakler jedoch nicht. Die großen Befürchtungen nach Schließung der Bitburger Airbase hätten sich ja auch nicht bestätigt, und vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sei Bitburg als Zentrum für die kommenden Jahre sowohl für Mieter als auch für Grundstücks- und Wohnhauskäufer interessant. Für diejenigen, die wenige Tage nach Abschaffung der Eigenheimzulage, von dem Gedanken, sich in Bitburg ein Baugrundstück zu kaufen, wieder Abstand genommen haben, abschließend noch ein kleiner Trost: Mit seinen 75 bis 130 Euro pro Quadratmeter Bauland - der Preis richtet sich nach Lage und Grundstücksgröße - ist Bitburg zwar teurer als Kaschen- oder Mürlenbach, doch im IVD-Vergleich zu anderen Städten in Rheinland-Pfalz wie Wittlich (bis 195 Euro), Koblenz (320 Euro) oder Mainz (460 Euro) immer noch günstig. Deutlich billiger geht es da nur noch in Kastellaun oder Emmelshausen (ab 38 Euro).