Besorgniserregend sorglos
Fast fünf Jahre ist der Amoklauf von Winnenden her: Am 11. März 2009 erschoss ein 17-Jähriger 15 Menschen und sich selbst. Ein Vorfall, der zu heftigen Diskussionen und zu einer Verschärfung des bis dato geltenden Waffenrechts führte. Wie sorglos manch einer dennoch auch heute noch mit Waffen umgeht, zeigen die jüngsten Vorfälle auch bei uns in der Region.
In Bitburg wurde in den vergangenen Tagen sieben Mal auf Fensterscheiben in der Innenstadt geschossen. Auch in Gerolstein meldete die Polizei eine zerschossene Scheibe. Natürlich sind diese Vorfälle nicht mit dem Ereignis in Winnenden zu vergleichen: Bei den Tatwaffen in Bitburg und Gerolstein handelt es sich "nur" um eine Paintballpistole beziehungsweise eine Schleuder, und bislang blieb es auch "nur" bei Sachschäden. Potenziell gefährlich waren die Schüsse trotzdem: Man stelle sich vor, sie wären auf einfach verglaste Fenster abgegeben worden und wären durchgeschlagen.
Fast noch besorgniserregender ist der Vorfall, den die Polizei in Bernkastel-Kues meldete: Da fand ein Mann bei der Räumung einer Wohnung eine Rakete, allerdings ohne Zünder. Bei der Hausdurchsuchung entdeckte die Polizei zudem mehr als 100 Schuss Munition. Der Fall zeigt die Hilflosigkeit der Behörden: Was nützen schärfere Gesetze, mit denen Waffenbesitzer regelmäßig überprüft werden können (so es denn genügend Kontrolleure gibt), wenn zugleich Tausende nicht registrierte Waffen privat gehortet werden? Der Präsident des Landesjagdverbands schätzt die Zahl illegaler Waffen bundesweit auf mehr als 20 Millionen. Auch in der Region Trier, wo es über 50.000 registrierte Waffen gibt, dürfte es zig illegale Pistolen und Gewehre geben - und wohl auch den einen oder anderen Waffennarr, der mit diesen möglicherweise sorglos umgeht. Und damit ist die Gefahr von Amokläufen leider nicht geringer geworden als vor fünf Jahren.