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Betreiber von Jugendunterkünften kämpfen um ihre Existenz

Tourismus : Betreiber von Jugendunterkünften kämpfen um ihre Existenz

Keine Klassenreisen, keine Touristen: Die Betreiber von Jugendunterkünften stehen wegen der Corona-Krise vor großen Problemen. Sogar von Schließungen – wie im Fall von Bollendorf – ist die Rede.

Die Corona-Krise trifft die Beherbergungsbetriebe besonders hart. Seit Wochen bleiben die Betten leer – und damit auch die Kassen.

Das macht sich auch bei den Jugendherbergen und anderen Jugendunterkünften, bei denen beispielsweise auch Klassenreisen wegfallen, bemerkbar. Für die Jugendherberge Bollendorf bedeutet das vermutlich das Aus, denn dort stehen laut Jacob Geditz vom Jugendherbergsverband in Mainz umfangreiche Renovierungsarbeiten an, die wegen des Ausfalls der Einnahmen nun nicht mehr zu stemmen sind.

Bei den anderen Jugendherbergen im Eifelkreis und im Vulkaneifelkreis gibt es derzeit offenbar noch keine konkreten Pläne, die Einrichtungen zu schließen. Aber auch hier bleibt die Situation angespannt. „Mittlerweile haben wir etwa 18 Millionen Euro Einnahmeverlust und 470 000 Übernachtungsstornierungen“, sagt Geditz. Und die Tendenz sei leider steigend.

Während die Jugendherberge in Bollendorf, die im vergangenen Jahr rund 18 000 Übernachtungen zählte, einen hohen Sanierungsaufwand erfordert, ist der Bedarf in Prüm, wo 2019 24 350 Übernachtungen gezählt wurden, laut Geditz nicht so hoch.

In Daun (20 243 Übernachtungen) und in Gerolstein (20♦153 Übernachtungen) müssten mittelfristig Millionenbeträge investiert werden. „Das rückt aktuell in weite Ferne“, sagt Geditz. Welche Auswirkungen das auf diese Standorte habe, sei noch nicht absehbar. Man müsse abwarten, wann die Häuser wieder belegt werden könnten und welche Auflagen damit verbunden seien.

Diese Unsicherheit, die nicht nur den Jugendherbergsverband , sondern auch die Gäste betreffe, habe dazu geführt, dass es nicht nur viele Stornierungen, sondern auch wenige Neubuchungen gebe.

Inzwischen gibt es vom Jugendherbergswerk auch eine Onlinepetition, bei der sich Menschen für den Erhalt der Herbergen einsetzen können. Wie Geditz sagt, findet diese eine große Resonanz. Bisher gebe es schon nahezu 100 000 Unterschriften.

Das zeige die große Empathie mit den Jugendherbergen und auch den Unmut darüber, dass es keine Unterstützung vom Staat gebe. „Warum es bisher für die Jugendherbergen noch keine Unterstützung gibt, bleibt das große Rätsel dieser Krise“, sagt Jacob Geditz.

Auch andere Jugendhäuser haben unter der gegenwärtigen Krise zu leiden. Beim Youtel in Bitburg merke man sie massiv, wie Geschäftsführer Ralf Olk bestätigt: „Gerade zum Beginn der Klassenfahrten-Saison im März sind statt vollem Haus praktisch alle Mitarbeiter in Kurzrbeit.“

Dennoch gebe es Aktivitäten, um der Situation zu begegnen. So sei man auf Initiative der Jugendhilfeeinrichtung Karree in Bitburg im Auftrag von Jugendämtern wieder für die Aufnahme und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen aktiv geworden. Außerdem habe das Bitburger Youtel auf Initiative des Reisenetzes (Deutscher Verband für Jugendreisen, Berlin) und dessen Vorstandsmitgliedes Christian Becker vom Haus Stiftsberg in Kyllburg angeboten, Betten für die Bewältigung der Coronakrise zur Verfügung zu stellen. Es könne als Notkrankenhaus oder zum Beispiel für die Unterbringung von Einsatzkräften genutzt werden.

„Denkbar wäre auch“, so Ralf Olk,  „unser Team und unser Haus mit seiner Kernkompetenz zu nutzen.“ Damit meint er „die Unterbringung und Verpflegung sowie die professionelle, sichere Organisation einer Betreuung“  der Kinder und Jugendlichen, deren  Eltern im Krankenhaus, bei der Polizei, beim THW oder bei der Feuerwehr einsatzfähig bleiben müssen.

Der Austausch mit anderen Jugendunterkünften deutschlandweit sei mit regelmäßigen Telefon- und Videokonferenzen auf verbandsübergreifender Ebene sehr intensiv, sagt Olk.

„Wir können uns weitere Projekte in der Krise vorstellen“, sagt er. „Die Unterbringung von Obdachlosen in Low-Budget-Unterkünften wird in einigen Regionen Deutschlands bereits praktiziert.“ Was auch bereits von einigen Hotels angeboten wird, ist die Nutzung der Zimmer als Homeoffice. Das werde bereits umgesetzt –  allerdings nicht so umfangreich wie in Großstädten.