Betrugsprozess am Landgericht Trier Zeugen sollen Licht ins Dunkel um die Geldübergabe für die Eifeler Golfanlage bringen.

Strafverfahren vor dem Landgericht Trier : Was geschah vor und im Café in Lüttich?

Betrugsprozess: Zeugen sollen Licht ins Dunkel um die vermeintliche Geldübergabe für die Eifeler Golfanlage bringen.

Die Geschichte bietet Stoff  für einen Kriminalroman: Auf einer Herrentoilette im Café Saga in Lüttich wird einem verdeckten  Ermittler  von einem vermeintlichen Geschäftsmann ein Koffer angeboten, in dem sich wie vereinbart eine größere Geldsumme  befindet. Dabei handelt es sich aber größtenteils um Falschgeld, nur die oberen sechs Scheine sind echt. Der Deal ist durch ein fingiertes Kaufinteresse an einer Golfanlage in der Eifel zustande gekommen.

Als sich der Ermittler  und  G., der Mann mit dem Koffer, dann am Auto des V-Manns befinden, greift ein Sondereinsatzkommando der belgischen Bundespolizei zu und nimmt G. fest. Außer ihm werden noch vier weitere Männer und eine Frau an diesem 27. September 2018 in Lüttich festgenommen. Darunter eine Mutter mit ihrem erwachsenen Sohn, die an einem Brunnen in der Nähe des Cafés saßen und zwei weitere Männer, die auf einer Terrasse eines anderen Cafés  Platz genommen hatten. Sie sollen laut Polizei während des Deals  untereinander im Kontakt gestanden haben  und zuvor auch zusammen mit zwei Autos mit deutschem Kennzeichen nach Lüttich angereist sein. Die sechs stehen nun wieder vor dem Landgericht Trier, zwei Verhandlungstermine hat es bislang schon gegeben (der TV berichtete).

An diesem Prozesstag möchte der Vorsitzende Richter der 3. Großen Strafkammer, Armin Hardt, Licht ins Dunkel um die Geldübergabe in der Lütticher Innenstadt bringen. Dabei ist es schon gar nicht so einfach, den Verhandlungstag ans Laufen zu bekommen. Erst sind die Verteidiger nicht ausreichend mit Steckdosen versorgt, dann sind noch nicht alle   Angeklagten im Saal 70 angekommen, dann fehlt noch eine zweite Dolmetscherin für Französisch. Einer der Angeklagten  hat noch eine Übersetzerin für Serbisch an seiner Seite.

Die zweite Dolmetscherin war zwar eigentlich pünktlich,  dann  hatte man  ihr  gesagt, dass die Sitzung erst um 10.30 Uhr beginnen würde. „Ich habe schon keine Lust mehr“, sagt der Richter. „Wie wäre es mit hitzefrei. Geht ja nicht, wir haben ja Angeklagte hier.“  Als die zweite Übersetzerin da ist, wird der erste Zeuge in den Zeugenstand gerufen. Dann fällt auf, dass die Personalien der Übersetzerinnen nicht aufgenommen worden waren. Dann gibt es einen Notfall in Saal 54. Einer der acht Justizbeamten muss mit dem Notfallrucksack kurz  die Sitzung  verlassen. Nachdem er zurück ist und die Personalien erledigt sind, berichtet ein Beamter der Kriminaldirektion Trier (KD) von dem Betrugsfall um den Golfplatz in der Eifel. Demnach war ein gewisser „Gallo“ aus Italien an den Betreiber der Golfanlage herangetreten und hatte Kaufinteresse signalisiert. Es gab ein erstes Treffen in Turin, an dem besagter Gallo aber gar  nicht teilnahm. Ein weiteres Treffen scheitert, der Kontakt bricht ab. Dann meldet sich besagter Gallo   wieder in der Eifel und schlägt eine Geldübergabe in Venedig vor. Der Eifeler Geschäftsmann, längst misstrauisch geworden,  schaltet die Polizei ein, die wiederum einen verdeckten Ermittler einsetzt.  Die Verhandlungen gehen weiter. Für die Übergabe einer Anzahlung von einer Million Euro  und einem Geldtausch von 460 000 in 500er-Scheinen und 400 000 Euro in kleinen Scheinen wird schließlich ein Café in Lüttich ausgewählt. Weitere  Akteure kommen auf der Seite der vermeintlichen Interessenten hinzu, ein „Vetermann“, „Nathan Levy“, ein   gewisser „Boris“. Der verdeckte Ermittler kommt als angeblicher Neffe des Golfplatzbesitzers ins Café Saga und trifft dort auf die späteren Angeklagten  G. und St. In der Herrentoilette wird schließlich das Geld gesichtet.

Richter Hardt möchte von dem Polizeibeamten wissen, woher er seine Erkenntnisse über die Vorgänge hat. Ein Verteidiger fragt zudem, ob der Beamte gehört habe, was im Café vor sich ging. Die Frage, ob der Tisch dort  verwanzt war,  steht im Raum. Darauf muss und will der Polizeibeamte nicht antworten, da es sich um polizeitaktische Maßnahmen handelt. Seine sonstigen Informationen habe er von dem verdeckten Ermittler. Die  Frage des Richters, welche Rolle die anderen Angeklagten in Lüttich gespielt haben, wird auch nicht wirklich beantwortet. Ein weiterer Beamter der KD Trier, der als zweiter Zeuge gehört wird, war für Handyauswertung zuständig, woraus sich aber keine verfahrensrelevanten Erkenntnisse ergaben. Neben den deutschen Polizeibeamten   werden auch drei   Beamte aus Belgien als Zeugen befragt, deren Behörde von deutscher Seite um Amtshilfe gebeten worden war. Sie  befanden sich in der Einsatzzentrale in Lüttich in der Nähe des Cafés und haben die Situation beobachtet, wobei sie keine Angaben machen wollen, wie sie zu ihren Erkenntnissen gekommen sind  – ebenfalls aus polizeitaktischen Gründen. Eine Frage sollte auf Wunsch des Gerichts noch geklärt werden. Nämlich, ob der Angeklagte G. nun den Koffer vor seiner Festnahme habe  wegworfen wollen, als er die Polizei kommen sah. Demnach hat er den Koffer lediglich abgestellt. Viel Licht ist an diesem turbulenten Verhandlungstag noch nicht ins Dunkel gebracht worden. Zwei weitere Kurztermine sind noch angesetzt und Richter Armin Hardt strebt an, das Urteil  schon am 24. Juli zu fällen.

Mehr von Volksfreund