betrunkene und berauschte Verkehrsteilnehmer sind in Bollendorf ein Problem

Kommunales : Grenzerfahrungen unter Drogeneinfluss

Im Bollendorfer Raum werden immer häufiger betrunkene und berauschte Verkehrsteilnehmer aufgegriffen. Mit einem Bürgerforum wollen Polizei und VG Südeifel das Problem angehen. Das Interesse ist groß, wie der Auftakt gezeigt hat.

Bevor Günter Colling loslegt, verteilt er zunächst drei in Din-A4-Folien eingeschweißte und getrocknete Marihuana-Blüten. Damit sich die Besucher des Bürgerforums ein Bild davon machen können, worum es geht. „Es rentiert sich wirklich nicht, das Zeug aus den Folien herauszufummeln“, sagt er grinsend, „denn hier in Bollendorf bekommt man es viel billiger.“

Colling weiß, wovon er redet. Der pensionierte Beamte war bis vor wenigen Monaten noch Hauptkommissar der Polizeiinspektion Bitburg. Und die letzten drei Jahre hat sich der auf Betäubungsmittel spezialisierte Polizist vor allem mit dem Raum Bollendorf beziehungsweise der Grenzregion Sauer auseinandergesetzt. Dort werden seit einigen Jahren unverhältnismäßig viele, überwiegend junge Menschen aus dem Verkehr gezogen, weil sie entweder unter Drogen stehen, oder betrunken sind - oder beides.

Aus diesem Grund hat die Polizeiinspektion Bitburg gemeinsam mit der Verwaltung der VG Südeifel unter dem Titel „Sicherheit im Grenzraum Sauer“ ein Bürgerforum ins Leben gerufen. Geplant sind mehrere Veranstaltungen, um die Menschen, die in dieser Region leben, für das Thema zu sensibilisieren und sie über das, was die Polizei dagegen tut, zu informieren. Dass die Bürger daran interessiert sind, zeigt die Auftaktveranstaltung in der Burg Bollendorf. Rund 100 Menschen sind der Einladung gefolgt.

„Es besteht kein Grund zur Panik“, betont Christian Hamm, Leiter der Polizeiinspektion Bitburg. Und auch in den sozialen Medien wie Facebook werde viel übertrieben, fügt er hinzu. Dass aber Handlungsbedarf bestehe, stellt Hamm keineswegs in Frage. Im Gegenteil: Er verweist auf eine Verdopplung der erfassten Drogendelikte innerhalb eines Jahres und auch auf die Zunahme an betrunkenen Autofahrern. Besonders viele Verstöße seien bei den Kontrollen während des Echternacher Musikfestivals „e-lake“ registriert worden, erklärt der Polizeichef. „Innerhalb von zwei Stunden war eigentlich jeder junge Fahrer ein Treffer.“

Um die Situation in den Griff zu bekommen, hat die Polizei deshalb ihre Präsenz an den Grenzflüssen Sauer und Our deutlich verstärkt. Erschwert werde die Arbeit aber dadurch, dass die Zusammenarbeit mit den Kollegen in Echternach zwar gut, die Polizeipräsenz im luxemburgischen Grenzgebiet aber leider nicht so hoch sei wie auf deutscher Seite, so Hamm.

Hinzu kommt noch ein weiteres Problem, wie Bernd Rehm, Leiter der Kriminalpolizei Wittlich, erklärt. „Viele Luxemburger, die sich auf deutscher Seite aufhalten, sind hier nicht gemeldet“, sagt Rehm. Und das behindere die Ermittlungsarbeit.

Die strafrechtliche Situation ist aber nicht das einzige, worum es an diesem Abend geht. Schließlich gefährden die überwiegend männlichen Konsumenten durch ihren Drogenkonsum nicht nur andere Verkehrsteilnehmer, sondern vor allem auch sich selbst.

Und das gelte auch für den Konsum der oft verharmlosten Einstiegsdrogen Marihuana und Haschisch, wie Colling erklärt.

Früher habe beim Marihuana der Gehalt der rauschverursachen Substanz Tetrahydrocannabinol (THC) bei ein bis drei Prozent gelegen, sagt der ehemalige Polizeibeamte. „Inzwischen haben wir neuzeitliche Züchtungen, bei denen der Gehalt bis zu 30 Prozent erreicht“, fügt er hinzu. Das Suchtpotenzial sei deshalb heute um ein Vielfaches höher als noch vor 20 oder 30 Jahren. Das bestätigen auch die beiden Mediziner Anne Christine Arold-Hermann und Gérard Bauer vom Centre Hospitalier Neuro-Psychiatrique (CHNP) im luxemburgischen Ettelbrück. Sie warnen vor den gesundheitlichen Folgen, den der Konsum von Betäubungsmitteln aber auch Alkohol vor allem in jungen Jahren habe. „Bis zum Alter von 22 bis 23 Jahren wirkt Cannabis wie ein Gift, das nicht selten zu Psychosen führt“, sagt Bauer. „Die Diskussionen um die Legalisierung von Cannabis kann ich deshalb auch nicht verstehen.“

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