Bettingen: Bereit für eine gemeinsame Zukunft

Unser Dorf hat Zukunft 2019 : Bereit für eine gemeinsame Zukunft

Bettingen hat beim Landesentscheid „Unser Dorf hat Zukunft“ gewonnen. Jetzt geht es gegen 30 weitere Orte deutschlandweit um Gold- und Silbermedaillen.

Zwei Dinge fallen auf, wenn man durch den Ort im Prümtal spaziert: Es ist unglaublich grün und jede Menge alter Bäume sorgen für eine naturnahe und ruhige Atmosphäre. Gleichzeitig ist es gar nicht so ruhig, denn es wird an allen Ecken und Enden gebaut.

In der Nähe der Schule entsteht gerade ein Standort für einen Lebensmitteleinzelhändler. Die Straße wird an mehreren Stellen erneuert und im gleichen Zuge werden Kabel für den Breitbandausbau verlegt, um Bettingen ans schnellere Internet anzubinden.

Nicht erst seit der Teilnahme am Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft  tut sich etwas hier im Ort. Das ist schon länger der Fall – und im Oktober 2018 gab es schonmal Lorbeeren dafür. Bettingen gewann Gold im Landesentscheid und ist damit unter den 30 Gemeinden aus ganz Deutschland, die auf jeden Fall bereits eine Bronze-Medaille gewonnen haben. „Jetzt geht es darum, eine der Gold- oder Silbermedaillen zu bekommen“, sagt Ortsbürgermeister Jürgen Holbach.

Bereits am 11. Juli sollen die Gewinner feststehen. Am Mittwoch kam daher die Kommission des Bundes vorbei, um sich selbst ein Bild zu machen. Die Delegation wird von vielen Gemeindemitgliedern empfangen. Vor dem Jugendheim singen Kinder für die zwölfköpfige Jury aus Experten mit dem Vorsitzenden Elmar Henke. Eine Präsentation im Anschluss gibt einen Überblick über das Dorf selbst, was Bettingen auszeichnet und bewegt.

Aktuell hat der Ort 1098 Einwohner. Als eines der größten Dörfer der Verbandsgemeinde Bitburger Land hat Bettingen Grundzentrumsfunktion und eine sehr gute Infrastruktur, die in Kürze noch verbessert wird. Für den Nachwuchs gibt es hier eine Kindertagesstätte, eine Schule und einen Jugendraum. Sportliche Angebote gibt es auf dem Sport- und Tennisplatz. Mit einer Bürgerhalle und Gastronomie vor Ort gibt es entsprechende Versammlungsorte, in denen auch kulturelle Angebote Platz finden. Dienstleister, Ärzte, Gewerbe und Handel florieren – bisher zeichnet es sich nicht ab, dass jemand gehen möchte. Ein großer Arbeitgeber des Ortes ist auch das Seniorenheim mit 48 Pflegeplätzen und 16 altengerechten Wohnungen.

Bettingen hat zudem ein sehr aktives Gemeinschaftsleben, was sich insbesondere durch 17 Vereine mit insgesamt 1250 Mitgliedern zeigt. Das damit geschaffene Angebot lässt die Menschen im Dorf zusammenwachsen.

Gemeinsam werden 16 Feste mit vielen Besuchern ausgerichtet. Ein starkes Wir-Gefühl werde durch einen ganz eigenen Dialekt geschaffen, sagt Karin Stockemer während der Präsentation. Bei dem Rundgang sind die Bettinger dann hin und wieder auch mit eben diesem Dialekt zu hören, wenn sie unter sich sind.

Die Zeit für den Besuch der Jury ist knapp bemessen und der Ort hat viel zu bieten. Vom Jugendheim zur Prüm und dem Seniorenheim, durch die Dorfmitte bis später hinauf ins Baugebiet Liesenberg – überall gibt es viel zu entdecken. Etliche historische Häuser sind restauriert worden und dienen nun oft jungen Familien als Wohnraum. Etwa der Winkelhof Fink wurde mit dem Baukulturpreis 2017 ausgezeichnet und bietet Platz für moderne Wohnungen im denkmalgeschützten Gemäuer für drei Familien.

Besonders hervorzuheben ist das Bio-Energiekonzept Bettingens, was auch der Vorsitzende Henke betont. Mit Wasserkraft, Photovoltaik, einer Hackschnitzelanlage mit Nahwärmenetz und einer Biogasanlage sowie zahlreichen Wärmepumpen und Pelletsanlagen im Privatbesitz sorgt Strom aus regenerativen Energien für eine 100-prozentige Abdeckung der Gemeinde Bettingen.

In Zukunft soll eine bessere Anbindung an den ÖPNV und eine weitere Verbesserung der Infrastruktur geschaffen sowie gegen den innerdörflichen Leerstand vorgegangen werden. Stillstand ist in Bettingen also nicht zu erwarten, eher das Gegenteil. Wie Elmar Hanke treffend in seiner Abschlussrede sagt: „Bettingen ist sehr reich an bürgerschaftlichem Engagement und wunderschöner Landschaft in der Eifel.“ Positiv wurden die kontinuierliche Entwicklung und gute Vorbereitung sowie die konsequente Durchführung der gefassten Pläne bewertet.

Bürgermeister Holbach blickt optimistisch voraus: „Egal wie es ausgeht, vom Wettbewerb wird einiges zurückbleiben und uns für die gemeinsame Zukunft sehr viel bringen.“ Jetzt schon habe man mit der Teilnahme ein intensiveres Gemeinschaftsgefühl erhalten, da Gruppen zusammenarbeiten, die sonst wenig miteinander zu tun haben. Es gebe noch viel zu tun, doch jetzt wisse man ja schon, wie es geht.

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