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Bettinger Landwirte schützen Insekten und erhalten Auszeichnung

Umweltschutz : Bettinger Landwirte schützen Insekten, erhalten auf der grünen Woche eine Auszeichnung und werben nun für ihre Ziele

Die Landwirte Peter und Johannes Weier wurden auf der grünen Woche in Berlin für ihre Mühen im Insektenschutz ausgezeichnet. Sie wollen nun weiter für ihre Ziele werben.

In Bettingen fühlen sich Insekten richtig wohl. Zumindest dann, wenn sie auf den Feldern von Peter und Johannes Weier zu Hause sind. Die Landwirte sorgen nämlich dafür, dass es die kleinen Tierchen möglichst gut haben.

Die Brüder sind Naturschützer und stehen wie kaum ein anderer Betrieb in Deutschland für Vielfalt und Nachhaltigkeit ein. Ihr Hof wurde auf der Grünen Woche, einer internationalen Landwirtschaftsfachmesse, in Berlin als zweitbester Insektenschützer in ganz Deutschland ausgezeichnet.

Die Milch- und Ackerbauern wollen mit ihrem Preis und der damit verbundenen Aufmerksamkeit auch andere Landwirte davon überzeugen, aktiv Biodiversität und Insektenschutz zu fördern.

Angefangen habe das nachhaltige Projekt mit dem Wunsch, die sensiblen Flächen am Rand des Bedhards zu schützen, erklärt Peter Weier. Die seltenen Scharren mit den Kalkmagerrasen seien ein Lebensraum bedrohter Vogel- und Insektenarten und „Landwirtschaft kann durch die Pflege einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten.“  Die Eifel biete durch die vielfältigen Naturräume nahezu ideale Voraussetzungen für aktiven Artenschutz.

Nach und nach seien weitere Projekte zum Schutz von Natur und Vielfalt hinzugekommen, sagt Johannes Weier. Zum Beispiel werden im Ackerbau sieben verschieden Kulturen angebaut, um die Böden durch Vielfalt gesünder zu halten und den Insekten durch Blühpflanzen mehr Nahrung zu bieten. Im Ackerwildkräuterprojekt werden Äcker mit Biotopen, also nicht bewirtschafteten Flächen, vernetzt, um Insekten zu fördern. Es wird zudem vermehrt auf mechanischen Pflanzenschutz gesetzt und Streuobstwiesen gepflegt.

Zum Schutz der Feldlerche wird eine besondere Saattechnik angewendet, um den Vögeln einen Rückzugsort zu geben und in diesem Jahr werden die ersten Maisflächen mit Ackerbohnen als Mischkultur angebaut, um Insekten im Maisfeld einen Lebensraum zu bieten.

All diese Projekte dienen dem Schutz der Insekten und damit auch den Vögeln und Kleinsäugern, die auf diese als Nahrungsquelle angewiesen sind. Peter Weier erklärt: „Die Stallungen des landwirtschaftlichen Betriebes bieten Rauchschwalben Nistplätze und Zwergfledermäuse sowie eine Schleiereule sind regelmäßig nachts zu Besuch.“

Die ökologischen Bemühungen können laut Johannes Weier auch gut mit ökonomischen Zielen in Einklang gebracht werden. Bienen und Hummeln tragen beispielsweise dazu bei, dass der Rapsertrag durch die Bestäubung steigt. Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Imkern sorgt zudem für einen wertvollen Wissensaustausch und regional erzeugtem Honig.

Die Biodiversität habe für das Bodenleben positive Folgen. So steigern die vielfältigen Kulturen die Vitalität der Böden, wodurch die Qualität der Erzeugnisse steigt und dafür sorgt, dass  Wasser besser gespeichert wird. Für einen guten Wasserhaushalt helfen auch Luzerne und Rotklee, die besonders wasserschonend und dazu noch gutes Tierfutter sind.

„Das wird traditionell in der Eifel angebaut, ist aber seit Beginn der Industrialisierung ein wenig in Vergessenheit geraten“, erklärt Peter Weier. Besonders gut an der Luzerne sei ihre späte Blüte gegen Ende August, sodass Insekten vital in die Winterruhe gehen können.

Das Land Rheinland-Pfalz unterstütz engagierte Bauern mit kostenlosen Informationen. Das Programm „Partnerbetrieb Naturschutz“ wurde gegründet und stellt jedem Landkreis einen Ansprechpartner zur Naturschutzberatung zur Verfügung. Das Programm ist ein Pilotprojekt und wurde in anderen Bundesländern übernommen.  Im Eifelkreis ist der Diplombiologe Andreas Weidner zuständig.

 Das Purpur-Knabenkraut: die knapp meterhohe Orchidee liebt kalkreiche Böden.
Das Purpur-Knabenkraut: die knapp meterhohe Orchidee liebt kalkreiche Böden. Foto: TV/Katharina de Mos

Rheinland-Pfalz sei in Sachen Naturschutz und Biodiversität bereits gut organisiert. Gerne nutzen die Landwirte die Biotopbetreuung des Eifelkreises. Dennoch sieht Peter Weier etwas Verbesserungsbedarf: „Die Politik soll dafür sorgen, dass neben dem guten Beratungsangebot auch eine Verknüpfung von Forschung und Landwirtschaft hergestellt wird. Viele Hochschulen forschen erfolgreich im Bereich Umweltbiowissenschaften. Eine Zusammenarbeit von Praxis und Forschung würde sicher eines bewirken: mehr Artenvielfalt.“