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Beuys trifft auf Meistermann

Beuys trifft auf Meistermann

In Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Galerie Schwarzer bietet das Haus Beda in Bitburg mit der aktuellen Ausstellung "Moderne Kunst nach 1945" einen Einblick in das Werk von Künstlern, die Kunstgeschichte geschrieben haben.

Bitburg. Sie klecksen, schmieren, wischen, hämmern und brennen: Die Kunst nach 1945 ist ein Befreiungsschlag. Selbst Zerstörung ist Gestaltung. So wie beim Werk "schwarze Sonne" von Otto Pinie, das einen schwarzen, kreisrunden Brandfleck auf rotem Grund zeigt - eine der Arbeiten, die in der Ausstellung "Moderne Kunst nach 1945" im Haus Beda in Bitburg zu sehen ist (der TV berichtete). Links und rechts davon finden sich Gemälde, die ebenfalls Kreisformen zeigen und wie Variationen ein und desselben Themas nebeneinander drapiert wurden.

"Es ist unglaublich schwierig, moderne Kunst organisch zu hängen", sagt Karl Schwarzer, der rund 50 moderne Werke vom Rhein mit in die Eifel gebracht hat. Dem Wittlicher Georg Meistermann hat er ein Plätzchen neben Fritz Winter eingerichtet. In beiden Arbeiten werden dicke horizontale lila Blöcke in Kontrast zu schwarzen Flächen gesetzt - bei Meistermann eher konstruiert, bei Winter eher impulsiv. "Die haben den gleichen Farb-Form-Geist jeweils auf ihre eigene Weise umgesetzt", erklärt Schwarzer und hebt hervor, wie revolutionär diese Art der Malerei in der Nachkriegszeit war: "Diese Kunst muss man aus ihrer Zeit heraus sehen."

Es ist eine Generation von Künstler, die vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Diktatur von einer tiefen Fortschrittskritik geprägt war. Eine Generation, der Uniformität zuwider war und die bereitwillig mit allen Regeln brach. Nichts war mehr verbindlich, alles im Aufbruch, der Einzelne auf sich selbst zurückgeworfen.

Der Prozesscharakter der Malerei steht bei der Stilrichtung "Informel", die in Bitburg etwa durch Karl Otto Götz, Peter Brüning oder Emil Schumacher vertreten ist, im Vordergrund.

Sichtweisen infrage stellen



"Die Bilder haben keine Information, nichts Handfestes, sie sind intuitiv aus dem Handgelenk heraus entworfen", sagt Schwarzer. Es sind Bilder, die zum Nachdenken über den Begriff von Kunst auffordern, etablierte Sichtweisen infrage stellen und den Betrachter zum Künstler werden lassen, der sich neue geistige Räume erschließt. So bietet auch "Raum 14", ein riesiges Gemälde von Ben Willekens, mit seinen verschachtelten Räumen in unaufdringlichem Grau viel Raum für eigene Gedanken. Gleich daneben bildet eine Arbeit in sattem Türkis von Andy Warhol, die eine Fotografie von Joseph Beuys zum Thema hat, einen reizvollen Kontrast. Von solchen Kontrasten bezieht die Ausstellung, die einen seltenen Querschnitt durch abstrakte Kunst wie auch Popart bietet, ihre Spannung.

Eröffnung: Die Ausstellung "Moderne Kunst nach 1945" wird am Sonntag, 25. Oktober, 11 Uhr, eröffnet. Zur Einführung spricht Kunsthistorikerin Margot Klütsch. Die Schau ist bis 22. November (Dienstag bis Freitag, 15 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen, 14 bis 18 Uhr) zu sehen.

EXTRA

Mit von der Partie: Es ist die zweite moderne Ausstellung, die die Galerie Schwarzer in Zusammenarbeit mit dem Haus Beda organisiert. Vertreten sind diesmal unter anderem Horst Antes, Joseph Beuys , Karl-Fred Dahmen, Gotthard Graubner, Roy Lichtenstein, Georg Meistermann, Ernst Wilhelm Nay, Otto Piene, Sigmar Polke, Serge Poliakoff, Gerhard Richter, Emil Schumacher, Günther Uecker, Andy Warhol, Tom Wesselmann, Fritz Winter und andere. (scho)