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Bevor alles total im Eimer ist - Freiwillige Feuerwehr Lissendorf wirbt mit Aktion um neue Mitglieder

Bevor alles total im Eimer ist - Freiwillige Feuerwehr Lissendorf wirbt mit Aktion um neue Mitglieder

Gewitzte Aktion, ernsthafter Hintergrund: Die Bürger von Lissendorf (Landkreis Vulkaneifel) haben am Wochenende rote Wassereimer vor ihrer Haustür gefunden. Hingestellt hat sie die Feuerwehr - und will damit neue Mitglieder gewinnen.

Lissendorf. Ein feuerroter Eimer, ein Zettel drin, vier Anweisungen drauf: "Verhalten im Brandfall" steht darüber. Eimer und Zettel, insgesamt 550 Stück, fanden die Bürger von Lissendorf am Wochenende in ihren Hauseingängen. Und lasen darauf, dass sie im Ernstfall die Nummer 112 wählen sollen, dann etwa zehn Minuten abwarten und "hoffen, dass die Feuerwehr kommt". Falls nicht, heißt es weiter: "Löscheimer mit Wasser füllen… Wenn Feuer zu groß, Nachbarn informieren und Eimerkette bilden!"
Auf der Rückseite des Papiers informieren die Wehrleute dann darüber, warum sie diese Aktion gestartet haben: Weil ihre Mitgliederzahl seit Jahren rückläufig sei. Und dass sie deshalb dringend neue Kräfte brauchen. Denn: "Jeder von uns kann schnell in eine lebensbedrohliche Lage geraten, wenn zum Beispiel das eigene Haus brennt oder man in einen Verkehrsunfall verwickelt wird. Waswürden wir dann ohne die Feuerwehr tun?"
Das ist deutlich - wird aber, sagt Ortsbürgermeister Lothar Schun, dem Ernst der Lage gerecht: Denn die Situation bei der ehrenamtlichen Mitarbeit in Vereinen und Organisationen werde immer schwieriger.
"Ganz besonders gravierend ist es, wenn die Sicherheit der Bürger und von Hab und Gut betroffen ist. Jeder nimmt es als selbstverständlich hin, dass bei einem abgesetzten Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst schnell zur Stelle sind. Dabei wird meist vergessen, dass gerade die Feuerwehr in den ländlichen Regionen nur als freiwillige Feuerwehr existieren kann." Und dass sie auf die Mitarbeit der Bürger angewiesen sei.
"Hier geht es nicht um einen ausgefallenen Grillabend oder eine Wanderung, wenn die Leute fehlen", ergänzt Schun. "Sondern schlimmstenfalls um Leben und Tod. Deshalb müssen wir alle dafür sorgen, dass den Feuerwehren neben der Ausrüstung, auch die personelle Stärke zur Verfügung steht, damit sie ihre Aufgaben erfüllen kann."
Die Aktion, die zurückgeht auf eine Idee der Feuerwehr im norddeutschen Vallstedt, wird auch von der Wehrleitung der Verbandsgemeinde Obere Kyll unterstützt.
"Das Problem ist, dass die Feuerwehr aufgrund des Personalmangels ihr vorhandenes Gerät irgendwann kaum noch besetzen kann", sagt Wehrleiter Dominik Schüler.
"Und dann die Sicherheit der Bürger gefährdet ist. Ich finde die Aktion sehr gut. Die Führung zeigt da Verantwortung. Das ist eine gute und notwendige Maßnahme."
Die Aktion wird in wenigen Tagen fortgesetzt: Am Freitag, 14. November, 20 Uhr, ist dazu ein Abend im Feuerwehrhaus. Dort können sich alle interessierten Bürger weiter informieren.Meinung

Gute Aktion für ehrenhafte Sache
Wir alle sind auf sie angewiesen, wenn es ernst wird. Und die Lissendorfer Wehr macht mit ihrer Aktion darauf aufmerksam, wie sehr sie auf neue Mitglieder angewiesen ist. Sie zeigt Stärke in der Schwäche - eine gute Idee, mit der sie Aufmerksamkeit gewinnt. So macht man's richtig. Hoffentlich folgen viele dem Aufruf. fp.linden@volksfreund.de