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Bewegung in der B-Frage im Bitburger Land

Bewegung in der B-Frage im Bitburger Land

Über die Frage, wer erster Beigeordneter werden soll, ist zwischen den Fraktionen im Bitburger Land ein heftiger Streit entbrannt. SPD, FWG und Grüne wollten einen eigenen Kandidaten gegen CDU-Mann Rainer Wirtz durchsetzen. Kurz vor der heutigen Sitzung zeichnet sich eine Wende ab.

Bitburg. Es hat ordentlich gerauscht im Bitburger Land. Es war ein Paukenschlag, als die SPD vergangene Woche publik machte, einen eigenen Kandidaten für den Posten des ersten Beigeordneten gegen CDU-Mann Rainer Wirtz zu nominieren. Obgleich nicht klar war, wer dieser Gegenkandidat sein wird, hat die Nachricht für reichlich Wirbel gesorgt. Denn im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt hatten Josef Junk und Rainer Wirtz abgemacht, dass derjenige von ihnen beiden, der bei der Wahl unterliegt, erster Beigeordneter wird - und damit erster Vertreter des Bürgermeisters.
Wegen dieser Absprache zwischen den beiden ehemaligen Amtskollegen haben die Ambitionen der SPD, den Posten aus den eigenen Reihen zu besetzen, eine besondere Brisanz. Junk kam von zwei Seiten in die Mühle - die CDU erwartet, dass er Wort hält, seine eigenen Leute dürften wohl darauf drängen, dass er ihre Bemühungen unterstützt.
Eine unglückliche Situation. Noch bevor der Rat der neuen Verbandsgemeinde überhaupt das erste Mal getagt hat, waren die Fraktionen über den Streit wegen des Prestigepostens in zwei Blocks gespalten: CDU mit ihren 15 Mandaten auf der einen Seite und SPD (13) sowie FWG (fünf) und Grüne (drei) auf der anderen Seite. Die FDP hält ein Mandat. Die Genossen wären auf FWG und Grüne angewiesen, um sich gegen die CDU durchzusetzen. Die CDU wiederum ist zwar stärkste Fraktion, hat aber keine absolute Mehrheit - und damit auch keine Chance, gegen eine Allianz der drei Fraktionen zu gewinnen.
Dauerthema, das heiser macht


Ergebnis des ganzen Gerangels um die B-Frage ist eine Pattsituation, die alle belastet. Allen voran ist Bürgermeister Junk nicht zu beneiden. Am Folklore-Festival war er richtig heiser. "Das kann sich keiner vorstellen, wie viel ich in Sitzungen bin, rede, telefoniere, maile. Nur wegen dieses einen Themas", sagt Junk. Den Ratsmitgliedern geht es genauso.
Seit Erscheinen des TV-Artikels vergangene Woche jagt eine Besprechung die nächste. Und so wird es auch bis kurz vor der heutigen ersten Ratssitzung bleiben. Ausgang offen. Aber genau das ist eine Wende. Denn vergangene Woche noch deutete alles darauf hin, dass die Kür des ersten Beigeordneten bereits abgemachte Sache sei, nur der Name - im Gespräch waren Monika Fink, Bernd Spindler, aber auch Nico Steinbach - noch ein Geheimnis war. SPD-Mann Gerd Zillien hingegen betont, dass er für ein Amt als erster Beigeordneter nicht infrage komme, weil für ihn sein Amt als Ortsbürgermeister Priorität habe. Ob er sich vorstellen könnte, zweiter Beigeordneter zu werden, lässt Zillien offen. Ebenso wie die Frage, ob die SPD sich nun unter Umständen doch vorstellen könnte, Rainer Wirtz auf Position eins zu unterstützen.
Genau in diese Richtung laufen nach TV-Informationen die Gespräche hinter den Kulissen. "Es gibt sachliche Gründe, die aus unserer Sicht gegen Wirtz als ersten Beigeordneten sprechen, es gibt aber auch Gründe dafür", sagt Nico Steinbach (SPD). Das hört sich auf jeden Fall anders an, als die grundsätzliche Ablehnung von Wirtz auf der Position des ersten Beigeordneten, die eine Woche zuvor Bernd Spindler (SPD) vor allem damit erklärte, dass der ehemalige Kyllburger Bürgermeister die Fusion der beiden Kommunen nicht von Beginn an uneingeschränkt positiv unterstützt hat (der TV berichtete). Steinbach erklärt, dass er noch nicht sagen könne, "wie das Ganze ausgeht". Aber, dass es inzwischen auch in der SPD Überlegungen gibt, eventuell Wirtz zu unterstützen, bestätigt er.
"Das wird sich kurz vor der Sitzung entscheiden", sagt Ralf Mayeres (Grüne). Wohingegen Klaus Schnarrbach (FWG) auf die Frage, ob er persönlich Wirtz unterstützen wird, ganz klar mit "Ja" antwortet. Verhalten optimistisch ist auch die CDU, die vergangene Woche zunächst mal unter Schock stand: "Wir haben die Hoffnung, dass es eine nicht-konfrontative Lösung gibt", sagt Thomas Etteldorf. Doch auch er hält sich bedeckt: "Vor Ablauf der heutigen Sitzung ist nichts Genaues zu sagen."
Der Rat der neuen Verbandsgemeinde Bitburger Land tagt heute, 15 Uhr, öffentlich im Bürgerhaus in Biersdorf am See.
Meinung

 Zwei, die als Bürgermeisterkollegen in Bitburg-Land und Kyllburg gut miteinander konnten: Josef Junk und Rainer Wirtz (rechts). TV-Foto: Archiv/sn
Zwei, die als Bürgermeisterkollegen in Bitburg-Land und Kyllburg gut miteinander konnten: Josef Junk und Rainer Wirtz (rechts). TV-Foto: Archiv/sn

Kühlen Kopf bewahren
Dass Fraktionen Allianzen schmieden, ist üblich. Erst recht, wenn es um die Besetzung von Prestigeposten wie die der Beigeordneten geht. Jeder sieht lieber seine eigenen Leute vorn. Zum Eklat führte die Sache im Bitburger Land vor allem deshalb, weil Bürgermeister Josef Junk und sein ehemaliger Amtskollege Rainer Wirtz im Wahlkampf eine Absprache getroffen hatten, an die Junk sich halten will und auf die Wirtz baut. Dass ausgerechnet die SPD ihren Bürgermeister mit dem Ansinnen, den Posten mit eigenen Leuten zu besetzen, so in die Bredouille bringt, ist mehr als unglücklich. Die beiden einstigen Amtskollegen verstehen und vertrauen sich. Auf diese Basis sollte die neue Verbandsgemeinde bauen. Und das entspricht wohl auch am ehesten dem Willen des Wählers. Schließlich gab es ja mit mehr als 40 Prozent der Stimmen auch viel Zuspruch für den Bürgermeisterkandidaten Wirtz. Die SPD kann nur noch Gesicht wahren, in dem sie einlenkt. Falls das gelingt, sollte sich die CDU vor Häme hüten. d.schommer@volksfreund.de