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Beruf: Bewerbung ohne Umwege

Beruf : Bewerbung ohne Umwege

Arbeitssuchende werben für sich, um einen Job zu finden. Firmen werben für sich, um Fachkräfte für ihren Betrieb zu finden. Bei der Jobbörse der Arbeitsagentur sind beide Seiten  zusammengekommen.

An fast allen Tischen im Haus der Jugend haben sich Interessenten eingefunden. Marco Petry von der Firma PSA Technology hat schon einige Gespräche geführt. „Wir haben mehrere offene Stellen“, sagt er über seine Motivation, an der ersten Jobmesse in Bitburg für den Bereich Industrie und Produktion teilzunehmen.

Wie bei vielen Betrieben fehlen auch bei PSA die Fachkräfte. Dabei bilde die Firma auch aus und biete den Mitarbeitern eine langfristige Perspektive. Der Vorteil einer solchen Veranstaltung sehen Petry und seine Kollegin Jana Schanzen im direkten Kontakt mit den Bewerbern. Oft würden Jobsuchende beim normalen Verfahren  unvollständige Unterlagen schicken, viele Nachfragen seien notwendig.

Zum  Beispiel müsse häufig ein Zeugnis nachgefordert werden, was unnötig Zeit und Arbeit koste. Dabei sei eine schlechte Note nicht immer ein Ausschlusskriterium. Oft könnten Menschen durch eine gezielte Förderung in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur qualifiziert werden. Die Bewerber bei der Jobbörse seien oft besser vorbereitet und motiviert, lobt Petry.

Veranstaltet wird das Zusammentreffen von Firmen und Jobsuchenden von der Arbeitsagentur (Arge) Trier, die auch einen Sitz in Bitburg hat. In Bitburg ist es die erste Jobmesse dieser Art. Insgesamt findet eine solche Veranstaltung zum fünften Mal statt.

Wie Isabell Juchem von der Arbeitsagentur erklärt, versuche man das Thema immer dem jeweiligen Standort anzupassen. Obwohl im Eifelkreis die Arbeitslosigkeit mit 2,4 Prozent relativ gering sei, gebe es immer noch Menschen, die sich schwer tun mit der Arbeitssuche. Diese hätten bessere Chancen im direkten Gespräch mit potenziellen Arbeitgebern.

„Wir hatten einige gute Gespräche“, bestätigt Markus Haag von der Firma Luxpanel. Technisches Verständnis und eine Ausbildung sollten die Bewerber haben. Haag sieht ein Problem beim Fachkräftemangel, dass viele Menschen „mit Grips“ lieber studieren, statt in der Produktion zu arbeiten. Melanie Hartenfels begleitet ihren Mann, der eine Einladung der Arge zu der Veranstaltung hat, in das Haus der Jugend. Sie hat einen positiven Eindruck. Ihr Mann habe sich gezielt bei Unternehmen in der Nähe ihres Wohnortes Speicher informiert. „Die sind alle sehr freundlich“, sagt sie und hofft, dass es mit der Jobsuche auch klappt.

Nicht jeder mag hier seinen Namen nennen. Eine Frau, die derzeit noch in einer Teilzeitanstellung ist, möchte sich mal reihum informieren, welche Chancen es gibt, bei einer anderen Firma eine Vollzeitstelle zu bekommen. Sie hat keine Eile mit dem Jobwechsel, freut sich aber über die Möglichkeit mehrere Arbeitgeber in kurzer Zeit kennenzulernen. Unter den Bewerbern sind auch Menschen, die noch nicht lange in Deutschland leben. Waldadaril Weldit aus Eritrea sucht einen Job. Er ist seit drei Jahren in der Region und  hat Integrationskurse besucht. Obwohl er deutsch spricht, sieht er immer noch sprachliche Hürden auf dem Weg zu einem Job.

Mit ihm zusammen ist Faheem Nadir aus Somalia gekommen. Er ist seit einem Jahr in Deutschland und würde gerne eine Ausbildung beginnen. Automechatroniker steht dabei ganz oben auf seiner Wunschliste.

Schon deutlich länger in Deutschland ist Hana Lorin. Er hat in Kairo Elektrotechnik studiert. Als er aber vor gut 20 Jahren nach Deutschland kam, sei sein Studium nicht anerkannt worden. All die Jahre habe er sich mit anderen Jobs durchschlagen müssen. Jetzt sei der Studienabschluss anerkannt, doch fehle die Berufserfahrung. Trotzdem wolle er die Hoffnung nicht aufgeben und habe sich deshalb bei der Jobmesse umgehört.

 Stephan Teusch, Ute Trappen und Anja Diederichs von der Firma Fabrys Food & Snack im Gespräch mit einer Bewerberin.
Stephan Teusch, Ute Trappen und Anja Diederichs von der Firma Fabrys Food & Snack im Gespräch mit einer Bewerberin. Foto: TV/Nora John

Dr. Nina Knippen und Olga Hein von der Arbeitsagentur ziehen nach fünf Stunden ein positives Fazit. Von den 14 angemeldeten Firmen, hätten zwar fünf relativ kurzfristig abgesagt, aber von den Betrieben, die teilgenommen haben, seien durchweg positive Rückmeldungen gekommen. Rund 130 Arbeitssuchende hätten das Angebot genutzt.