Biene oder Binse?

So viel steht fest: Die Endsilbe "scheid" markiert eine Grenze, zumeist auf einer Höhe. Aber woher kommt die Vorsilbe "bin-"? Heimathistoriker Robert Richter legt sich nicht fest: "Der Ortsname kann sowohl von 'Binsenwald' als auch von 'Bienenwald' kommen." Doch eines steht fest: Binscheid ist eine kleine Islek-Perle.

Binscheid. (js) Gebäudefundamente und römische Funde bei Oberüttfeld und Lautzerath belegen eine frühe Besiedlung des Raumes durch Kelten und Römer. Am Ostrand der Gemarkung befand sich ein frühgeschichtlicher Höhenweg (Lichtenborn, Niederüttfeld, Heckhuscheid - etwa heutige Landesstraße 9). Wann Binscheid entstanden ist, steht nicht genau fest. "Wahrscheinlich ist der Ort eine ziemlich frühe Siedlung in den mittelalterlichen Rodungsphasen", erklärt Robert Richter. Der Ort war wohl zunächst eine eigene Meierei und umfasste die Dörfer Binscheid, Eschfeld, Halenbach, Hickeshausen, Niederüttfeld sowie einige Vogteihäuser weiterer umliegender Orte.Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Einzelgehöfte im Raum Binscheid. Am 21. Februar 1945 wurde Binscheid von Amerikanern eingenommen. 1971 kam das Dorf zu der neugegründeten Verbandsgemeinde Arzfeld und zum Kreis Bitburg-Prüm. Im gleichen Jahr wurde die Gemeinde aufgelöst und Teil der neu gebildeten Gemeinde Üttfeld mit Huf, Nieder- und Oberüttfeld.

Der 150-Einwohner-Ort kann vor allem auf seine Kirche stolz sein. Sie ragt aus dem Dorfbild hervor und lädt Besucher zum stillen Verweilen ein. Ein besonderes Kleinod ist der Steinaltar. "In einer Nische befindet sich der heilige Nikolaus, Pfarrpatron der ehemaligen Pfarrei, in einer anderen die Leidensdarstellung Christi", sagt Robert Richter.

Ein zweites unübersehbares "Dokument" befindet sich neben der kleinen Kirche am Kirchhof: ein uralter Taufstein. "In einen Fußsockel mit ovalem Kopfstück ist ein Taufbecken eingelassen, ein gleiches Modell befindet sich in Eschfeld", erklärt Richter. Er selbst bringt diese seltenen Taufsteine in Verbindung mit der Missionierung des heiligen Willibrord um das Jahr 700.

Vor 110 Jahren wurde in Binscheid eine "Bruderschaft der Immerwährenden Hilfe" gegründet. Auf diese Gründung geht die Erbauung des Marienkapellchens zurück, das ein Madonnenbild beherbergt. Am dritten Maisonntag finden Prozessionen zu dieser Kultstätte statt. Vor genau 200 Jahren wurde Binscheid zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben. Bis heute hat das Gotteshaus eine zentrale Bedeutung für die Region - nicht zuletzt die schöne Ausstattung und die weihnachtliche Kirchenkrippe üben eine große Ausstrahlung aus.

Für Naturfreunde ist Binscheid und seine reizvolle Umgebung ideal zum Wandern, Reiten oder zum Verweilen. Das Mannerbachtal bietet Naturfreunden optimale Erholungsmöglichkeiten.

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