Bildhauersymposium an der Grenze von Deutschland, Belgien und Luxemburg

Kunst in drei Ländern : Geschickte Hände im Eifel-Gelände

Die Jury hat gesprochen, die Teilnehmer stehen fest: Vier Wochen lang werden neun Bildhauer im Sommer rund ums Dreiländereck bei Welchenhausen und Ouren ihre Skulpturen herstellen – mit kunstfreundlicher Unterstützung vor allem aus Bitburg.

„Ich glaube, dass das eine hervorragende Veranstaltung wird. Auf die freue ich mich sehr“, sagt Andreas Kruppert, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld. Denn der Schauplatz des Geschehens im Ourtal liegt in seiner Kommune – und jenseits der Grenze zu Belgien und Luxemburg.

Es geht um das Bildhauer-Symposium rund ums Grenzdörfchen Welchenhausen: jener Mini-Ort, in dem der äußerst engagierte Museumsverein der Wartehalle – kleinster Ausstellungsort weit und breit, weil im Zivilberuf Haltestellen-Häuschen, wir berichteten – immer wieder mit besonderen Aktionen aufhorchen lässt.

Wie im vorigen Jahr mit dem Aufstellen des „Stamm-Tischs“ von Esther Wiswe. Schon das war, nicht zuletzt wegen der Qualität des Kunstwerks (und seines Nutzens als Sitz- und Klettermöbel) ein Fest. Schon damals machte das Vorhaben eines großen Symposiums die Runde.

Und jetzt kommt es dazu: Vier Wochen lang werden die Bildhauer an Ort und Stelle meißeln, schmieden, biegen, formen. „Das startet im Juli und geht bis August“, sagt Christof Thees, der Vorsitzende des Museumsvereins. Vier Künstler arbeiten dann „auf dem Platz in Welchenhausen vor der Grenzbrücke, fünf auf der anderen Seite“. Platziert werden die Ergebnisse dann entlang eines Wanderwegs zwischen dem belgischen Stoubach, dem deutschen Schwesterdorf Stupbach, Welchenhausen und Ouren. Die letzte Skulptur werde dort in der Nähe des Europadenkmals aufgestellt, sagt Thees. Auch das Material werde aus der Region kommen: „Die meisten Skulpturen sind aus Kylltal-Sandstein und Eifeler Basalt.“

Und warum dort, warum beim Museumsverein angesiedelt? Da muss man Landrat Joachim Streit fragen: Als er Christof Thees kennengelernt habe, erzählt er, „da wusste ich sofort: Das ist er jetzt.“ Nämlich, mitsamt dem Verein, der richtige Adressat für die Unterstützung eines Symposiums. Streit: „Ich habe zu ihm gesagt: Ich liebe Kunst, ich besorg euch Geld.“

Und zwar bei der Dr. Hanns-Simon-Stiftung in Bitburg. Deren Vorsitzender, Michael Dietzsch, habe irgendwann mitgeteilt, dass da eine sechsstellige Summe zur Verfügung stehe – „wenn ihr Projekte im Kunstbereich habt, könnt ihr das Geld nehmen“, erzählt Streit. Der Kreistag habe zugestimmt, dann brachte der Landrat Christof Thees mit dem Lünebacher Bildhauer Christoph Mancke zusammen, der den Job des künstlerischen Leiters übernahm und auch ein eigenes Werk beisteuern wird. Und so sei ein echtes „Dream Team“ entstanden, sagt Joachim Streit. Mit etwa 150 000 Stiftungs-Euro zur Finanzierung des Ganzen. Was ja auch traumhaft ist, irgendwie.

Zweimal traf sich die Jury, der neben Mancke und der Bildhauerin Ulla Windhäuser-Schwarz auch Streit, Thees und Kruppert angehörten. Mehr als 30 Künstler hatten sich um die treilnahme beworben, am Ende wählte man acht aus. „Dabei haben wir darauf geachtet“, sagt Christof Thees, „dass alle drei Länder vertreten sind“. Und dass man auch einen ordentlichen Frauenanteil habe – so sind immerhin drei Bildhauerinnen dabei.

Wie die in Italien lebende Berlinerin Susanne Paucker: Drei Sandsteinblöcke setzt sie zu einem Kopf zusammen, dem „Dreiländereck-David“. Sandrine Brasseur aus Lüttich arbeitet aus einem Sandsteinblock das Negativ eines Baums heraus, in das wiederum ein Setzling gepflanzt wird. Das Faltenwurf-Relief auf einem Sandsteinblock der Luxemburgerin Alison Darby kann auch als Ruhemöglichkeit genutzt werden.

Und die schöpfenden Herren? Werner Bitzigeio aus Winterspelt baut eine begehbare Skulptur aus Stahlmatten. Der Belgier Patrick Crombé liefert eine geschwungene Plastik, auch sie als Sitzgelegenheit nutzbar. Der Ring aus schwarzem Basalt des Bayern Herbert Lankl lenkt den Blick auf Sehenswürdigkeiten entlang des Wegs.

Christoph Mancke schneidet aus Sandsteinblöcken die stilisierte Silhouette eines schreitenden Menschen. Die Figur wiederholt sich dann in einer weiteren Skuptur aus Stahl – als Brückenschlag über die Grenze auf der anderen Seite der Our. Als Zeichen in der Landschaft steht der fünf Meter hohe „Wegweiser“ des Luxemburgers Bertrand Ney. Und der Pfälzer Martin Schöneich entwarf eine Skulptur aus Sandsteinen, die einander umschlingen.

In der Vorbereitung soll vor allem auf belgischer Seite noch der Wanderweg hergerichtet werden, an dem einige der Werke später aufgestellt werden. Auch aus Luxemburg erhoffen sich die Organisatoren noch ein wenig Hilfe. Und am Freitag, 12. Juli, wird an der Grenzbrücke in Welchenhausen der Start gefeiert: „Das wir ein ziemlich großes Spektakel werden“, sagt Christof Thees. Und dazu gehöre, wie immer beim Museumsverein, „ein Riesenhaufen Stubbis“.

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