Bildung als Ausweg aus dem Elend

Bildung als Ausweg aus dem Elend

Während einer vierwöchigen Exkursion durch Kenia und Tansania haben rund 25 Studenten der Universität Trier gemeinsam mit ihren Dozenten Johannes Michael Nebe und Reinhard Hoffmann unter anderem eine Slum-Schule in Nairobi besucht. Mit dabei war TV-Mitarbeiter Matthias Knechtges.

Trier/Nairobi. Es ist schwül, der Boden staubt bei jedem Schritt, und auf der Straße herrscht reges Treiben. Rund 25 Studenten der Universität Trier - auch aus der Eifel - sind mit ihren Dozenten Johannes Michael Nebe und Reinhard Hoffmann in Mathare - mit rund 300 000 Einwohnern einer der größten Slums in Nairobi. Ziel der Tour sind die "Future-Kids", eine Schule mitten im Elendsviertel.

Von außen ist die Schule als solche nicht zu erkennen: Die Studenten stehen vor einem windschiefen Blechverschlag, nur einige bunte Cartoonfiguren auf einer der Außenwände lassen erkennen, was sich hinter den Blechen verbirgt.

Aus den Fenstern der umliegenden Hütten folgen ihnen scheue, neugierige Blicke. Es passiert selten, dass sich Weiße in den Slum verirren, wie die Leiterin der "Future-Kids" erzählt. Bereits seit mehreren Jahren wird die nicht staatliche Schule finanziell von der Universität Trier unterstützt. Bei einem Rundgang durch die Klassen wird schnell deutlich, dass sich diese Schule in keiner Weise mit einer deutschen Bildungsanstalt vergleichen lässt: Nur wenige Sonnenstrahlen dringen durch die Ritzen der Wände - elektrisches Licht und Strom gibt es hier nicht. Die etwa 300 Schüler sind in insgesamt vier verschiedene Klassenstufen eingeteilt.

In den engen Klassenräumen, die lediglich aus undichten Blechwänden bestehen, sitzen die Kinder auf kleinen Holz- und Plastikmöbeln oder auf dem Boden. An den Wänden hängen selbst gemalte Plakate, auf denen unter anderem die verschiedenen Tiere und Früchte Afrikas abgebildet sind. Eine kleine Tafel ist das einzige Unterrichtsmedium, das den Lehrern zur Verfügung steht.

Die Besucher kommen mit den Schülern ins Gespräch und sind erstaunt über ihr Interesse und ihre Fragen: Ein 13-jähriger Junge möchte wissen, welche Autoren man in Deutschland liest, ein anderer möchte nähere Informationen zum Eisernen Vorhang und dem Zweiten Weltkrieg. Auf die Frage, welche Hobbys die Kinder haben, fallen einstimmig die Begriffe "lernen" und "lesen". Die Schüler sind sich schon in jungen Jahren bewusst, dass Bildung der einzige Weg ist, um den Slum vielleicht irgendwann verlassen zu können. Extra Die "Future-Kids" sind eine nicht-staatliche Schule in Mathare, einem der größten Slums am Rande Nairobis. Da die Schule keine finanzielle Unterstützung vom Staat erhält, ist sie auf Spenden und Schulgeld angewiesen. Rund 300 Kinder im Alter von vier bis 17 Jahren besuchen die Schule. Der Besuch dieser Bildungsanstalt kostet jeden einzelnen Schüler umgerechnet 15 Euro im Monat - für die meisten Familien enorm viel Geld. Die 15 Lehrer der Schule verdienen umgerechnet 45 Euro im Monat.