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Kommunalpolitik: Billen-Nachfolger: Er wird der neue CDU-Mann in Mainz

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Michael Ludwig, der für den CDU-Landtagsabgeordneten Michael Billen nach Mainz geht, legt sein Mandat im Bitburger Stadtrat nieder. Dort war er auch Fraktionsvorsitzender. Wer ihm nachfolgt, ist noch offen.

Alles zusammen geht nicht. Auch nicht, wenn einer gewohnt ist, mehrere Baustellen am Laufen zu  haben. Michael Ludwig, der als B-Kandidat für seinen Parteifreund Michael Billen in den Mainzer Landtag zieht, muss an anderer Stelle kürzertreten. Er wird sein Mandat im Bitburger Stadtrat niederlegen.

Der Bitburger Unternehmer ist Mitglied des Kreistags Bitburg-Prüm und stellvertretender Vorsitzender der CDU im Eifelkreis und 2013 in den Stadtrat nachgerückt, nachdem der langjährige Fraktionsvorsitzende Peter Wagner im Zuge des Streits um den Ausbau des Bitburger Flugplatzes und den Verkauf der städtischen Anteile an der Flugplatz GmbH sein Mandat niedergelegt hat.

Ludwig ist von Listenplatz 27 auf Platz neun gewählt worden. Den Fraktionsvorsitz hat er auch gleich übernommen.Bei der Kommunalwahl im Mai hat er mit 2667 Personenstimmen den meisten Zuspruch aller Stadtratskandidaten bekommen. Nun muss wieder ein anderer ran (siehe Info). „Mir hat die Arbeit sehr viel Freude gemacht. Stadtpolitik ist konkret. Man sieht noch, was man beschließt. Aber es ist auch das zeitaufwändigste Mandat für mich gewesen“, sagt Ludwig. Mitte Mai geht es für ihn nach Mainz.

Erwartet hat er das nicht. „Als B-Kandidat weiß man ja grundsätzlich, was auf einen zukommen kann“, sagt Ludwig. Doch zum jetzigen Zeitpunkt habe es ihn dann doch sehr überrascht, als sein langjähriger Weggefährte ihm Ende Dezember anvertraute, dass er sein Landtagsmandat niederlegen wird.

„Den Zeitpunkt hat er gut gewählt“, findet Ludwig. Nicht nur, weil er selbst somit ein Jahr Zeit hat, den Mainzer Betrieb bis zur nächsten Wahl kennenzulernen und sich in die Themen einzuarbeiten. Sondern vor allem, weil Billen seinen Rückzug aus Mainz vor vollem Haus beim Neujahrsempfang des Kreisverbands verkündet hat (der TV berichtete). „Dass die Parteichefin bei uns zu Gast war, war das Tüpfelchen auf dem i. Das entspricht dem, was Michael Billen für die Region geleistet hat, und war ein würdiger Rahmen“, sagt Ludwig.

Die beiden kennen sich, seit Ludwig mit 16 in die Junge Union eintrat. Billen war schon dabei und die jungen Christdemokraten trafen sich jeden Freitagabend im Hotel Plein in Bitburg. Diskutierten über Bundes-, Landes- und Stadtpolitik – nicht selten mit Ratsmitgliedern und älteren Parteifreunden, die im gleichen Gasthaus aufschlugen. „Eine tolle Zeit“, sagt Ludwig, den mit seinem Parteifreund mehr als die gemeinsamen Jahre in der Jungen Union verbindet.

Ludwig ist einer jener Parteifreunde, die fest zu Billen standen, als der ordentlich im Gegenwind stand. Etwa während der sogenannten Polizeidatenaffäre, aber auch, als Billen mit einer ernsten Erkrankung kämpfte. Kein Schönwetterfreund. „Der ist sachorientiert, menschlich und emotional, wenn auch nicht so emotional wie ich“, sagt Billen über Ludwig. Und außerdem findet er: „Wir brauchen im Landtag auch Menschen, die als Arbeitgeber Verantwortung übernehmen, die wissen, was es bedeutet, anderen Arbeit zu geben.“

Sein Kreistagsmandat will Ludwig trotz des Wechsels nach Mainz beibehalten. „Der Kreistag ist gesetzt“, sagt Ludwig. „Kreis- und Landespolitik hängen eng zusammen. An der einen Stelle wird entschieden, was an der anderen Stelle möglich ist.“ Und außerdem hat er auf Kreisebene noch weitere Ambitionen: Er plant, im April um den Kreisvorsitz zu kandidieren.

Billen hatte bereits im Frühjahr 2019 angekündigt, dass dies sein letztes Jahr als Kreis-Chef ist (der TV berichtete). Kandidaten für seine Nachfolge hat er damals aber noch nicht preisgegeben. „Ich muss auch erst mal gewählt werden“, sagt Ludwig. Dass er nicht den Rückhalt des Kreisverbands haben wird, ist unwahrscheinlich.

Was Ludwig beschäftigt, ist die finanzielle Ausstattung der Kommunen. „Das kann auf Dauer nicht gut gehen, wenn Bund und Land beschließen und die klammen Kommunen zahlen müssen. Die Kommunen brauchen Geld, um handlungsfähig zu sein.“ Entschuldungsprogramme hält er nicht für den richtigen Weg: „Da werden Symptome behandelt, nicht die Ursache.“

Ein weiteres Thema: der Förderwust, wie er es nennt. „Bis eine Kommune mal an Fördermittel kommt, muss sie ein umständliches und langwieriges Verfahren absolvieren. Das muss auch einfacher gehen.“ Ludwigs Anliegen: „Der Lebensstandard von Land und Stadt sollte gleich sein. Wir dürfen die ländlichen Regionen nicht ausbluten lassen.“ Das gelte für medizinische Versorgung ebenso wie für Freizeiteinrichtungen.

Er freue sich auf die Aufgabe, habe aber auch Respekt. „Michael Billen kannte jeder. Hier in der Eifel sowieso. Aber auch in Mainz hat er jede Menge Kontakte.“ Er sei zwar auch niemand, der lange drum herumrede, aber ansonsten schon ein anderer Typ als Billen: „Der kommt irgendwohin, da geht die Tür auf und dann füllt er den Raum. Da bin ich anders.“