Billig ist nicht billig genug

Billig ist nicht billig genug

IDESHEIM. Mit voraussichtlich 30 Euro Eigenleistung pro Hektar sind die anfallenden Kosten der bevorstehenden Flurbereinigung für Landwirte und Landbesitzer in Idesheim um zwei Drittel niedriger als im Nachbarort Idenheim und noch um ein Vielfaches geringer als in anderen Gemeinden der VG Bitburg-Land. Für einige im Ort ist das allerdings noch nicht günstig genug.

"Man sollte eine gute Finanzierung nicht auf die Spitze treiben", sagt Hartmut Schmidt, und sein Kollege Edgar Henkes, der in den fast zwei Stunden zuvor noch sachlich und wohlwollend informiert hatte, scheint kurz davor, eine andere Spitze zu erreichen - und zwar die Spitze, oder vielmehr das Ende seiner Geduld. "Leute, überspannt den Bogen nicht", sagt Henkes, der wie Schmidt Mitarbeiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Eifel ist und an diesem Donnerstagabend im Idesheimer Gasthaus Dockendorf über das bevorstehende Flurbereinigungsverfahren informiert. Im Zuge des geplanten Ausbaus der an die Gemarkung Idesheim angrenzenden B 51 will der DLR die land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen und Wege des Ortes gemeinsam mit denen des Nachbardorfs Idenheim neu ordnen (der TV berichtete). Rund 600 Hektar wären in Idesheim von dieser Flurbereinigung betroffen, die aus Sicht des Dienstleistungszentrums dringend notwendig ist. "Hier muss ein neues Kataster geschaffen werden", sagt Edgar Henkes. Zum einen, weil das mittlerweile fast 150 Jahre alte Urkataster ungenau und unvollständig sei, und zum anderen, weil die Arbeits- und Produktionsbedingungen für Landwirte durch zusammengelegte und damit größere Parzellen deutlich optimiert werden könnten. Mehr als 50 Träger öffentlicher Belange, darunter neben Kreisverwaltung, VG Bitburg-Land und SGD Nord auch zahlreiche davon direkt und indirekt betroffene Ortsgemeinden, haben ihre Stellungnahme abgegeben und dem Vorhaben zugestimmt. Alle - bis auf Idesheim, dessen Gemeinderat sich im Frühjahr mit knapper Mehrheit gegen das Flurbereinigungsverfahren aussprach. "Und diese Entscheidung bis heute noch nicht begründet hat", wie Hartmut Schmidt hinzufügt. Grund für diese Entscheidung war die Sorge einiger Landwirte, die von dieser Neuordnung Nachteile, oder zumindest nicht nur Vorteile erwarteten. Und das, obwohl die Idesheimer von den derzeit veranschlagten 591 000 Euro durch Landeszuschüsse nur 15 000 Euro an Eigenleistung zahlen müssten, also nur 2,5 Prozent der Gesamtsumme. Verteilt auf die landwirtschaftliche Fläche wären das ungefähr 30 Euro pro Hektar, die von den Grundstücksbesitzern bezahlt werden müssten, innerhalb der Ortsfläche zehn Cent pro Quadratmeter. Die Nachbarn in Idenheim, die dem Vorhaben zugestimmt haben, zahlen das Dreifache, und in anderen Orten des Kreises seien in den vergangenen Jahren sogar bis zu 200 Euro pro Hektar fällig gewesen, heißt es seitens des DLR. Günstiger geht nicht, betonen Henkes und Schmidt deshalb immer wieder, doch einigen der knapp 80 anwesenden Bürger ist das noch nicht billig genug. Zwar sind sie nicht gegen die Neuordnung, die ihnen langfristig von Vorteil sein könnte, aber dass sie dafür überhaupt etwas bezahlen sollen, scheinen einige Landwirte nicht einzusehen und schlagen Finanzierungsmodelle vor, über die sich die Herren des DLR wundern, mitunter auch ärgern. Mit Sätzen wie "Sie sind hier nicht allein auf der Welt!", "Wir sind doch eine Solidargemeinschaft" oder "Glauben Sie, wir machen das hier zum ersten Mal?" reagiert Schmidt auf zahlreiche Versuche einiger Landwirte und des ehemaligen Ortsvorstehers, die Kosten weiter zu senken - auch wenn das für die benachbarten Idenheimer bedeuten würde, dass sie dann noch mehr bezahlen müssten. Dennoch gibt es während der aufgeheizten Diskussion auf jede Frage eine - in der Regel sachliche - Antwort. Und zwischendrin von Hartmut Schmidt auch eine Gegenfrage an die versammelte Dorfgemeinschaft: "Was halten sie denn von einem Gemeinderat, der sich so etwas durch die Lappen gehen lässt?"

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