Bioenergie: Bettingen baut um

Bioenergie: Bettingen baut um

Ein Ort will es wissen: Ziel der Gemeinde Bettingen ist es, Jugendheim, Schule, Kindergarten samt der geplanten Seniorenresidenz sowie einige private Haushalte mit Bioenergie zu beheizen. Um auszuloten, ob das besser mit Biogasanlagen oder einer Holzhackschnitzelanlage geht, haben die Verantwortlichen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Sie liegt jetzt vor.

Bettingen. Wie auch immer die zukünftige Energieversorgung aussehen wird, eines muss dabei gewährleistet sein: die Zuverlässigkeit. Vor allem dann, wenn es richtig kalt ist. "Wir können uns deshalb also nicht nur auf Biogas verlassen", sagt Bettingens Ortsbürgermeister Jürgen Holbach. Schließlich sieht das Energiekonzept, an dem derzeit gearbeitet wird, nicht nur eine Versorgung des Jugendheims vor, sondern auch der Schule, des Kindergartens, weiterer gemeindeeigener Gebäude sowie einem guten Dutzend privater Haushalte und Betriebe.
Auch die Energieversorgung der geplanten Seniorenresidenz, mit deren Bau Anfang 2013 begonnen werden soll, ist integriert. 1,6 Millionen Kilowattstunden werden damit pro Jahr benötigt.
Sowohl die Betreiber der beiden Biogasanlagen in Bettingen-Altenhof und dem Nachbarort Stockem als auch die Gemeinde Bettingen selbst haben ein grundsätzliches Interesse daran, das Biogas für die innerörtliche Energieversorgung zu nutzen.
Voraussetzung ist allerdings, dass es sich rechnet. Das Problem ist nämlich, dass beide Biogasanlagen zwei beziehungsweise drei Kilometer von der Ortsmitte entfernt liegen. Die Möglichkeit, die Abwärme der Biogasanlage zu nutzen, um damit Heizwasser für den Ort zu produzieren, ist daher wenig attraktiv. Denn durch das lange Leitungsnetz ginge viel Wärme verloren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Machbarkeitsstudie, die ein Luxemburger Planungsbüro gemeinsam mit dem Bettinge Architekten Helmut Fink erstellt hat.
Mehr als eine Million Euro


Demnach läge der Wärmeverlust von der Biogasanlage bis zum Hausanschluss in beiden Fällen bei mehr als 30 Prozent, was auch einige staatliche Hilfen ausschließt. Eine Alternative wäre, von einer der beiden Biogasanlagen eine Gasleitung nach Bettingen zu verlegen. Vor Ort könnte dieses Gas dann ein Blockheizkraftwerk betreiben. Über ein Nahwärmenetz können die angeschlossenen Gebäude mit Heizwasser versorgt werden. Allerdings wäre - unabhängig davon, ob eine Biogas- oder eine Fernwärmeleitung verlegt wird - in Bettingen ein zusätzlicher Heizkessel nötig, da der Energiebedarf in den Wintermonaten mit einer Biogasanlage nicht gedeckt werden kann. Zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Euro würden die Varianten kosten. Günstiger wäre die Alternative, bei der auf Biogas verzichtet wird. Diese sieht die Errichtung eines Holzhackschnitzelkessels in der Ortsmitte vor.
Weil Bettingen über ausreichend Gemeindewald verfüge, wäre das durchaus interessant, erklärt Holbach. Doch auch in diesem Fall wäre eine zusätzliche (Gas-)Heizung erforderlich, um die Spitzenlasten abzudecken. Laut Gutachten ist die Holzhackschnitzel-Variante mit rund 870 000 Euro die günstigste. "Wir bräuchten dann aber auch jemanden, der die Hackschnitzelheizung betreibt", sagt Architekt Fink. Bis Ende März will die Gemeinde eine Lösung gefunden haben. Notwendig ist eine zeitnahe Entscheidung vor allem deshalb, weil derzeit das Jugendheim umgebaut wird. Dort, wo auch die 600-Kilowatt-Holzhackschnitzelheizung ihren Platz bekommen soll - wenn sich die Gemeinde für diese Variante entscheidet.Extra

Biogasanlagen, die neben der Stromerzeugung im Blockheizkraftwerk auch Wärme für die eigene Nutzung oder die Einspeisung in das öffentliche Fernwärmenetz erzeugen, werden mit dem KWK-Bonus (Kraft-Wärme-Kopplung) bezuschusst. Seit 2009 werden diese Anlagen mit drei Cent pro Kilowattstunde begünstigt, davor waren es zwei Cent. Voraussetzung für den Bonus ist allerdings, dass durch den Transport der Wärme (zum Beispiel über ein Fernwärmenetz) nicht mehr als 25 Prozent der Energie verloren gehen. Im Fall der beiden Biogasanlagen, die für Bettingen in frage kommen, läge der Wärmeverlust sowohl bei der Biogasanlage in Stockem als auch bei der am Altenhof laut Machbarkeitsstudie bei mehr als 30 Prozent, weshalb kein Anspruch auf den KWK-Bonus bestünde. uhe