"Biogas-Bauern geben nicht auf"

WINTERSPELT. Großes Interesse: Rund 90 Teilnehmer aus Deutschland, Belgien, Frankreich und Luxemburg haben sich am Donnerstag und am Freitag über die Möglichkeiten der Biogas-Verwertung informiert.

Jahrzehnte alt ist die Technik, mit der Energie aus Biogas gewonnen werden kann. Aber offenbar fehlt es noch immer an fundierten, umfassenden Informationen über die Verwertung von Gülle, Klärschlamm und Pflanzenabfall.Das verrät bereits ein Blick auf die Teilnehmerliste bei der Tagung "Biogas ohne Grenzen" am Donnerstag und Freitag in Winterspelt: Aus der gesamten Bundesrepublik, aus Belgien, Frankreich und Luxemburg sind die rund 90 Zuhörer in die Eifel gereist, darunter Bauern, Agrar-Experten, Ingenieure, Hochschulwissenschaftler und Behördenvertreter.Großes Interesse, viele Hindernisse

"Das ist so bei Biogas", sagt Achim Kaiser. "Es ist schwierig, an Informationen zu kommen." Kaiser ist Ingenieur für Umweltsicherung und arbeitet in Kirchberg/Jagst beim "Internationalen Biogas- und Bioenergie-Kompetenzzentrum (IBBK)". Die Beratungsfirma will für die Biogas-Technik werben und richtet deshalb auch die Winterspelter Veranstaltung aus, zusammen mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Eifel und der Koordinationsstelle "Grünes Land Eifel-Ardennen".Nur acht Prozent beträgt der Anteil aus erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung in Deutschland. Und lediglich 1,2 Prozent davon stammen aus den bundesweit etwa 2000 Biogas-Anlagen, wie IBBK-Vertreter Michael Köttner bei seinem Vortrag in Winterspelt erklärt."Es besteht ein großes Interesse der Landwirtschaft an einer solchen Anlage als neuer Einnahmequelle", sagt Köttner. Eines der Probleme dabei sei allerdings der hohe Genehmigunsaufwand, außerdem fehle es noch an einer entsprechenden Förderung: "Es ist oft frustrierend, hier zu Potte zu kommen." Dennoch: Deutschland habe europaweit die Führungsposition, "und die Nachbarländer schauen mit Neid auf unsere gute Gesetzgebung".Das Potenzial für Biogas sei jedenfalls groß, sagt der Lobbyist. Und durch die fortschreitende Standardisierung der Anlagentechnik werde eine Installation immer billiger."Ein Biogas-Bauer macht etwas sehr Wichtiges", liefert anschließend der Münchener Experte Ekkehard Schneider ein weiteres Argument. "Er holt die Energie nicht mehr von der Opec, sondern von seinen eigenen Flächen."Das könne letztlich sogar zur Energie-Autarkie führen, schwärmt Schneider: "Sie sind nicht mehr der gegängelte Bauer, der wie ein Gaul, von der Peitsche bedroht, den Pflug durch den Acker zieht. Sie sind von Zwängen befreit." Mit Biogas-Anlagen seien darüber hinaus sogar bedrohte Höfe zu retten: "Im Jahr 2000 gab es 480 000 Betriebe, pro Jahr verschwinden 15 000." Nur bei den Biogas-Betrieben gebe es ein Wachstum. Schneider: "Die Biogas-Bauern geben nicht auf. Es sind die anderen." Fazit: "Die Anlagen rechnen sich". Allerdings, schränkt Schneider ein, gehe das "nur mit politischen Druck".Weitere Vorträge folgten, am Freitag unternahmen die Teilnehmer zudem eine Lehrfahrt zu beispielhaften Biogas-Anlagen in der Eifel, in Belgien und in Luxemburg.Mehr zum Thema im Internet: www.biogas-zentrum.de

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