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Biogutcontainer in Eifelkreis-Gemeinden? Bloß nicht hier!

Kostenpflichtiger Inhalt: Biomüll-Problem in der Eifel : Zu wenige Biogutcontainer im Eifelkreis? A.R.T. gibt Gemeinden die Schuld

Überfüllte Container, verdreckte Wertstoffinseln: Biogut-Sammelstellen kommen auch im Eifelkreis an Kapazitätsgrenzen. Der A.R.T. schiebt den schwarzen Peter nun Gemeinden zu, die keine Standorte ausweisen.

Braune Tüten stapeln sich vor dem Container in der Prümer Wenzelbachstraße. Gemüse quillt aus den Beuteln. Im überfüllten Behälter war für die kein Platz mehr. Papiertaschen verstopfen den Einwurfschlitz, türmen sich auf der Plastikbox auf.

Das Foto, das im Netz vielfach geteilt wurde, stammt vom 13. Januar. Es könnte aber genausogut an einem anderen Tag, an einem anderen Ort, geschossen worden sein. Denn nicht nur in Prüm sind Biomüllcontainer seit Anfang des Jahres zunehmend überfüllt, sondern auch in etlichen weiteren Dörfern im Eifelkreis.

So hat sich jüngst etwa auch Hildegard Kern-Mossal aus Ferschweiler beim TV gemeldet. Sie wollte ihre Bioabfälle zur Sammelstelle in Irrel bringen. Doch der Container sei bereits voll gewesen, der Platz verdreckt. „Unmöglich“, nennt die Süd­eifelerin die Zustände, die sie vorgefunden hat.

Ähnliches berichtet Oswald Krumeich (SPD) im Verbandsgemeinderat Speicher von der Wertstoffinsel in der Stadt. Rund um die zwei Container hätten etliche Tüten herumgelegen, Gemüse gammelte vor sich hin. „Im Sommer“, sagt Krumeich: „müssen wir aufpassen, dass keine Ratten kommen.“„All das ist beim Abfallzweckverband bekannt, wie Pressesprecherin Kirsten Kielholtz sagt:„Wir werden derzeit überrannt.“

Jahrelang hätten die Biogutcontainer, gerade im Eifelkreis, ein Schattendasein gefristet. Doch nun, da die Bürger durch das Trennen Geld sparen können (siehe Info), steige die Bereitschaft, das Grünzeug nicht in die grauen Tonnen zu werfen. „Wir freuen uns darüber, dass die Behälter jetzt so gut ankommen“, sagt Kielholtz. Mit dem Ansturm habe man aber nicht rechnen können. Nun arbeite der Verband mit Hochdruck daran, die Anzahl der Container und der Standorte für Sammelstellen aufzustocken. Nur ist dies laut der A.R.T.-Sprecherin nicht so einfach, wie man glauben könnte.

Denn bevor der Zweckverband eine neue Sammelstelle mit Bioboxen bestücken darf, braucht es die Zustimmung der Gemeinden. Und die täten sich noch immer schwer mit dem Thema. „Wir haben alle Ortsbürgermeister angeschrieben“, sagt Kielholtz: „Doch viele wollten die Container nicht.“

Tatsächlich gibt es im Eifelkreis nach wie vor weniger Biogutsammelstellen als in den Nachbarkommunen. Zum Vergleich: Im Landkreis Bernkastel-Wittlich stehen inzwischen 141 Container, in der Vulkaneifel gar mehr als 400. Im Eifelkreis hat sich die Zahl hingegen auch nach Einführung des neuen Abfallsystems kaum vergrößert. Mitte des vergangenen Jahres waren es 109, inzwischen sind gerade einmal 13 hinzugekommen.

Die Anzahl der Standorte und Container ist hierbei von Ort zu Ort verschieden. So gibt es etwa im kleinen Kyllburg allein drei Sammelstellen. Und somit nur eine weniger als in der Kreisstadt Bitburg. In vielen wesentlich größeren Gemeinden, wie etwa Irrel oder Speicher existiert dafür nur jeweils ein Platz für Bioabfall. Was womöglich auch erklärt, warum die Behälter dort an ihre Grenzen kommen.

Auch der Speicherer Stadtbürgermeister Erhard Hirschberg (CDU) sieht ein, dass zwei Container für rund 3500 Einwohner nicht ausreichen. Allerdings gestalte sich die Suche nach neuen Standorten nicht leicht: „Die Bürger wollen solche Punkte ja überall, aber bloß nicht in ihrer Nähe.“ Trotzdem sei er offen dafür, geeignete Plätze zu suchen. Zumindest, wenn klar sei, dass die Stadt dafür nicht die Kosten zu tragen hat.

In anderen großen Orten, wie zum Beispiel in Echternacherbrück, gibt es derweil noch gar keine Sammelstellen. Der Erste Beigeordnete Gerhard Krämer sagt dazu: „Der A.R.T. ist in dieser Sache bislang nicht an uns herangetreten.“ Allgemein steht er dem Thema aber skeptisch gegenüber: „So einen Container will keiner in der Nachbarschaft haben.“ Wenn, müsse ein Standort „außerhalb des Dorfes“ gefunden werden.

Für die A.R.T.-Sprecherin Kielholtz sind die Bedenken völlig haltlos: „Die Container haben nur eine verschließbare Öffnung. Ratten und andere Tiere kommen da nicht ran.“ Gesetzt natürlich den Fall, dass die Bürger nicht ihren Müll einfach neben die überfüllten Behälter stellen – wie es derzeit nun mal geschieht.

Was uns wieder zum beispielhaft verdreckten Platz in der Prümer Wenzelbachstraße zurückbringt. „Die Sammelstelle sieht furchtbar aus“, bescheinigt auch Stadtbürgermeister Johannes Reuschen. Und übernimmt dafür sogar ein Stückweit Verantwortung: „Wir waren zu Anfang sehr skeptisch, was das Thema angeht.“ Mittlerweile sei man aber zu der Überzeugung gekommen, dass es mehr Biogutsammelstellen in der Stadt brauche. „Zwei Container für 5500 Bürger – da besteht Nachholbedarf“, räumt Reuschen ein.

Daher will die Verwaltung nun so schnell es geht nachrüsten. In der Stadtratssitzung am 28. Januar hat Reuschen daher den Vorschlag eingebracht, weitere Container aufzustellen und vier neue Standorte auszuweisen: in der Bahnhofstraße, zwischen Steinmehlen und Weinfeld, auf der Dausfelder Höhe und an der Wertstoffinsel im Stadtwald.

Sollte der Rat dies absegnen, könnte es zumindest in der Wenzelbachstraße bald sauberer werden.