Bis man ihn hinaus bugsierte

Bis man ihn hinaus bugsierte

Das Kloster Prüm hatte viele Chefs, der Bekannteste aber bleibt Abt Regino. Er starb vor 1100 Jahren - Stadt, Gymnasium und Geschichtsverein erinnern deshalb am Freitag, 18. September, an den Mann, der einst die erste Weltchronik verfasste und noch so einiges mehr hinterließ, bevor ihn die Prümer davonjagten.

Prüm. Er wurde geboren in Altrip, erhielt den Beinamen "von Prüm", starb aber in Trier, und zwar im Jahr 915: Regino. Was der geadelte Abt für die Stadt und die Region bedeutete, das soll in seinem 1100. Todesjahr noch einmal deutlich gemacht werden. Die Stadt Prüm, das Gymnasium und der Geschichtsverein Prümer Land laden deshalb am Freitag, 18. September, 19.30 Uhr, im Fürstensaal der Abtei zu einem Regino-Abend ein.
Für den Geschichtsverein ist der Mann, der Ende des 9. Jahrhunderts zehn Jahre in Prüm wirkte, "einer der bedeutendsten Äbte und Geschichtsschreiber des Mittelalters". In dieser Zeit legte er auch ein Verzeichnis mit den Besitztümern des Klosters an - das Prümer Urbar. Das Werk lässt ahnen, welche Bedeutung die Abtei damals hatte: Mehr als 300 Orte sind im Urbar verzeichnet und erstmals urkundlich erwähnt, in Deutschland, Belgien, Luxemburg, Frankreich und den Niederlanden.
Verlorene Größe. Und Reginos Abgang aus der Abteistadt war auch nicht ganz so schön: Die höhergestellten Herrschaften klüngelten ihn hinaus. Aloys Finken, ehemaliger Gymnasiallehrer, Autor und Übersetzer der Schriften von Servatius Otler, der 1623 eine Chronik der Abtei verfasste: "Sehr wahrscheinlich waren da Adlige im Hintergrund, die gegen ihn die Griffel spitzten."
Ein bisschen Missgunst


Einer der Gründe: ausgerechnet das Urbar. Denn darin habe einiges an Besitz gestanden, den sich "die Herren gerne stillschweigend unter den Nagel gerissen hätten".
Regino wurde dann Abt im Kloster St. Martin in Trier, beerdigt ist er aber auf dem Friedhof von St. Maximin - warum, ist nicht bekannt. Im Jahr 1581 wurde das Grab geöffnet: "Da wurde umgebaut", sagt Aloys Finken. "Wie immer buddelt man dann. Und da sind sie auf das Grab gestoßen." Reginos Reste seien in außerordentlich gutem, kaum verfallenem Zustand gewesen. Aber, so berichtet Servatius Otler, nicht allzu lange: "Die herbeieilenden Brüder sahen Leichnam und Gewänder wie unversehrt und ganz, bis ein Windzug alles in Staub und Asche verwandelte."
Zum Glück haben die Prümer inzwischen verstanden, was sie an ihrem alten Abt hatten - manchmal braucht es dafür eben nur ein paar hundert Jahre. Eine Straße und das Gymnasium sind nach ihm benannt, dahinter ließ die Initiative Frauenschuh 2012 eine Regino-Statue aufstellen, von Peter Weiland aus Irrhausen gemeißelt. Und der eine oder andere Prümer (Land-) Junge wurde nach seiner Geburt auf den Namen des Abts getauft - siehe auch den unten stehenden Artikel. Regino, wenn er es wüsste, würde sich wohl freuen.
Jetzt also holen die Prümer den Abt zum Todestag aus der Asche hervor und wollen in einem festlichen Abend an ihn erinnern. Und dazu haben sie einen Fachmann eingeladen: Zu Gast ist der Historiker Wilfried Hartmann, emeritierter Professor von der Universität Tübingen. Er wird auf die politischen Ereignisse vor 1100 Jahren eingehen und dann vor allem Reginos Werke in den Blick nehmen: Das Urbar, seine Weltchronik und seine weiteren Schriften zur Musik der Spätantike und zum Kirchenrecht. Schüler des Regino-Gymnasiums begleiten den Abend mit Musik. Der Eintritt ist frei.
Extra

So genau weiß man's nicht: Regino wurde wahrscheinlich um das Jahr 840 im pfälzischen Altrip geboren, später erhielt er den Zunamen "von Prüm", nachdem er im letzten Jahrzehnt des 9. Jahrhunderts dort als Abt gewirkt hatte. Zwei Mal, 882 und 892, hatten die Normannen den Benediktiner-Besitz verwüstet, Kloster und Stadt verdanken Regino den Wiederaufbau. Trotzdem musste er Prüm 899 verlassen, weil er vermutlich einigen Neidern aus höheren Kreisen nicht passte. Reginos "Chronica", nach seinen Prümer Jahren in Trier geschrieben und 908 veröffentlicht, ist die erste umfassende Weltgeschichte aus dem Mittelalter. fpl