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Bisher noch keine Waschbären-Plage in Sicht

Bisher noch keine Waschbären-Plage in Sicht

"Waschbären erobern die Eifel", "Bitburg wird zur Waschbären-Hochburg" - so lauteten vor wenigen Tagen die Titel in der überregionalen Presse. Auslöser war eine Schätzung der rheinland-pfälzischen Forschungsanstalt für Waldökologie, wonach sich bis zu 1000 Tiere im Eifelkreis angesiedelt haben sollen. Der TV hat sich auf Spurensuche gemacht.

Waschbären sind nachtaktive Tiere - sie genau zu zählen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Was man aber zählen kann, sind die geschossenen und überfahrenen Tiere, die der unteren Jagdbehörde bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm gemeldet werden. Im Jagdjahr 2012/13 waren es 109 Tiere (in ganz Rheinland-Pfalz 260), 2013/14 80 Tiere (214) und im Jagdjahr 2014/15 63 Tiere (294) - im Landesvergleich also jeweils eine hohe Quote.Dunkelziffer ist höher


"In der Regel ist die Erlegungszahl nur die Spitze des Eisbergs", sagt Dr. Ulf Hohmann vom rheinland-pfälzischen Forschungsinstitut für Waldökologie Trippstadt, der diese Zahlen auswertet. "Die Dunkelziffer ist wesentlich höher, denn Waschbären ziehen immer im Familienverband los. Es könnten bis zu 1000 Exemplare im Eifelkreis Bitburg-Prüm leben. Aber wir haben dort noch keine Waschbären-Plage."
"Der Waschbär ist bei uns noch kein Thema", bestätigt das Forstamt Bitburg. Einer, der den Zuwanderer aus Nordamerika schon gesehen hat, ist Kreisjagdmeister Gerd Grebener von der Kreisgruppe Bitburg-Prüm im Landesjagdverband. "Mit dem Waschbär ist nicht zu spaßen. Das ist kein Kuscheltier. Und für das Ökosystem eine Katastrophe."

Denn die zur Familie der Kleinbären gehörenden Beutegreifer fressen nicht nur Obst, sondern auch Kleinsäuger, Reptilien und Vogelküken direkt aus dem Nest. Dem gegenüber steht, dass der Waschbär keine natürlichen Feinde hat. "Der Waschbär greift überall ein", sagt auch Michael Hahn vom Naturschutzbund NABU Südeifel. "Er wird das Ökosystem verändern und kann seltene Arten reduzieren." Dass der Waschbär längst heimisch geworden ist in der Eifel, bestätigt auch Hahn: Er sei bereits in eigens für die Biberforschung aufgestellte Fotofallen getappt. Vorige Woche wurde ein toter Waschbär an der Straße zwischen Irrel und Minden gesichtet; Anfang dieser Woche einer bei Fließem geschossen. Die Flusstäler der Eifel mit ihren großen Laubbaumbeständen sind das ideale Revier für Waschbären. Noch halten sie sich nur dort auf. "Wenn man aber 200 Meter von Fließem entfernt einen Waschbären schießt, kann man davon ausgehen, dass die Tiere nachts auch ihre Runden durchs Dorf drehen", meint Grebener. Bislang liegen ihm aber noch keine Informationen vor, dass der Waschbär in die Häuser geht.Bisher kein Problembär


Auch eine TV-Umfrage unter den Campingplätzen der Region, wo Waschbären sehr leicht an Futter kommen könnten, ergibt: Noch ist alles ruhig. Damit das so bleibt und der Waschbär in der Eifel nicht zum Problembär wird wie in Hessen, wo er bereits die Innenstädte erobert hat, ruft Hohmann auf, eindeutige Spuren (siehe Extra) den Jägern zu melden.
Auch wenn es keinen flächendeckenden Aufruf zum Abschuss gibt, sollten diese die Tiere schießen oder in Wahrnehmung ihres Jagdrechtes Fallen aufstellen, um die gefangenen Tiere dann waidgerecht erlegen zu können. "Wir können das Wachsen der Waschbären-Population zwar nicht verhindern", sagt Hohmann. "Aber wir können es verzögern."Extra

Der bis zu 70 Zentimeter große Waschbär stammt ursprünglich aus Nordamerika. Er hat ein graues Fell, einen rund 25 Zentimeter langen, quer gestreiften Schwanz und um die Augen eine schwarze Gesichtsmaske. Der Großteil der heute in Deutschland lebenden Tiere stammt von zwei Waschbären-Pärchen ab, die in den 1930er Jahren am hessischen Edersee ausgesetzt wurden. Andere wurden später von amerikanischen Soldat als eine Art Maskottchen mit nach Deutschland gebracht und hier freigelassen. Typische Merkmale für das Vorkommen von Waschbären sind Pfotenabdrücke im Schlamm oder im Uferbereich: Fünf freistehende Finger hinterlassen im weichen Boden einen ähnlichen Abdruck wie eine kleine Kinderhand. An Baumstämmen hinterlässt der Waschbär diagonale, V-förmig angeordnete Kratzspuren an der Borke, wenn er kopfüber hinunterklettert. Der Kot von Waschbären ist hingegen nicht einfach zu bestimmen, da er je nach Nahrungsaufnahme variiert. In Siedlungsgebieten zeigen aufgerissene Mülltonnen oder zerwühlte Blumenkübel: Der Waschbär war da. wiw