Bistum distanziert sich von Reliquienverehrern

Bistum distanziert sich von Reliquienverehrern

Partikel aus Jerusalem im Prümer Prachtschuh aus dem Mittelalter? Ist die "Sandale Christi" in der Basilika echt? Mit solchen Fragen befasst sich eine Zusammenkunft in der Abteistadt am Samstag, 16. März, und am Sonntag, 17. März. Das Bistum Trier will allerdings nichts mit der Sache zu tun haben.

Prüm. Das Bistum hält Abstand, aber die Organisatoren ficht das nicht an: Die private "Union der Nationen Europäischer Christen" (Unec) sowie das "Centre {OElig}cuménique et Scientifique de la Sainte Tunique d\'Argenteuil", beide mit Sitz in Paris, haben zu einem Reliquien-Wochenende nach Prüm eingeladen, mit Vorträgen und einer kurzen Wallfahrt zur Basilika.
Mittelalterlicher Stoffschuh


Im Mittelpunkt des Wochenendes: Die Sandale Christi - jene Reliquie, die bei der Kloster-Neugründung im Jahr 752 nach Prüm gelangte und in der Basilika in einem Schrein aufbewahrt wird (siehe Extra). Es ist ein mittelalterlicher Stoffschuh, in dem sich, so die fromme Legende, Reste von Sandalen befinden sollen, die Jesus getragen hat. Und die Unec will in Folge von Untersuchungen tatsächlich "authentische Partikel aus Jerusalem" in der Sohle nachgewiesen haben (der TV berichtete).
Der Schuh - oder besser: das angeblich eingearbeitete Material - ist also "echt"? Nun ja: "Für uns ist das kein Thema", sagt André Uzulis, Pressesprecher des Bistums Trier, auf TV-Anfrage. "Und wir unterstützen das auch nicht."
Uzulis wird dann noch etwas deutlicher, damit niemand dem Bistum oder der katholischen Kirche insgesamt versehentlich eine Nähe zu den Ausrichtern oder dem Reliquienwochenende unterstellt: "Eine Anerkennung durch ein Bistum oder den Vatikan liegt in diesem Fall nicht vor. Es handelt sich lediglich um eine Privatinitiative. Die vorgebliche Reliquie wird zum wissenschaftlichen Beweis der Existenz des historischen Jesus stilisiert."
Und das sei wiederum eine Auffassung, "die mit dem Verständnis von Reliquien in der katholischen Kirche nicht übereingeht und die als befremdlich zu bezeichnen ist. Aus Sicht des Bistums werden die Sandalen von Prüm zu einem Symbol für konservativ-politische Vorstellungen, die in ihrem katholischen Traditionalismus kein konstruktives Verhältnis zur Moderne, zur Demokratie, zur Religionsfreiheit und zur religiösen und kulturellen Vielfalt entwickeln können. Dies ist aus unserer Sicht völlig inakzeptabel."
Dabei erinnert Uzulis auch noch einmal an das, was bereits sein Vorgänger Stephan Kronenburg im vorigen Jahr gegenüber dem TV sagte: dass nämlich die Unec Positionen vertrete, von denen sich das Bistum ebenfalls klar distanziere. Die Vereinigung steht zum Beispiel der traditionalistischen Piusbruderschaft nahe, die unter anderem die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnt.
Der Unec-Generalsekretär Winfried Wuermeling hingegen lässt sich vom Bistum nicht aus der Spur bringen: Dass man in Trier die Prümer Sandale eher missachte, sei in einer gewissen Rivalität der Reliquienstandorte begründet, sagte er bereits voriges Jahr zum TV. Er freut sich jedenfalls auf die Zusammenkunft, hält an der mutmaßlichen Echtheit der Sandalen-Partikel fest - und kündigt fröhlich an, dass auch ein Piusbruder in Prüm dabei sein werde.
Das Programm am Wochenende


Beginn ist am Samstag, 16. März, 9.30 Uhr - mit dem "deutsch-französischen Kolloquium" in der Karolingerhalle. Alle französischsprachigen Vorträge sollen simultan übersetzt werden. Den Empfang der Teilnehmer übernimmt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy. Aus der Schweiz kommt Mechthild Flury-Lemberg. Sie spricht über "Texturen des Heiligen" am Beispiel des Heiligen Rocks in Trier. Monika Rolef, stellvertretende Vorsitzende der Basilikafreunde, beleuchtet im Anschluss "Historische Aspekte der Sandalenreliquie Jesu in Prüm", bevor dann Gérard Lucotte aus Frankreich von seinen Forschungsergebnissen an der Sandalenreliquie berichten wird.
In weiteren Vorträgen am Nachmittag geht es von 14.30 Uhr bis 18.30 Uhr um "Christusreliquien in Frankreich und Italien".
Am Sonntag, 17. März, ist eine "Wallfahrt zur Sandalenreliquie Jesu" mit zwei Messen um 10.30 Uhr (lateinisch in der Karolingerhalle, deutsch in der Basilika). Um 14 Uhr beginnt ein Kreuzweg in der Basilika, Ende ist gegen 15 Uhr.
Der Eintritt zum Kolloquium am Samstag kostet fünf Euro.Extra

Ein Schuh von besonderem Wert: Die Eltern Karls des Großen, Pippin der Kleine und seine Frau Bertrada (oder Bertha), vermachten dem Prümer Kloster bei der Neugründung im Jahr 752 (die Erstgründung hatte 721 Betrada die Ältere vorgenommen) eine Reliquie: einen verzierten Stoffschuh aus der Merowingerzeit (fünftes bis achtes Jahrhundert). Laut Legende sollen in diesen mittelalterlichen Schuh Reste von Sandalen eingearbeitet sein, die Jesus getragen hat. Die Union der Nationen Europäischer Christen, Ausrichter des Kolloquiums in Prüm, glaubt den Nachweis über die Echtheit der Sandale erbracht zu haben. fpl