Bistum hofft auf Rückenwind

Bistum hofft auf Rückenwind

1,3 Millionen Katholiken im Bistum Trier sind aufgerufen, Ende Oktober neue Pfarrgemeinderäte zu wählen. Den Wahlen unter dem Motto "Im Zeichen der Zeit" kommt wegen des laufenden Umstrukturierungsprozesses der Pfarreienlandschaft besondere Bedeutung zu.

Trier. Bischof Stephan Ackermann weiß, was er an den Frauen und Männern hat, die ehrenamtlich in Pfarrgemeinderäten mitwirken: "Sie tragen entscheidend dazu bei, kirchliches Leben vor Ort zu gestalten. Ohne sie wäre Kirche kaum lebensfähig. Dafür danke ich herzlich." Das Engagement der Laien ist wichtiger denn je. "Im Zeichen der Zeit" lautet der Slogan für die Pfarrgemeinderatswahlen am 29./30. Oktober. Ein vielsagendes Motto in alles anderen als leichten Zeiten für die katholische Kirche, deren Seelsorger-Personaldecke immer dünner wird, deren Einnahmen und Ansehen sinken, während nur eines zu wachsen scheint: die Verunsicherung der Basis.

Auch deshalb komme den nächsten Wahlen besondere Bedeutung zu. Bistums-Katholikenrats-Chef Manfred Thesing (Waldböckelheim, Dekanat Bad Kreuznach) nennt sie das "gefühlte Ende der Umstrukturierungen", die sich das Bistum auferlegt hat. Thesings Wunsch: "Viele Kandidaten - und eine hohe Wahlbeteiligung - das zeugt von Vertrauen und bringt Rückenwind für die Arbeit."

An den Pfarrgemeinderatswahlen 2003 und 2007 beteiligte sich gerade einmal jeder Fünfte der 1,3 Millionen wahlberechtigten Katholiken im Bistum. Für Hildegard Cremer, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Schönecken (Eifelkreis Bitburg-Prüm), nicht nachvollziehbar: "Und das nicht, weil bei uns die Wahlbeteiligung bei 34 Prozent lag, sondern weil damit die Chance weitgehend ungenutzt bleibt, in der Kirche mitzureden." Gleichwohl gibt die 44-Jährige Manfred Thesings Einschätzung recht, dass die Effizienz von Pfarrgemeinderäten "stark abhängig vom Wohlwollen des Pfarrers" sein könne: "Aber das sind Ausnahmen. Ich persönlich habe in den bisher zwölf Jahren, in denen ich in Pfarreigremien mitmache, keine schlechte Erfahrung gemacht. Ich möchte auch weiterhin dabei sein und Kirche vor Ort gestalten."

Viele Pfarrgemeinderatsmitglieder werden womöglich künftig noch größere Mitsprachemöglichkeiten haben, wenn sie in Kirchengemeinderäten mitwirken. Laut Ulrich Stinner, zuständig für die Räte im Bistum, kann solch ein "Einkammersystem" dort eingeführt werden, wo sich nicht genügend Kandidaten für pfarrliche Gremien gewinnen lassen. Ein Kirchengemeinderat ist dann quasi Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat in einem und somit auch für Verwaltungs- und Finanzfragen zuständig.

Im Internet: www.pfarrgemeinderatswahlen.deExtraPfarrgemeinderatswahlen: Jede der 922 Pfarreien im Bistum Trier wählt am 29./30. Oktober einen Pfarrgemeinderat. Das Laien-Gremium hat eine Amtszeit von vier Jahren und trägt Verantwortung für die Gestaltung und Entwicklung des Gemeindelebens. Aufgabe ist es, in allen die Pfarrei betreffenden Fragen beratend und beschließend mitzuwirken. Wahlberechtigt (und wählbar) sind Katholiken, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben. Derzeit sind es bistumsweit rund 13 000 Pfarrgemeinderatsmitglieder, die gemeinsam mit den Pfarrern das Pfarreileben gestalten. (rm.)