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Bistumsreform: Brief vom Landrat Streit löst großes Echo aus

Bistumsreform: Brief vom Landrat Streit löst großes Echo aus

Landrat Joachim Streit erhält aus vielen Orten und Pfarreien Zuspruch. Und eine Antwort aus Trier.

Ein Echo hallt durch den pastoralen Raum: Es sind die Reaktionen, die Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, auf seinen warnenden Brief an Bischof Stephan Ackermann erhalten hat. Streit hatte darin dargelegt, welche Sorgen er sich wegen der geplanten Zusammenlegung der bisher 887 Kirchengemeinden im Bistum Trier zu 35 Großeinheiten macht. Tenor: Die Kirche stößt ihre engagierten Gläubigen vor den Kopf - und die werden sich abwenden.
Dem Bischof gefiel's nicht: Bereits am Montag, bei Stephan Ackermanns Besuch in der Trierer TV-Zentrale, kritisierte er ein „pastorales Horrorszenario“ , das Streit in seinem Schreiben entwerfe, auf das er ihm inzwischen geantwortet hat. Außerdem lässt er in einer Stellungnahme an die Prümer TV-Redaktion auf unsere Anfrage mitteilen, er sei "irritiert über die Form der Kommunikation, einen Brief quasi zeitgleich mit dem Versand an die Presse zu geben, ohne eine Antwort abzuwarten".
Der Presse, dem TV also, war es natürlich recht so. Und Streit stellt klar: "Ich wollte nie einen Brief nur an den Bischof schreiben, sondern meine Gedanken mit ihm und den Bürgern des Eifelkreises teilen. Das steht auch so im ersten Satz meines Briefs."
Ackermann hält sich allerdings dann auch nicht allzu lange mit der Kritik auf, sondern geht auf Streits Vorschlag zur Zusammenarbeit ein: "Den Verantwortlichen in der Synodenumsetzung ist es wichtig, breit zu informieren und sich mit den Gläubigen und allen an der Umsetzung interessierten Menschen über ihre Sorgen und Kritikpunkte auszutauschen. Deshalb nehmen wir das Angebot des Landrats, die eigenen positiven Erfahrungen im Bereich der Entwicklung des kommunalen Lebens mit uns zu teilen, gerne an."
Am Ende also eine versöhnliche Botschaft, während sich Streit zugleich kaum retten kann vor den weiteren Reaktionen, die seit Veröffentlichung des Artikels vorige Woche bei ihm eingegangen sind: Aus zahlreichen Orten kamen Briefe, Anrufe, E-Mails - und Mitteilungen ("Posts") auf Streits Facebook-Seite, "von Auw an der Kyll bis Fleringen, von Gindorf und Speicher bis nach Heckhuscheid und Arzfeld", sagt der Landrat.
Alles Menschen, sagt Streit, "die sich Sorgen machen um die Kirche in ihrem Dorf. Und die sich engagieren." Viele Bürger hätten seine Einmischung ins Thema nicht erwartet - "wegen der Trennung von Kirche und Staat". Aber sie freuten sich darüber. Nicht nur die Laien übrigens - es sind auch zustimmende, besorgte Schreiben von Geistlichen darunter. Und nicht nur aus dem Eifelkreis kam Post: "Alle Achtung vor dem Landrat", sagt Anita Adams aus Kirchweiler im Landkreis Vulkaneifel, "er redet Tacheles."
Oder aus Konz. Von dort schreibt Egbert Dederichs auf Facebook: "Wir sind nur ein kleiner Ortsteil von Konz ... aber auch wir Gläubigen machen uns sehr große Sorgen im Rahmen von Bistum 2020!" Noch gebe es jeden Sonntag eine gut besuchte Messe, "wir haben einen intakten Kirchenchor und Singkreis … aber was kommt dann? Wir wissen hier nichts!" Alle Gläubigen "und nebenbei noch Kirchensteuerzahler", ergänzt Dederichs, "werden im Stich gelassen".Viele Streit-Facebookfreunde überschütten den Landrat mit Zuspruch - zum Beispiel Joachim Pelzer, der ihm dafür dankt, dass er Engagement zeige "für die Gemeinschaft der Menschen in der Eifel und die noch übriggebliebenen Gläubigen. Die unausgegorenen Pläne einer völlig abgehobenen (auch noch synodalen) Funktionärskaste, verfasst in einer Art nichtssagenden Kunstsprache, kommen völlig ohne den Faktor ,Mensch' aus, die Ansichten, Bedürfnisse und Traditionen der Menschen spielen keine Rolle, im Gegenteil, man will sie auch noch ,schulen', weil sie immer noch nicht auf dem richtigen Erkenntnisstand angelangt sind."
"Ich kann den Brief von Landrat Joachim Streit nur unterstützen" sagt Artur Greis, ebenfalls per Facebook. "Allein die Synode war ein Witz. Hier wurden nicht nur Gläubige, sondern engagierte, ehrenamtlich tätige Christen bewusst getäuscht. Priestermangel! Nicht das Zölibat trägt hier die Schuld. Die Wahrheit ist, man will gar keine Priester mehr. Sonst würde man längst Frauen für dieses Amt zulassen." Ihn erinnere das Vorgehen des Bistums an die Kommunal- und Verwaltungsreform, "von der mittlerweile alle Meinungsinstitute berichten, dass sie gescheitert ist. Genauso wird es dieser Pfarreienreform ergehen, weil sie ohne Sachverstand organisiert wurde."
"Hoffentlich finden diese wahren Worte Gehör", schreibt Hedy Neuerburg. "Machtlos und hilflos" komme sie sich "hier am Rande der Eifel" vor, sagt Verena Thomas. "Von oben herab kommen Reformen und Neuerungen, und die hat der Bürger zu schlucken."
Deshalb findet es Gabriele Centurioni "prima, dass Sie sich als Landrat auch in diesem Bereich in die Diskussion einschalten. Es ist ein sehr bedenkenswerter Brief, der unbedingt in die Diskussionen einbezogen werden sollte.""Auf den Punkt gebracht, Joachim", schreibt Renate Heckel. Die Menschen, ergänzt sie, "die immer alles ehrenamtlich leisten, werden dann mal vor die Tür gesetzt - was für ein Denken findet da statt? Es ist unbegreiflich.""Dieser ,Ackermann'", so lautet das Urteil von Reinhold Walzer, "bestellt seinen Acker nicht richtig. Wenn es so weitergeht, gehören wir zu der Generation, die den Untergang der Volkskirche zugelassen hat."
Rudolf Becker, früherer Bürgermeister der Verbandsgemeinde Speicher und dort im Pfarrverwaltungsrat, würde den Landrat am liebsten herzen: "Dein Brief an unseren Bischof hat mich außerordentlich erfreut! Er spricht mir aus der Seele", schreibt auch Becker und grüßt mit den Worten: "Wenn ich Dich sehe, drücke ich Dich!" Streits Brief, sagt auch Rüdiger Schumacher auf Facebook, "spricht mir aus der Seele. Ein herzliches Dankeschön für Ihre klaren Worte, und möge Gott Sie segnen."
Passt irgendwie alles zur E-Mail, die Josef Arens nach der Lektüre aus Heckhuscheid an den TV schickte: "Note: sehr gut!" Meinung


Der Landrat, das zeigen die vielen Reaktionen, hat da was angestoßen. Nicht, dass es erst jetzt rumort in den Pfarreien. Aber offensichtlich fehlte vielen Gläubigen noch ein letzter Ruck. Den hat Joachim Streit ausgelöst. Und Bischof Stephan Ackermann, der seine Reform bestimmt lieber in ruhigeren Bahnen umgesetzt hätte, geht auf Streits Angebot ein. Das ist recht - und würdig. fp.linden@volksfreund.de