Geschichte: Bitburg 1813: Letzte Party für Napoleon

Geschichte : Bitburg 1813: Letzte Party für Napoleon

Er gehört zu Frankreich wie der Eiffelturm zu Paris: Napoleon Bonaparte, französischer General und später Kaiser, der für einen kurzen Moment fast ganz Europa erobern sollte. Zu seinem 250. Geburtstag am 15. August wird in diesem Jahr nicht nur in Frankreich an ihn erinnert.

In Bitburg hat man Napoleons Geburtstag, der zusammenfällt mit Mariä Himmelfahrt, zumindest in früherer Zeit festlich begangen –  zuletzt im Jahr 1813. So geht es aus handschriftlichen Aufzeichnungen im Kreismuseum Bitburg-Prüm hervor, die jetzt erstmals ausgewertet wurden. Damals, genauer gesagt seit 1794, gehörte die Eifel zu Frankreich.

Bis an den Rhein erstreckte sich das französische Staatsgebiet. Bitburg und Prüm waren die Hauptorte zweier „Arrondissements“, den Vorläufern der späteren Kreise Bitburg und Prüm.

Im Prümer Museum ist aus dieser Zeit sogar noch eine wertvolle Marmorbüste mit Napoleons Porträt erhalten geblieben, die wohl einst die Amtsstube des Bürgermeisters schmückte (Foto unten Mitte).

Im Sommer 1813 hatte der große Napoleon den Gipfel seiner Macht allerdings schon überschritten. Seine Soldaten, darunter auch viele junge Männer aus unserem Raum, kämpften damals in Sachsen gegen preußische und russische Truppen.

In Bitburg hatte Unterpräfekt Baron d’Helmstadt eine bürgerliche Ehrengarde gegründet, die „Garde d’honneur de la ville de Bittbourg“. Deren Rechnungsbuch gibt Einblick in die Verhältnisse am Ende der napoleonischen Zeit (Foto unten rechts).

Die Garde sollte nicht nur bei festlichen Anlässen aufmarschieren, sondern war auch als Vorsichtsmaßnahme für drohende unruhige Zeiten gedacht. Sie bestand aus etwa 40 jungen Männern unter dem Kommando ihres Kapitäns M. Schlexer.

Anfang Dezember fuhr dieser nach Luxemburg, um in der Stadt zu besorgen, was in Bitburg nicht zu bekommen war: 18 Grenadiers-Kappen, 16 Ellen scharlachrotes sowie grünes Tuch, das möglicherweise für die Uniformen der Offiziere gedacht war, sechs Federbüsche und schließlich „ein Schild mit einem Adeler für den Sergent“. Ansonsten hatten die Mitglieder der Garde vermutlich selbst für ihre Bewaffnung und Kleidung zu sorgen.

Offiziell in Erscheinung trat die Garde erstmals Anfang Januar mit einem Salutschießen für den neuen Maire (Bürgermeister) Zangerle. Zum Josefstag am 19. März machte sie Parade und feuerte Gewehrsalven und Kanonenschüsse ab, ebenso am Fronleichnamsfest und schließlich am 27. Juni zum St.-Peters-Tag, dem heutigen Bitburger Pittischfest.

Als gute Franzosen feierten die Bitburger Bürger auch jeden militärischen Erfolg, den Napoleon verbuchen konnte. Nach der Schlacht bei Lützen (2. Mai 1813) stellte Bürgermeister Zangerle dafür drei Pfund grobes und ein Pfund feines Schwarzpulver zur Verfügung, die von der Garde zum Te Deum verfeuert wurden, dem Dankgebet, das zu solchen Anlässen angeordnet wurde.

Drei Wochen später, nach der Schlacht bei Bautzen, wiederholte sich das Spiel.

Das weitaus meiste Pulver aber wurde „am Fest Napoleon“, am 15. August verschossen: 9 Pfund grobes und 1,5 Pfund feines Schwarzpulver war der Geburtstag des Kaisers wert.

Und nicht nur das: Die „Herren der Stadt“, Beamte, Gutsbesitzer, Gastwirte und Geschäftsleute, die alle namentlich aufgeführt wurden, hatten zusammengelegt für ein großes Schützenfest mit Vogelschießen, abendlichem Ball und Festbeleuchtung im Stadthaus.

 Für das Preisschießen hatte Kapitän Schlexer „aus starckem Holtz“ einen schwarzen Vogel schnitzen lassen. Dieser wurde als Zielscheibe auf einer hohen Stange auf dem Spittelspesch aufgestellt, wohl gleich neben der Brauerei Zangerle an der Ecke Trierer Straße/Borenweg.

„Da der Sergant-Major das Glück hatte, dem Vogel den Kopf mit dem Hals hinwech zu schießen“, so die Aufzeichnungen, erhielt er „eine neue Sackuhr“. Danach wurde weiter geschossen, bis die ausgesetzten Preise vergeben waren: eine seidene Weste, ein seidenes Halstuch, ein Spitzenband und ein Seidenband.

Die Musikanten für den abendlichen Ball ließ man aus Echternach und Irrel kommen. Bürgermeister Zangerle stiftete ein Ohm Wein (etwa 155 Liter), und bei Bäcker Johann Philipp Schneider ließ die Garde 17 Kränze backen. Für die Beleuchtung „aller finsteren und Dühren des Stadthauses“ hatte Kapitän Schlexer in Trier 104 Öllampen bestellt.

Mit diesen wurde auch ein eigens angefertigtes Transparent mit einem aufgemalten Adler hinterleuchtet, das man im Fenster über dem Portal des Stadthauses anbrachte. Der Adler, von Napoleon zum Wappentier ausgewählt, erinnerte somit alle Teilnehmer daran, wen sie an diesem Tag zu feiern hatten.

Das Fest von 1813 kann man als eine Mischung aus volkstümlichem Schützenfest und staatlich verordnetem Personenkult verstehen. Ab 1812 begann der Stern des Herrschers zu verblassen, und alle Amtsträger und Nutznießer der damaligen Verhältnisse hatten Grund, sich Sorgen zu machen.

So dürfte der schnelle Aufbau der Ehrengarde letztendlich eine Vorsichtsmaßnahme gewesen sein und das spendierte Fest eine Investition in eine sichere Zukunft.

Das Ende der napoleonischen Herrschaft kam dennoch bald und sehr rasch im Januar 1814 –  und ohne dass die Bitburger Garde hätte schießen müssen.

Denkmal „für Napoleons Krieger“ in Kyllburg. Foto: tv/Burkhard Kaufmann
Eintrag im Rechnungsbuch der Bitburger Ehrengarde vom 14. März 1813 mit Stempel der „Mairie de Bitbourg“ und Unterschriften von Bürgermeister Zangerle und dem Beigeordneten  Thilmany. Foto: tv/Burkhard Kaufmann

Unter dem Titel „Als wir Franzosen waren“ bietet das Kreismuseum Bitburg-Prüm eine Führung an, in der Museumsleiter Burkhard Kaufmann Erinnerungsstücke aus dieser Zeit vorstellt.
Termin ist am Mittwoch, 4. September, um 19 Uhr.

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