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Bitburg bekommt Satire-Preis für Steingärten: „Eine Kulisse für einen Zombiefilm“:

Gärten des Grauens prämiert die Eifeler Kreisstadt : Bitburg bekommt Satire-Preis für Steingärten: „Eine Kulisse für einen Zombiefilm“:

Zweifelhafte Ehre: Die Satire-Seite „Gärten des Grauens“ hat Bitburg prämiert. Für ihre Schotterbeete erhält die Stadt „den Terror Gardening Award“. Im Rathaus ist man nicht begeistert.

Ein bronzener Reiher steht im Rindenmulch. Daneben kämpft sich eine Konifere aus dem Schotter. Sonst lebt hier nichts. Der Rest des Vorgartens gleicht einer Steinwüste. Das beschriebene Beet ist nur eines von vierzehn aus einer Bilderreihe, die derzeit im Netz für Furore sorgt. Verbreitet wurde sie vom Facebook-Auftritt der „Gärten des Grauens“, der selbsternannten „ersten Garten-Satire-Seite der Welt“. Die meisten anderen abgebildeten Gärten sind zu trist, um sie zu beschreiben. Auf allen Fotos dominiert die Farbe grau.

Das Bemerkenswerte: Geschossen wurden sie in Bitburg, vor allem – so scheint es – in den Neubaugebieten. Sie sollen unterstreichen, warum die Kreisstadt „wahrhaft würdig“ ist, diesen Juni den sogennanten „Terror Gardening Award“ zu bekommen.

Dieser „Award“ ist allerdings kein Preis, mit dem man sich schmückt. Jeden Monat wird er von den „Gärten des Grauens“ an eine Gemeinde verliehen, die durch Schotterbeete hervorsticht. Und die stehen seit einiger Zeit stark in der Kritik (der TV berichtete). Denn die Steingärten sind, nach Meinung von Naturschützern insektenfeindlich. Die Tiere finden dort, anders als in naturnahen, blühenden Gärten, keine Nahrung.

„Psychopathengärten“, nennt Ulf Soltau sie deshalb auf seiner Facebook-Seite. Der Berliner Biologe hat die „Gärten des Grauens“ laut Seiteninfo ins Leben gerufen, „um einen fragwürdigen Gartentrend mit Mitteln des Humors und der Satire gesellschaftlich unmöglich zu machen.“ Doch der „deutsche Michel, der die Natur als Störenfried betrachtet“, lässt sich offenbar nicht so flott umstimmen.

Steingärten liegen vor allem in Neubaugebieten nach wie vor im Trend. Der Popularität von Soltaus Seite tut dies aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Fast 57 000 Menschen folgen ihr. Tausende Fotos wurden hier inzwischen zusammengetragen. Und die Bilderflut verebbt nicht. Täglich erhält Soltau neue Schnappschüsse.

Weil sich die Fotos aus Bitburg häuften, war die Kommune reif für die Auszeichnung. Diese zweifelhafte Ehre wurde vor Bitburg bereits einigen anderen Städten zuteil, zum Beispiel Hörstel in Nordrhein-Westfalen und Papenburg in Niedersachsen. Gegenüber einigen der Preisträger kommt Bitburg in Soltaus virtueller Laudatio fast gut weg. So wurde die Gemeinde Adendorf von ihm als „entzündlicher Wurmfortsatz von Lüneburg“ bezeichnet, Papenburg in eine Reihe mit Fukushima und Tschernobyl gestellt. Aber auch für die Eifelstadt gab es keine warmen Worte: „Hier gibt es nichts, was den anonymen Alkoholiker und fachkundigen Siegelhopfen-Sommelier vom Genuss eines kühlen Blonden ablenken könnte. Das Durchwandern der Bitburger Wohnquatiere ist gemeinhin sowieso nur im Vollrausch zu ertragen - das ökologische Gewissen in Bierseligkeit ertränkt.“

Die meisten Kommentatoren stimmen mit ein. So schreibt eine Nutzerin unter dem Beitrag: „So viel Scheußlichkeit gehört verboten“, ein anderer sieht in den veröffentlichten Fotos gar eine „Kulisse für einen Zombiefilm“. Auch einige Bitburger melden sich zu Wort und üben Kritik an der Stadtverwaltung: „Jetzt werden in der Stadt noch mehr Grünflächen ersetzt durch Beton. Petersplatz und Gäßestripper-Brunnen waren mal eine kleine Oase bis der Betonesel kam.“

Was man im Rathaus von all der Aufregung hält? „Das ist ausgemachter Schwachsinn“, schreibt Stadtsprecher auf TV-Anfrage. Soltau ist für ihn ein „selbsternannter Facebook-Prophet“: „Jeder andere Ort in Deutschland käme genauso für den Award in Frage.“ 

Gleichzeitig verwies Krämer darauf, dass die Stadt ihre Hausaufgaben mache. So habe der Bauhof einen Blühstreifen nahe des Spielplatzes Schleifmühle angelegt. Außerdem habe der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, ein Grünkonzept mit Vorschlägen für Wildblumenwiesen zu erarbeiten. Und auch die Bevölkerung solle animiniert werden, ihre Gärten insektenfreundlich zu gestalten. „Auf diese Weise soll eine Reduzierung der Steingärten erreicht werden“, sagt Krämer. An ein Verbot solcher Gärten, wie es einige Naturschützer fordern, denkt in BItburg niemand.