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Bitburg braucht mehr Platz für Kinder

Erziehung : Bitburg braucht mehr Platz für Kinder

2022 soll die neue elfgruppige Kita auf dem Gelände der Alten Kaserne fertig sein. Wer glaubte, damit sei das Problem fehlender Plätze vorerst gelöst, wurde am Mittwochabend in der Bitburger Stadthalle eines besseren belehrt.

Die erste Viertelstunde des Vortrags geht runter wie Öl. Danach fängt es an zu kratzen. Nachdem Wolf Krämer-Mandeau den Zuhörern in der Stadthalle anhand von Zahlen und Grafiken aufgezeigt hat, wie toll sich die Stadt Bitburg in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie jung die Bitburger Bevölkerung im Vergleich zum rheinland-pfälzischen Durchschnitt ist, geht der Schulentwicklungsplaner auf die Schattenseite dieser Entwicklung ein. Wobei es Krämer-Mandeau ganz nett verpackt. „Sie haben das erstaunlich große Glück, viel Geld auszugeben, weil sie sich verjüngen“, sagt er, blickt dabei in die Runde, die sich zusammensetzt aus Mitgliedern des Stadtrats sowie des Haupt-, des Bau- und des Schulträgerausschusses.

Tagesordnungspunkt eins ist die Kindertagesstätten- und Schulentwicklung im Bereich Bitburg und in diesem Zusammenhang auch das sogenannte Kita-Zukunftsgesetz des Landes. Dieses wurde im August 2019 vom Landtag beschlossen, soll ab dem 1. Juli 2021 in Kraft treten und sieht unter anderem vor, dass Eltern ab dann einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung (mindestens sieben Stunden) für Kinder ab zwei Jahren haben.

Die gute Nachricht: Die Stadt Bitburg hat eine Übergangsfrist bis 2028, um die baulichen Voraussetzungen für dieses Gesetz zu schaffen. Die schlechte Nachricht: Diese Frist ändert aber nichts am Rechtsanspruch. Eltern, die in einen Ganztagsplatz benötigen, können dieses Recht ab Juli 2021 einklagen. Ein weiteres Problem: Es ist nicht allein damit getan, die Kinder tagsüber einfach länger in der Kita zu betreuen – vom zusätzlichen Personalaufwand mal ganz abgesehen.

So hat Land die Einführung des neuen Gesetzes zum Anlass genommen, alle Kindertagesstätten zu überprüfen. Seit Wochen besuchen Vertreter des Landesjugendamts nach und nach alle Kindertagesstätten, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen, inwieweit das jeweilige Raumangebot den zukünftigen Standards gerecht wird. Denn je jünger die Klientel der Kitas wird und je länger diese Kinder dann noch in den Einrichtungen betreut werden, desto größer ist der Raumbedarf. Weil dann zum Beispiel auch noch zusätzliche Ruhe, Küchen- und Speiseräume benötigt werden.

Können Einrichtungen diesen zusätzlichen Raumbedarf nicht nachweisen, führt das dann dazu, dass zukünftig weniger Kinder in der Kita betreut werden dürfen. Und genau das droht nun den Kitas in Bitburg.

Wie Carola Molitor, Leiterin des zuständigen Geschäftsbereichs der Stadtverwaltung, erklärt, seien die vier städtischen Kitas  - Altes Gymnasium, Zuckerborn, Mötsch und die Übergangs-Kita Abenteuerland - bereits besichtigt worden. „Und die einzige Kita, bei der wir da einigermaßen gut wegkommen, ist die Kita Altes Gymnasium“, sagt Molitor.

Von den dort 65 Plätzen würden auch nach Inkrafttreten des Gesetzes  weiterhin 65 Ganztagsplätze zur Verfügung stehen. Ganz anders hingegen sei die Situation in der Kita Zuckerborn. Von den ursprünglich 204 Plätzen, der beiden Häuser I und II, die zwischenzeitlich ohnehin schon hätten reduziert werden müssen, blieben letztlich nur noch 85 Plätze für eine Ganztagsbetreuung, so Molitor. In Mötsch stehe eine Reduzierung von derzeit 65 auf 40 Plätze an und bei der provisorischen Kita Abenteuerland, deren Betriebserlaubnis eigentlich nur bis Ende dieses Jahres gelte, werde derzeit noch eine Verlängerung der Betriebserlaubnis geprüft.

Was die beiden Einrichtungen in Trägerschaft der Katholischen Kita gGmbH Trier betrifft, so war auch dort das Landesjugendamt bereits vor Ort. Und laut Kita-Geschäftsführer Konrad Berg hat dieser Besuch dazu geführt, dass in der Kita Liebfrauen 24 der 154 und in der Kita St. Peter 36 der 122 Plätze wegfallen.

Noch dramatischer ist die Situation der Integrativen Kita, die von den Lebenshilfen Bitburg, Daun und Prüm betrieben wird. Von den derzeit 30 Plätzen für Förderkinder und 27 weiteren für Kinder ohne Beeinträchtigung stehen nun 22 Plätze, also ein Drittel, auf der Kippe.

Wie Hans-Joachim Kurth, Vorsitzender Lebenshilfe Bitburg, berichtet, habe das Landesjugendamt bei seinem Besuch sogar die komplette Einrichtung infrage gestellt. „Wenn ich das sehe, dann frage ich mich, in welche Richtung wir laufen“, sagt Kurth.

Hinzu kommt: Diese Zahlen bilden auch nur das ab, was durch die Einführung des Landesgesetzes ohne bauliche Veränderungen zu erwarten ist. Rechnet man dann noch die Bedarfszahlen hinzu, die der Schulentwicklungsplaner aufgrund der positiven Bevölkerungsentwicklung für Bitburg prognostiziert hat, so kommt man für die kommenden 20 Jahre auf einen Fehlbedarf von gut 400 Plätzen. Und hierbei ist die elfgruppige Kita, die derzeit auf dem Kasernengelände errichtet wird, schon mit eingerechnet.

Es besteht also Handlungsbedarf. Und zwar dringender. Weshalb sich die Stadt nicht nur Gedanken über Umbauten, Erweiterungen oder aber den kompletten Neubau von Einrichtungen machen muss, sondern zunächst einmal Sofortlösungen finden muss, um dem ab Sommer 2021 geltenden Rechtsanspruch gerecht zu werden. Die Verwaltung hat sich dazu bereits Gedanken gemacht und einen Beschlussvorschlag erarbeitet, der in der gemeinsamen Sitzung der städtischen Gremien dann auch einstimmig beschlossen wird.

Demnach soll ein Ausbau des Dach­geschosses im Gebäude der Kita Altes Gymnasium sowie eine Erweiterung der Kita Mötsch um eine Gruppe geprüft werden. Darüber hinaus wird die Verwaltung damit beauftragt, Kontakt mit dem Eigentümer der Sportschule Bitburg auf dem Flugplatzgelände aufzunehmen, um zu klären, ob dort übergangsweise Kita-Gruppen untergebracht werden können. Ebenfalls geprüft werden soll zudem die Errichtung von Containern in Modulbauweise auf dem Schotterparkplatz neben dem Stadion (das Gelände ist im Eigentum der Stiftung Bürgerhospital).

Des Weiteren wurde aus den Reihen der Gremien auch angeregt, sich bei der Suche nach Standorten für Kitas oder Übergangslösungen nicht nur auf das Stadtgebiet zu beschränken, sondern auch in den Stadtteilen Stahl und Masholder Ausschau zu erhalten.