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Bitburg: Deshalb ist das Neurozentrum so wichtig für die Eifel

Kaum Alternativen : Warum das Neurozentrum Bitburg so wichtig für die Eifel ist, aber vor einer schwierigen Aufgabe steht

Abseits von Trier gibt es in der Region weit und breit keine Neurochirurgen. Außer in Bitburg. Bis zu 800 Mal operieren Veit Engst und sein Kollege pro Jahr dort – er muss ab Ende Juni einen Verlust verkraften.

Die gute Nachricht zuerst: sie bleiben. Gab ja schon einiges an Stadtgespräch über das Neurozentrum Eifel. Das zeigen zumindest die Anrufe, die Jutta Engst immer wieder erhielt. „Ihr macht ja dicht, schade“, hieß es da am anderen Ende der Leitung. Die Gründe für die Gerüchte: Neben dem Bericht im Volksfreund über den im gleichen Gebäude entstehenden neuen Co-Working-Space (in den hinein interpretiert wurde, dass das gesamte Gebäude verkauft worden sei) und der Weggang eines der drei Ärzte. Dr. Basel Yosef verlässt das Neurozentrum. Es entsteht eine Lücke, die schwierig zu füllen sein wird. Aber dazu später mehr.

Denn zunächst lohnt ein Blick darauf, was im Zentrum überhaupt alles gemacht wird. Und das ist einiges, erklärt der Gründer und Facharzt für Neurochirurgie Dr. Veit Engst (56). Um die 1700 Patiententermine bearbeiten er und seine beiden Ärztekollegen pro Quartal. Dabei geht es um Behandlung, Beratung ... was Mediziner so machen. Aber nicht nur das: Es wird auch in mikrochirurgischer Technik operiert. Ein hochwertiges OP-Mikroskop wird ausschließlich von den Neurochirurgen genutzt. Engst ist Belegarzt im Bitburger Krankenhaus.

Bitburg: Was das Neurozentrum alles leistet

Heißt: an einem Bandscheibenvorfall, einer Spinalkanalstenose, Verletzung der Wirbelsäule, einem Karpaltunnelsyndrom oder auch an einem Schädel-Hirn-Trauma und muss unters Messer, kann Engst diese OP selbst erledigen. Im Krankenhaus, mit Unterstützung des dort angestellten Personals: „Das hat durchaus Vorteile“, sagt er, „man kann dadurch zum Beispiel direktere Entscheidungen treffen, weil ich als Facharzt nicht an das sonst übliche Chefarztsystem gebunden bin.“ Beispiel aus der Praxis: Während andere Patienten teilweise länger auf ihren Arztbrief warten, bis sie entlassen werden, geht das bei Engst ruckzuck. Bis zu 800 Operationen erledigen die Ärzte des Neurozentrums pro Jahr selbst. Sogar Hirntumore können in vielen Fällen entfernt werden.

Und das ist wichtig, denn das Neurozentrum ist das einzige seiner Art in der Region. 2004 von Engst und seiner Frau Jutta gegründet, übernehmen die Mediziner neurochirurgische und neurologische Behandlungen, für die Patienten andernfalls in das Trierer Brüderkrankenhaus oder sogar nach Köln, Bonn oder Koblenz (dort sind die nächsten Schwerpunktkliniken) müssten. Veit Engst, der nebenbei auch noch als Diakon in der Pfarrei St. Matthias, Südliche Eifel arbeitet, sieht den Vorteil seines Zentrums auch darin, dass er den Patienten länger und enger betreuen kann. Außerdem kann er sich im Zentrum bei seinen anderen beiden Kollegen schnell und unkompliziert eine Zweitmeinung einholen, wenn nötig. Noch.

Einer geht, einer wird gesucht

Denn, wie bereits angesprochen: Einer dieser Kollegen verlässt das Zentrum. Dass es nicht leicht ist, Ärzte zu finden, ist keine Neuigkeit. Dieses Problem teilen sich die Fachärzte mit ihren Kollegen, den Allgemeinmedizinern. „Teilweise ist es noch schlimmer“, sagt Veit Engst. 1500 Neurochirurgen würden insgesamt in Deutschland arbeiten, stünden also theoretisch zur Verfügung. „Aber jemanden dazu zu bewegen, nach Bitburg zu kommen, ist schwierig.“

„Wir bieten einer neuen Kollegin/en ein kollegiales Arbeitsklima, ein gut arbeitendes Mitarbeiterteam, einen großen Patientenstamm und die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten, sagt Engst.“