Bitburg feiert Folklore-Festival, eine Bilanz

Folklore-Festival in Bitburg : Das Fest ist in der Stadt angekommen (mit Online-Umfrage)

Zum zweiten Mal ging die Stadt Bitburg mit dem neuen Konzept des Folklore-Festivals an den Start – und die Rechnung ging in vielen Punkten auf. Obwohl die Regenschauer am Samstagabend einige Gäste abgehalten haben, herrschte später wieder guter Betrieb. Dennoch gibt es auch Kritik.

Kein Festzelt, kein Umzug, aber ein neuer Festplatz, der mehr und mehr zum festen Platz wird: Das neue Konzept des Bitburger Folklore-Festivals funktioniert. Standbetreiber und Gastronomen sind mit dem Ablauf der Festtage zufrieden. Und das, obwohl die Regenschauer am Samstagabend einige Besucher vertrieben oder überhaupt daran gehindert haben, sich unter die Leute zu mischen.

Es war recht frisch. Nicht ganz das Wetter, das man einer Open-Air-Veranstaltung wünscht. So ist auch der Eindruck von Jürgen Riemann, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bitburg: „Freitag- und Samstagabend waren wetterbedingt etwas verhaltener als sonst üblich. Aber am Sonntag war auch tagsüber auf allen Plätzen in der Stadt richtig viel los.“ Sein Eindruck: Im Vergleich zu den Vorjahren habe das Fest nicht an Besuchern eingebüßt. Im Gegenteil: Mit etwas mehr Wetter-Glück wäre da sogar mehr drin gewesen.

Rocken den Sonntagabend: die Roxxbusters, diesmal mit Nicholas Müller als Gaststar. Foto: TV/Dagmar Dettmer

„Aber jetzt nageln Sie mich nicht auf eine Zahl fest. Das ist wirklich schwer zu schätzen, wie viel Menschen da über die vier Tage in Bitburg waren“, sagt Riemann. Ein paar Tausend seien es aber mit Gewissheit gewesen. So fällt denn auch die Bilanz durchweg positiv aus. Obgleich es natürlich auch Verbesserungsvorschläge gibt.

Da war was los: Ob am Grünen See (links), auf dem Spittel (rechts) oder auf dem Beda-Platz (unten): ein gutes Programm zieht die Leute an. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Absolut top

Durchhaltevermögen: Die Bitburger haben alles gegeben. Manche drei, vier Tage und Nächte am Stück. Regen hin oder her. Wer dabei war, hat es nicht bereut.

Das gilt auch für die rund 1000 Tänzer und Musiker aus 14 Ländern: Die haben von früh bis spät für bunte Unterhaltung gesorgt. Tagsüber auf den Bühnen in der Stadt, abends bei der Folklore-Show in der Stadthalle.

Ebenfalls spitze: Sandra Klinkhammer mit Band am Spittel. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Durchhaltevermögen beweisen auch die rund 400 Ehrenamtlichen, die Jahr für Jahr hinter den Kulissen mitanpacken und zusammen rund 2000 Stunden im Einsatz sind, damit das Fest funktioniert.

Multikulturelles Flair: Herzstück des Festes sind die Tanz- und Musikensembles aus aller Herren Länder. Dieses Mal waren Gruppen von Weißrussland bis Peru dabei. Für Abwechslung war also gesorgt. Wie auch immer die Ensembles es schaffen, nachts noch zu spielen und morgens zum Frühschoppen wieder fit zu sein: Dieser multikulturelle Zauber, ob auf den Bühnen, beim Treff der Kulturen oder den Folklore-Shows ist und bleibt die Hauptattraktion des Festes.

Neue Spielstätte: das Retro-Grenzlandtreffen am Beda-Platz. Auch dort war es proppenvoll. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Gelungen war dieses Mal, dass im Vergleich zu den Vorjahren sowohl das Programm beim Treff der Kulturen wie auch bei der Gala-Show in der Stadthalle etwas gestrafft wurde und „nur“ zehn statt der sonst schon üblichen 16 Ensembles aufgetreten sind. So blieben die Zuschauer aufmerksam bis zum Schluss.

Der Regen kam am Samstagabend ungünstig: Da sah es vorübergehend überall mau aus. Die Plätze haben sich nach dem Regen aber schnell wieder gefüllt. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Klasse Konzerte: Anders als im Vorjahr, als es auf dem neuen Festplatz beim Grünen See kaum Bühnenprogramm gab, war dieses Mal mit top Bands an allen Abenden für Unterhaltung gesorgt. Und es zeigt sich: Da, wo eine gute Formation auftritt, sind auch die Plätze voll. Ob die Unplugged Gang und Sandra Klinkhammer am Spittel, Strange Brew und De Hofnarren am Beda-Platz, Coronation Brass am Petersplatz oder Corona, Rainer Tures und die Roxxbusters am Grünen See: Gute Musik zieht. Das sollten die Veranstalter unbedingt beibehalten.

Folklore-Festival Bitburg Regen am Samstagabend. Foto: TV/Dagmar Dettmer

Noch mehr Programm: Mit 18 Mannschaften wurde beim Bierfassrollen am Samstagnachmittag ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt. Die Zuschauergassen am Karenweg waren richtig voll. Unterhaltungswert: spitze. Gleiches gilt für das Kinder-Folklore-Festival in der Stadthalle und die Kinderbelustigung am Grünen See: Wo was geboten wird, kommen auch die Leute hin.

Folklore-Festival Bitburg 2019 - Rummelplatz. Foto: Rudolf Höser

Neue Idee: Das erste Retro-Grenzlandtreffen auf dem Beda-Platz hat sein Publikum gefunden. „Ich bin super zufrieden“, sagt Organisator Frank „Lippi“ Lippert. Viele hätten ihm zu der Idee, alles noch mal etwas improvisierter und einfacher zu machen, gratuliert. Er wollte die Atmosphäre des Folklore-Festivals, wie es vor Jahrzehnten mal war, damals noch unter dem Namen Grenzlandtreffen, wieder aufleben lassen. Der Platz war vor allem beim Konzert der Dompiraten voll.

Keine Frage: Eine Spielstätte mehr, direkt am Rummelplatz, ist ein Gewinn. Darüber haben sich auch die Schausteller gefreut.

Super Service: Sowohl am Spittel wie auch am neuen Festplatz und im Konrad-Adenauer-Park war mit etlichen Sonnenschirmen für Schutz gesorgt. Die pralle Sonne hatte dort einigen Gästen im Vorjahr zu schaffen gemacht. Dieses Mal war der Himmel zwar meist verhangen. Aber den super Service mit den Sonnenschirmen sollten Stadt und Caterer auf jeden Fall beibehalten.

Schon besser

Der neue Festplatz: Aus der Erfahrung im Vorjahr hat die Stadt gelernt. Der Vorplatz der Stadthalle und der Grüne See wurden über die Straße, die 2018 den neuen Festplatz „zerschnitten“ hat, besser miteinander verbunden. Die Gastronomen Hajo Römer und Michael Müller haben auf der gesperrten Straße Bierzeltgarnituren und Sonnenschirme aufgestellt. So wirkten die Bereiche nicht mehr ganz so getrennt.

Mit Lichterketten, grünen Baumarktteppichen und vielleicht auch ein paar mehr Ständen entlang der Straße ließe sich das noch weiter optimieren. „Lounge an der Römermauer“ – Ideen könnte man viele entwickeln, das historische Ambiente des Platzes mit seinen Bäumen (leider wieder alle ohne Lichterketten) noch mehr in Szene zu setzen.

Warum nicht leihweise auch ein paar große südländische Pflanzen aufbauen? Was Olivenbaum, Oleander, Lavendel & Co an Atmosphäre bringen, haben 2018 die Geschäftsleute in der Petersstraße bei ihrem Baustellenfest gezeigt. Auch Am Markt haben die Caterer mit Liegestühlen und Bistro-Tischen ein besonderes Ambiente geschaffen. Etwas mehr Deko könnte auch am Grünen See nicht schaden.

Das Problem: „Wir müssen binnen 24 Stunden alles geräumt haben, falls die Straße wegen eines Unfalls auf der B 51 als Umleitungsstrecke gebraucht wird“, sagt Römer. Und deshalb sei es nicht möglich, sich dort mit größeren Bauten auszubreiten. Mit dem Betrieb auf dem Platz seien er und Kompagnon Müller aber sehr zufrieden. Römer sagt: „Ich kann mir gut vorstellen, das nächstes Mal noch mal zu machen. Jetzt haben wir einen Grundstock, auf den wir aufbauen können.“

Geht (noch) besser

Mehr Rummel: Da, wo sonst der Autoscooter auf dem Beda-Platz steht, war es leer. Und auch sonst war zwischen den Wurf-, Schieß- und Losbuden mit zwei Karussells und einem Breakdancer an Fahrgeschäften nicht gerade viel geboten.

„Tatsächlich ist dieses Mal die Schaustellertruppe ein bisschen geschrumpft“, sagt Elfriede Grewe, Geschäftsführerin der städtischen Betriebs- und Verwaltungsgesellschaft Bitburg (BVB). Zwei Fahrgeschäftbetreiber, darunter auch ein Autoscooter hätten kurzfristig abgesagt. „Das ist bedauerlich, war dann aber leider nicht mehr zu ändern“, sagt Grewe. Für die, die da waren, habe sich der Einsatz gelohnt: „Die wollen alle wiederkommen.“

Grundsätzlich sei es nicht einfach, große Fahrgeschäfte wie etwa ein Riesenrad oder eine Achterbahn für das Folklore-Festival zu bekommen, erklärt Grewe: „Da stehen wir mit unserem Fest in Konkurrenz zu vielen anderen, meist größeren Veranstaltungen. Und anders als bei der Wittlicher Säubrennerkirmes ist der Rummel beim Bitburger Folklore-Festival ja nur Beiwerk und nicht die Hauptattraktion.“

Mehr Auswahl: Was das Essen angeht, könnten die Veranstalter jenseits der allseits beliebten Festplatz-Pizza und den ebenfalls guten Wurstbuden für etwas mehr Abwechslung sorgen. Was möglich ist, zeigen die Foodtrucks beim Beda-Markt. Warum nicht auch ein paar dieser Wagen entlang der Straße zum Folklore-Festival aufbauen?

Die zwei (Streit-)Fragen: Den einen fehlt der Umzug am Sonntag, weil er, vor allem für Gäste von auswärts, ein Magnet war. Andere wiederum finden das Programm an vielen Bühnen attraktiver, als Stunde um Stunde am Straßenrand zu stehen. Die andere Streitfrage: Während viele es schätzen, dass das Fest die ganze Innenstadt in Beschlag nimmt und überall was geboten ist, kritisieren andere, die einzelnen Spielstätten seien zu weit auseinandergerissen. Dem Fest fehle ein Mittel- und Treffpunkt, wie das früher der Festplatz am Alten Gymnasium war, wo das Festzelt als Hauptspielstätte stand.

Wie hat Ihnen das Folklore-Festival gefallen? Was sind Ihre Verbesserungsvorschläge? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an eifel@volksfreund.de (Name und Wohnort nicht vergessen) und nehmen Sie an unserer Online-Abstimmung auf unserer Facebookseite Volksfreund Bitburg und Prüm teil.

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