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Bitburg hat jetzt ein Elektroauto für alle

Bitburg hat jetzt ein Elektroauto für alle

Ab Sonntag können die Bürger Carsharing nutzen. Nun ja, zumindest ein bisschen. Erst einmal müssen sich alle Interessenten ein einziges Auto teilen. Für bestimmte Fahrer könnte sich das aber lohnen.

Und wieder ein Auto mehr, das Bitburgs Parkplätze verstopft. Dieses Auto ist aber in zweifacher Hinsicht anders. Zum einen tankt es im Gegensatz zu den meisten anderen Fahrzeugen grünen Strom. Wie nachhaltig der wirklich ist, darüber lässt sich streiten - aber dazu später.

Das wirklich besondere an diesem Renault Zoe mit 88 PS ist, dass ihn jeder, der einen Führerschein hat, fahren darf. Er gehört dem Energieanbieter Innogy und kann ab Sonntag zum Beispiel für 45 Cent pro Kilometer oder für 33 Euro pro Tag gemietet werden - vorausgesetzt, es ist gerade frei. Wer den Wagen nutzen möchte, kann ihn im Innogy-Laden (Römermauer 7) oder auf der Internetseite eCarSharing.innogy.com minutenweise oder für eine längere Zeit reservieren. Jeder Fahrer muss sich einmalig registrieren, zahlt aber keine Grundgebühr. Nach der Fahrt muss er wieder ans Kabel.Auf den ersten Blick teurer

Für viele, die nur ab und zu ein Auto brauchen, könnte sich das neue Angebot lohnen. Mit rund sieben Spritkosten ist die Fahrt nach Trier und zurück mit einem Benziner zwar deutlich billiger - wer Carsharing nutzt, zahlt 27 Euro. Doch während im Carsharing-Angebot bereits Stromkosten, Versicherung, Wartung und Reinigung enthalten sind, muss ein Autobesitzer seinen Wagen erst einmal abbezahlen, dazu kommen die Kosten der Versicherung, manchmal auch die Kosten für einen Parkplatz oder eine Garage.

Innogy betreibt bereits zwei von vier Ladestationen für Elektroautos in Bitburg; am Bedaplatz und an der Römermauer. Nun hat das Unternehmen eine weitere aufgestellt. Sie steht direkt vor Innogy-Laden an der Römermauer und ist nur für das neue Carsharing-Fahrzeug reserviert. Mit dem voll aufgeladenen Auto können Nutzer nach Schätzung des Anbieters bis zu 300 Kilometer fahren, also etwa nach Mainz und wieder zurück. Auch wenn das Netz an Stromtankstellen noch ziemlich großmaschig ist: In der Region gibt es einige Möglichkeiten, zu tanken. Stationen stehen etwa in Prüm, Trier oder Speicher. Das Tanken an Innogy-Stationen ist für Carsharing-Nutzer übrigens schon im Mietpreis inbegriffen. Das "intelligente" Kabel übermittelt der Ladestation, dass es sich hier um einen Carsharing-Wagen derselben Firma handelt. Grüner Strom?

Der Strom aus den Stationen kommt natürlich vom Anbieter Innogy. Der bezeichnet sein Produkt mit Recht als Grünstrom, denn die Energie stammt etwa aus Wind- und Wasserkraftwerken. Doch Andre Boehling, Energieexperte von Greenpeace, sagt: "Ein guter Ökostromanbieter sollte unabhängig sein von anderen Unternehmen, die ihr Geld mit Atom- und Kohlekraftwerken verdienen." Die meisten Innogy-Aktien gehören aber RWE - einem Unternehmen, das Atom- und Kohlekraftwerke betreibt. Wer also Ökostrom bei einem falschen Anbieter tankt, so die Kritik, unterstützt ungewollt klimaschädliche Energiegewinnung. Innogy wehrt sich gegen diese Kritik. Regionalleiter Michael Arens sagt: "Der Strom für unsere neue Ladestation stammt aus unserer Marke Eifelstrom. Die Energie dafür wird in der Region und nachhaltig produziert."

Innogy ist bislang keine nennenswerte Größe unter den Carsharing-Anbietern. Die meisten Kunden verzeichnen derzeit laut Statista das zu Daimler gehörende Car2Go und das zu BMW gehörende DriveNow. Insgesamt 17.200 Carsharing-Wagen fahren zurzeit auf Deutschlands Straßen; drei Mal so viele, wie vor fünf Jahren.
Wenn das neue Auto in Bitburg häufig gebucht wird, will Innogy wahrscheinlich nachlegen und mehr Fahrzeuge anschaffen und womöglich sogar weitere Standorte in der Eifel eröffnen. Um sicherzustellen, dass das Elektroauto in Bitburg möglichst häufig genutzt wird, wirbt Innogy um sogenannte Ankermieter. Die Stadt hat bereits Interesse angemeldet, Ankermieter zu werden und damit regelmäßige Zeitkontingente zu buchen.
Was Carsharing vom Autoverleih unterscheidet

Der größte Unterschied zwischen den beiden Angeboten ist, dass Autos beim Carsharing meist auch minutenweise gebucht werden können. Im Autoverleih, etwa bei Sixt oder Europcar, müssen Kunden den Wagen vor der Rückgabe auf eigene Kosten wieder volltanken. Beim Carsharing sind die Strom- oder Spritkosten bereits im Mietpreis inbegriffen. Autos werden schon professionell verliehen, seit es Autos gibt. Carsharing ist jünger und erfuhr erst in den vergangenen Jahren einen Aufschwung. Das liegt auch am gestiegenen Umweltbewusstsein und daran, dass Carsharing dank Internet und Smartphones heute viel effizienter zu organisieren ist.