Bitburg kapituliert vor den Krähen - Stadt verzichtet auf Abwehraktionen

Bitburg kapituliert vor den Krähen - Stadt verzichtet auf Abwehraktionen

In jedem Frühjahr treffen sich die Krähen des Umlands im Bitburger Waisenhauspark, um dort ihren Nachwuchs auszubrüten. Dort übersäen sie die Parkanlage mit Kot. Jahrelang hat die Stadt versucht, die geschützten Tiere an andere Nistplätze zu locken - vergebens. Nun scheint sie sich damit abgefunden zu haben, dass sich die Vögel nicht vertreiben lassen.

Die Kelten sind unter anderem bekannt dafür, dass sie bestimmten Orten, Pflanzen und Tieren mystische und übernatürliche Kräfte zugeordnet haben. Raben und Krähen wurden mit Dunkelheit und Tod in Verbindung gebracht. Und einigen Legenden zufolge waren Krähen sogar in der Lage, die "Anderswelt" ungehindert zu überqueren.

Doch sollten die Kelten, die zur Eröffnung des rheinland-pfälzischen Kultursommers gemeinsam mit Römern, Wikingern, Rittern und sonstigen Zeitsoldaten der Vergangenheit für zwei Tage in Bitburg ihr Lager aufschlagen, mit dieser Anderswelt ein Problem haben, dann übernachten sie besser im Hotel. Denn errichtet werden soll dieses Lager im Waisenhauspark. Und wenn es dort ein Tier gibt, das besonders oft vorkommt, so ist das die Krähe.

Die Baumkronen des Parks sind voll mit Krähennestern. Jedes Frühjahr kehren die Krähen in diese Kronen zurück, um die Nester auszubauen, zu reparieren oder um die Siedlung um neue Brutstätten zu erweitern. Viele Jahre hat die Stadt versucht, die Krähen aus dem Waisenhauspark zu vertreiben (siehe Extra). Doch weil die Saatkrähe aus der Familie der Rabenvögel bundesweit als besonders geschützte Vogelart gilt, ist es verboten, die Vögel zu töten, zu fangen, ihre Nester zu zerstören oder ihre Eier zu entfernen und die Tiere während der Brut und Jungenaufzucht zu stören.

Darüber hinaus sind Krähen sehr intelligente Vögel, die sich nicht ohne weiteres vertreiben lassen. Das wissen vor allem die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die deshalb vorerst auch keine Aktionen mehr geplant haben. Das wissen aber auch die Mitarbeiter und Kinder der Integrativen Kindertagesstätte Bitburg. Denn die Außenanlage der Kita grenzt unmittelbar an den Waisenhauspark.Kita-Terrasse voller Kot


"Die fliegen über unsere Terrasse und lassen dort ihren Kot fallen", sagt Christel Jäckel, Leiterin der Kita. Natürlich sei es gut und richtig, dass die Tiere unter Schutz stünden, sagt sie. Dennoch wäre sie froh, wenn es der Stadt irgendwie gelingen würde, die Krähenkolonie umzusiedeln. Sie habe kürzlich noch gesehen, wie jemand mit einem aufgespannten Regenschirm durch den Park gegangen sei, sagt Jäckel. Und der Schirm habe nicht zum Schutz vor Regen gedient.

Gegenüber der Kita, auf der anderen Seite des Waisenhausparks, stehen die Häuser der Theobald-Simon-Straße. Dort wohnt Michael Müller. Bislang sei er noch nicht getroffen worden, sagt er, doch seien die Tiere auch ziemlich laut. Trotzdem hat er sich mit der Situation abgefunden. "Sich darüber zu ärgern, bringt ja auch nichts", sagt Müller.

Nachbarin Gertrud Krones ärgert sich nicht. Im Gegenteil: "Das stört mich gar nicht", sagt sie. "Ich bin sogar froh, wenn sie kommen." Sie und ihr Mann wohnten jetzt seit gut 16 Jahren dort und hätten sich an die Krähen längst gewöhnt so Krones. "Ich hänge so viel Wäsche draußen auf", fügt sie hinzu, "und bis jetzt ist nie was drauf gelandet".Extra

Die Stadt Bitburg hat nach Angaben der Verwaltung in jüngster Zeit nichts mehr gegen die Krähen unternommen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die bisherigen Maßnahmen außer Kosten keine Wirkung erzielt haben. So hatte die Stadt die Bäume bereits mehrfach gestutzt und 2012 schließlich einen Falkner mit der Lösung des Problems beauftragt. Mit Hilfe eines Habichts, der über mehrere Wochen hinweg zweimal täglich durch den Waisenhauspark gejagt wurde, sollten die Krähen vertrieben werden. Doch die Tiere haben sich von der Aktion wenig beeindrucken lassen. Auch mit sogenannten Krähenklatschen hat es die Stadt bereits versucht. Diese Klatschen, die lediglich aus zwei Brettern und einem Zugseil bestehen, werden in den Bäumen befestigt, wobei ein Ende des Seils in Griffweite hängt. Zieht der Parkbesucher an dem Seil, knallen die Bretter aneinander, wodurch die Krähen aufgescheucht werden. Gebracht haben diese Klatschen, die ohnehin nur außerhalb der Brutzeit verwendet werden dürfen, jedoch nichts. uhe

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