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Bitburg: Neubau statt Sanierung bei Kita Liebfrauen

Stadtrat : Gebäude der Kita Liebfrauen in Bitburg wird abgerissen - Entscheidung gegen Sanierung gefallen

Einstimmig haben Stadtrat und Ausschüsse den Abriss und Neubau der Bitburger Kita Liebfrauen beschlossen. Bei der Entscheidung zur Auswahl standen auch noch zwei andere und günstigere Varianten.

Wenn ein Planer in einem Gremium ein Projekt präsentiert und dabei unterschiedliche Varianten vorstellt, dann ist in der Regel immer recht schnell zu erkennen, welche dieser Varianten der Planer favorisiert. In den meisten Fällen handelt es sich dabei keineswegs um die günstigste Variante, sondern meist um die, bei welcher der Gestaltungsspielraum am größten ist. Oder anderes formuliert: Werden drei Varianten präsentiert, so ist in der Regel immer eine dabei, die eigentlich gar nicht in Frage kommt, sodass die Wahl zwischen den beiden übrigen letztlich von der Kostendifferenz abhängt. Je geringer diese Differenz ist, desto größer sind am Ende meist die Chancen, dass die Wahl des Gremiums dem Favoriten des Planers entspricht.

Drei Optionen für die Zukunft der Kita Liebfrauen in Bitburg

Im Fall der Pläne zur Zukunft der Bitburger Kindertagesstätte Liebfrauen ist das zweifelsohne gelungen. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, hat bauliche Mängel, ist viel zu klein. Und als Antwort auf die Frage, wie man damit nun umgeht,  stehen in der gemeinsamen Sitzung von Stadtrat, Bauausschuss und Hauptausschuss drei Szenarien zur Wahl: Ein umfassende Sanierung und Umgestaltung des Altbestands inklusive einer Reduzierung der Gruppenzahl von vier auf drei, eine Sanierung und Umgestaltung des Altbestands inklusive Erweiterung zum Erhalt der vier Gruppen und nicht zuletzt der Abriss des Gebäudes, um es durch ein neues, größeres zu ersetzen.

Richtig unsexy ist in diesem Fall Variante eins, weil laut der groben Kostenschätzung des Planers 2,2 Millionen Euro investiert werden müssten, um am Ende auf eine Gruppe zu verzichten, und gleichzeitig immer noch zu wenig Platz für die restlichen drei Gruppen zu haben.  Letzteres hängt damit zusammen, dass das vor 50 Jahren errichtete Gebäude bei weitem nicht mehr dem heutigen Raumbedarf gerecht wird. So sind zum Beispiel zu wenig Neben- und Schlafräume vorhanden, es gibt keinen Bereich für die Hauswirtschaftskräfte, es fehlen Toiletten und auch die Küche ist viel zu klein.

Durch eine Erweiterung ließe sich das Problem beheben, ohne die Gruppenzahl zu reduzieren. „Es bleiben aber auch bei einer Erweiterung strukturelle Probleme, wie etwa die weiten Wege“, erklärt dazu Planer Joachim Schneider, der es zwar nicht konkret ausspricht, aber durchaus durchsickern lässt, dass er für Variante drei plädiert. Also nicht umbauen, nicht erweitern, sondern abreißen und neu bauen.

Stadt Bitburg lässt Kita abreißen und neu bauen

Genauso sehen das auch die Gremien – was vor allem mit der Kostendifferenz zwischen Variante zwei und drei zusammenhängt. Sanierung und Umbau samt Erweiterung würden laut Kostenschätzung 3,5 Millionen Euro kosten, ein Abriss und Neubau 3,9 Millionen Euro. Dazwischen liegen also „nur“ 400.000 Euro Differenz, wofür es als Gegenleistung ein komplett neues und nach allen Bedürfnissen geplantes Gebäude gibt. Sofern die Rechnung am Ende auch entsprechend aufgeht. Was das betrifft, zeigt sich der Architekt allerdings zuversichtlich. Die Kosten seien realistisch ermittelt, sagt er. Und dem vertrauen dann auch die Mitglieder des Stadtrats und der beiden Ausschüsse, die einstimmig den Neubau beschließen.

Bis zum Liebfrauen-Neubau wird es rund 15 Monate dauern

Davon aber nicht betroffen ist der vor knapp zehn Jahren errichtete Modulneubau auf dem hinteren Bereich des Kita-Grundstücks. Dort werden drei Gruppen betreut und dort soll sich im Zuge der nun beschlossenen Maßnahme baulich auch nichts ändern. Eine Übergangslösung ist dafür aber für die vier Gruppen im Hauptgebäude notwendig. Schließlich muss das alte Gebäude ja erst verschwinden, bevor ein neues gebaut werden kann – was nach Aussage von Schneider insgesamt rund 15 Monate in Anspruch nehmen wird.

Geplant ist deshalb, mit dem Projekt Kita Liebfrauen erst zu starten, wenn die städtische Kita auf dem Gelände der Alten Kaserne fertig ist. Das soll spätestens im Sommer 2023 der Fall sein. Dann können die Gruppen, die derzeit ebenfalls auf dem Kasernengelände in der Übergangs-Kita Abenteuerland betreut werden, in den komplett umgebauten Kasernenblock ziehen und die Kinder aus Liebfrauen wiederum ins Abenteuerland. Dort würden sie dann bleiben, bis der Neubau fertig ist. Damit wäre dann frühestens Ende 2024 zu rechnen.